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Süßes und Nahrungsmittel mit hohem glykämischem Index scheinen besonders ungünstig auf die Talgproduktion zu wirken.
 
Allgemeinmedizin 3. April 2013

Fett und Zucker bei Akne

Ernährung löst zwar die Hauterkrankung nicht aus, ihren Verlauf kann sie aber durchaus beeinflussen.

Hat Akne im Gesicht vieler Jugendlicher etwas mit ihrer Ernährung zu tun? Schokolade und Pommes mit hohem glykämischem Index sind laut Studienlage eher ungünstig, auch Milch ist nicht gut für reine Haut. Letztlich ist aber die Evidenz dazu noch recht dünn.

Wenn große Feierlichkeiten wie Weihnachten oder Ostern vorbei sind und sämtliche Pralinen, Kuchen und Schokoladehasen verspeist sind, dann machen sich auf der Haut oft die Nachwirkungen dieser Völlerei aus viel Süßem und Fettigem bemerkbar: Talggefüllte Pickel sprießen im Gesicht wie sonst das ganze Jahr über nicht, als wollte der Körper auf diese Weise das überschüssige Fett und das Zuviel an Kohlenhydraten wieder los werden. Solche Beobachtungen haben Ärzte auch schon vor über hundert Jahren bei pubertierenden Jugendlichen gemacht, als sich dank der Industrialisierung ein immer größerer Teil der Bevölkerung eine zucker- und fetthaltige Nahrung leisten konnte. Solche Folgen haben Forscher auch immer dann festgestellt, wenn sich Naturvölker, die keine Akne kannten, einen westlichen Lebensstil angewöhnten oder die arme Landbevölkerung in die Stadt zog. Man hat also schon sehr früh einen Zusammenhang zwischen Akne und Ernährung vermutet und stark betroffenen „Pickel“gesichtern empfohlen, sich etwas zurückhaltender an Süßem und Fettem zu laben. Doch Beobachtungen und persönliche Erfahrungen liefern bekanntlich noch lange keine wissenschaftliche Evidenz, selbst wenn jeder glaubt, entsprechende Erfahrungen schon einmal gemacht zu haben. Was spricht also aus wissenschaftlicher Sicht dafür, dass Süßfettes eine aknefördernde Wirkung hat?

Genauere Sichtung der Studienlage

Genau genommen recht wenig, nimmt man die unerwünschten Hautveränderungen mit den strengen Kriterien der evidenzbasierten Medizin unter die Lupe, stellen jetzt Ernährungswissenschaftler um Jennifer Burris von der Universität in New York fest. Studien zu dem Thema hat es zwar in den vergangenen hundert Jahren mehr als genug gegeben, die meisten waren jedoch methodisch sehr schlecht. Immerhin fanden die US-Forscher nach der Analyse zahlreicher Datenbanken noch 27 Untersuchungen, die einen Blick wert waren.

So hat man in den 1920er-Jahren geglaubt, dass Schokolade nicht gerade günstig für eine reine Haut ist. Damals hatten Forscher erkannt, dass diese Zucker- und Fettmischung die Blutfettwerte erhöht. Sie vermuteten, dass die Talgdrüsen als eine Folge auch die Ölproduktion steigern und damit eine Akne verschlimmern. In den 1930er-Jahren tauchten dann Berichte über eine gestörte Glukosetoleranz bei Aknepatienten auf, worauf man ihnen dringend eine Reduktion des Kohlenhydratkonsums empfahl. Erste Beobachtungs- und Fall-Kontroll-Studien in den 1940er- und 1950er-Jahren deuteten auch auf einen Zusammenhang von Akne mit hohem Milch- und Fettkonsum.

„Placebo-Schokolade“ verleitete 40 Jahre lang zu Fehlurteilen

Einen nachhaltigen Wendepunkt gab es allerdings in den 1960er-Jahren, berichtet das Team um Burris. 1961 fanden Wissenschaftler in einer experimentellen Studie keine Verbesserung der Akne bei einer Reduktion des Kohlenhydratkonsums, auch konnten sie keine gestörte Glukosetoleranz feststellen, und in einer Fall-Kontroll-Studie aus dem Jahr 1967 zeigten sich keine Unterschiede im Zuckerkonsum von Patienten mit einer gestörten Talgproduktion und der gesunden Kontrollgruppen.

