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Zahlreiche industriell hergestellte Lebensmittel sind mit Fruktose gesüßt.

 
Allgemeinmedizin 30. September 2013

Zu viel Fruktose in unserem Essen

Fruchtzucker – das klingt gesund, ist es aber nicht. Es handelt sich dabei keineswegs um die „gute“ Variante des Zuckers. Denn zu viel Fruktose schädigt Leber und Herz.

Fruktose anstatt Glukose einzusetzen, heißt, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Zwar haben mit Fruktose gesüßte Nahrungsmittel weniger Kalorien, für die Gesundheit sind sie aber trotzdem eine Gefahr.

Die nichtalkoholische Fettleber ist im Kommen. In den USA ist sie bereits die häufigste Ursache für chronische Leberkrankheiten und zu einem ernst zu nehmenden Problem der öffentlichen Gesundheit geworden. Aber auch in Österreich sind schon 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen – die meisten, ohne es zu wissen. Die Prävalenz wird weiter steigen und mit ihr das Risiko für schwere Lebererkrankungen: Menschen mit nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH), einer schwerwiegenden Form der Fettleber, haben ein höheres Risiko, Leberzirrhose oder ein Leberkarzinom zu entwickeln. Da die nichtalkoholische Fettleber in direktem Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom und Insulinresistenz steht, besteht auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Schuld am steigenden Auftreten der nichtalkoholischen Fettleber ist unser Lebensstil. Gefördert wird die Erkrankung durch die Aufnahme von zu viel Fruktose, und dafür muss die Lebensmittelindustrie verantwortlich gemacht werden. Es konnte gezeigt werden, dass moderne Ernährungstrends wie ein hoher Konsum von High-Fructose-Corn-Syrup – wie er in der Lebensmittelindustrie sehr häufig eingesetzt wird – und bestimmter Fette, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Fettleber spielen (Rahimi et Landaverde: Nutr Clin Pract 2013).

Zufallsbefund im Ultraschall

„Veränderungen an der Leber haben in letzter Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen“, sagt Dr. Bernhard Mayr, Primarius der Abteilung für Innere Medizin, LKH Gmunden. Besonderes Interesse kommt heute der nichtalkoholischen Fettleber zu. „Ungefähr 20 bis 30 Prozent der Österreicher leiden daran und die meisten davon wissen es gar nicht.“ Sehr häufig ist es ein Zufallsbefund im Ultraschall.

„Die Ursachen dafür liegen vor allem im erhöhten Fettkonsum auf der einen Seite, aber auch in der vermehrten Fett- und Triglyzerid-Produktion des Körpers auf der anderen Seite“, erklärt Mayr. „Dazu muss das notwendige Substratangebot vorhanden sein und da spielt die Fruktose eine zentrale Rolle.“ Denn die Fruktose wird im Körper über einen ähnlichen Weg wie Alkohol abgebaut: Überschüssige Fruktose wird nach Aufnahme durch den Körper ausschließlich von der Leber verstoffwechselt. Wird zu viel Fruktose in der Leber gespeichert, bildet das Organ Triglyzeride, von denen ein Teil im Organ zur Energiespeicherung abgelagert und der Rest an den Blutkreislauf abgegeben wird. Und dies kann wiederum zu erhöhten Blutfettwerten führen. „Das heißt: Wenn man zu viel Fruktose zu sich nimmt, steigen die Triglyzerid-Werte auf jeden Fall an“, so Mayr.

Kein „guter“ Zucker

Fruktose, also Fruchtzucker, ist vor allem in Obst, zum Beispiel in Weintrauben, Äpfeln, Birnen, und Gemüse, beispielsweise in Paprika, Kohlgemüse oder Rüben, enthalten.

Außerdem findet sich Fruchtzucker in handelsüblichem Haushaltszucker, zusätzlich aber auch in zahlreichen industriell verarbeiteten Lebensmitteln. So enthalten Fruchtsäfte, Fruchtsirup und Limonaden, diverse Süßigkeiten, Fruchtkompotte, Marmelade und Honig, aber auch Dörrobst Fruktose.