Einen besonders großen Einfluss hatte aber eine immer wieder zitierte Untersuchung aus dem Jahr 1969: Die Studienteilnehmer mit milder bis moderater Akne bekamen in einer Doppelblind-Überkreuz-Studie über vier Wochen hinweg eine Zusatzration Schokolade oder „Placebo“. Nach einer kurzen Absetzphase wurde Schokolade mit Placebo getauscht. Das Ergebnis: In beiden Gruppen stellten die Forscher zu keinem Zeitpunkt Unterschiede im Verlauf der Akne fest. Allerdings unterschied sich der Fett- und Zuckergehalt des „Placeboriegels“ nicht von dem der Schokolade. Mit der Studie hat man also nur festgestellt, dass der Kakao in der Schokolade keine Pickel verursacht, dennoch seien diese und ähnliche Studien fälschlicherweise immer wieder als Beleg zitiert worden, dass die Ernährung eine Akne nicht beeinflusse, schreibt Burris. Die Folge war, dass über 40 Jahre hinweg der Zusammenhang kaum noch weiter untersucht wurde.

Zucker und Pommes sind eher ungünstig

Erst im neuen Jahrtausend wagten sich dann wieder Forscher an das Thema. Auslöser waren große Kohortenstudien, mit denen man Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Erkrankungen auf eine neue Evidenzstufe hob. Mit diesen Daten ließ sich zum Teil auch der Einfluss der Ernährung auf Akneinzidenz und -verlauf neu prüfen. In drei solcher Studien mit knapp 50.000 Teilnehmern war die Aknerate bei hohem Milchkonsum deutlich erhöht. Da auch diese Studien zahlreiche Limitationen und Fehlerquellen haben, sehen Burris und Mitarbeiter aber noch keine ausreichende Evidenz, um bei Akne vor Milch zu warnen.

Etwas besser sieht es mit der Evidenz beim Einfluss von Kohlenhydraten aus. Ein Forscherteam machte dazu vor einigen Jahren mehrere Interventionsstudien. Die Teilnehmer wurden über einige Wochen hinweg mit Essen ernährt, das eine hohe oder niedrige glykämische Last aufwies, also entweder besonders viel oder wenig leicht blutgängige Kohlenhydrate hatte. Mit niedriger glykämischer Last – also etwa wenig Zucker und Pommes – schwächte sich die Akne tatsächlich ab, auch verbesserte sich die Insulinsensitivität. Schließlich waren auch Konzentrationen von Hormonen und Wachstumsfaktoren, die eine Talgproduktion begünstigen, niedriger als bei hoher glykämischer Last. Allerdings nahmen die Teilnehmer mit der niedrigen glykämischen Last auch deutlich ab, was das Ergebnis verzerrt haben könnte.

Trotzdem sehen Burris und Mitarbeiter in diesen Studien die bislang überzeugendsten Hinweise auf den Nutzen einer niedrig-glykämischen Diät bei Akne. In einer Studie aus dem Jahr 2012 ließen sich die Ergebnisse bestätigen. Mit einer niedrigen glykämischen Last verringerten sich unabhängig von Gewichtsveränderungen sowohl entzündliche als auch nicht entzündliche Hautläsionen, und die Größe der Talgdrüsen ging zurück.

Evidenz für konkrete Diät-Empfehlungen fehlt

Wenig konsistent sind dagegen moderne Untersuchungen zum Fettkonsum und Akne. Einige Studienautoren fanden in Befragungen und Kohortenstudien beim fettigem Fastfood eine Verschlimmerung der Akne, andere hingegen keinen Einfluss. Fisch schien in einigen Studien protektiv zu wirken, Omega-3-Fettsäuren zeigten hingegen in anderen keinen Nutzen.

Burris und ihr Team gehen nach Sichtung all dieser Daten davon aus, dass die Ernährung zwar keine Akne auslöst, ihren Verlauf aber durchaus beeinflusst. Süßes und Nahrungsmittel mit hohem glykämischem Index scheinen besonders ungünstig auf die Talgproduktion zu wirken, ebenso Milch, wobei noch unklar ist, ob Hormone, Fett oder Milchproteine die Pickel wachsen lassen.

Allerdings sehen die Ernährungswissenschaftler noch immer nicht genügend Evidenz für konkrete Empfehlungen zur Diät bei Akne. Dazu müssten noch viele Fragen in weiteren Studien geklärt werden. Vielleicht stehen die Chancen ja gar nicht schlecht, dass man zumindest bis zum Ende dieses Jahrhunderts etwas weiser ist. Bis dahin kann man sich weiter auf seine Erfahrungen verlassen und darauf vertrauen, dass vielleicht zwar nicht die Akne, aber zumindest die Weihnachts- bzw. Osterpickel wieder verschwinden, wenn man nach der alljährlichen Völlerei für die nächsten Wochen keine Schokolade und nichts mehr Süßes sehen kann.

 

basierend auf: Burris, J. et al. J Acad Nutr Diet. 2013;113:416–430
DOI 10.1016/j.jand.2012.11.016

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 14/2013

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