Aufgrund des niedrigen glykämischen Index wurde Diabetikern lange Zeit Fruktose als Süßungsmittel empfohlen. „Heute weiß man, dass Fruktose maßgeblich für Leberschäden und Bluthochdruck bei Diabetikern verantwortlich ist und fruktosehältige Nahrungsmittelprodukte für Diabetiker wurden vom Markt genommen“, so Mayr.

In der Nahrungsmittelindustrie hat sich die schädliche Wirkung der Fruktose anscheinend noch nicht herumgesprochen: „Vom Süßungsmittel für Diabetiker ist Fruktose zu dem Süßungsmittel schlechthin der Industrie geworden“, berichtet die Diätologin Eva Hagl-Lechner. „Es hat eine echte Blitzkarriere am Markt hingelegt.“ Das hat mehr oder weniger gute Gründe: Fruktose ist mehr als zehnmal so süß wie Glukose, hat aber weniger Kalorien. Daher wird Fruktose auch oft in vermeintlich gesunden Lebensmitteln eingesetzt wie z.B. in diversen Wellness-Drinks. Andererseits wird Fruktose Lebensmitteln meist als „High Fructose Corn Syrup“ (HFCS) zugesetzt. Dieser kann einfach und sehr kostengünstig aus Mais hergestellt und leicht mit dem betreffenden Produkt gemischt werden, was den Anforderungen der Industrie sehr entgegen kommt. Die Liste der mit HFCS gesüßten Produkte ist lang: „Es ist in Müslis, Backwaren, Fertiggerichten, Würzmischungen, Chips und vor allem in Süßwaren, gesüßten Getränken und Limonaden enthalten“, so Hagl-Lechner.

Im Bewusstsein der Allgemeinbevölkerung hat Fruktose immer noch eine positive Konnotation: als kalorienarmer „gesunder“ Ersatz für Glukose. „Bei meinen Patienten braucht es oft viel Überzeugungskraft, bis sie mir glauben, dass ihnen zu viel Fruchtzucker - vor allem jener in industriell hergestellten Lebensmitteln - nicht gut tut“, berichtet Hagl-Lechner.

„Wir sollten diesen Zucker so gut wie möglich meiden bzw. zumindest reduzieren“, bestätigt Mayr. „Aber das ist nicht so einfach: Wir sind alle damit aufgewachsen, dass alles was in Früchten vorkommt auch gesund sein muss. Bei meinen Patienten bin ich gerade dabei, das umzustellen und ihnen zu erklären, dass Fruchtzucker nicht immer gut ist. Aber es ist ein weiter Weg dorthin.“

Medizinprodukt wandelt Fruktose in Glukose um

„Ich lege meinen Patienten nahe, Fruktose in Obst von Fruktose in industriell hergestellten Lebensmitteln zu unterscheiden“, empfiehlt Hagl-Lechner. Außerdem sei es wichtig zu wissen, dass Fruktose kein Sättigungsgefühl erzeugt wie Glukose: „Fruktose verführt dazu, zu viel zu essen.“

Weil so viele industriell hergestellte Nahrungsmittel mit Fruktose angereichert sind, ist eine Reduktion des Konsums über Ernährungsgewohnheiten sehr schwer zu erreichen, fürchtet Mayr. Als unterstützende Maßnahme zur Reduktion der Fruktoseaufnahme ist seit Kurzem ein Medizinprodukt auf dem Markt. Xylosolv® vermindert die Fruktoseaufnahme im Darm. Es enthält Xylose-Isomerase, ein Enzym, das im Dünndarm vorhandene Fruktose zu Glukose umwandelt und somit der Entwicklung einer nichtalkoholischen Fettleber vorbeugt. Vor allem Diabetikern soll es helfen, die Blutfettwerte zu regulieren.

Quelle: „Neues Präparat: Erhöhte Blutfettwerte durch Fruktoseaufnahme können ab sofort behandelt werden“, Pressegespräch der Fa. Sciotec, Wien, 17. September. 2013

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