zur Navigation zum Inhalt
Erhöhter Alkoholkonsum scheint das Risiko für Endometriumkarzinome zu steigern.
 
Onkologie 21. Februar 2013

Lebensstil als Risikofaktor

Der Leberparameter Gamma-GT erweist sich als krebsrelevanter Risikofaktor für Endometrium- und Mammakarzinome. Hohe Cholesterinwerte korrelieren dagegen nicht mit der Entstehung von Tumoren.

Über mögliche Korrelationen zwischen metabolischen Risikofaktoren mit Krebserkrankungen gibt es nur wenige signifikante Belege. Ein seit 2006 etabliertes europäisches Forschungsprojekt mit Beteiligung der Medizinischen Universität Innsbruck wirkt diesem Defizit entgegen.

Im Rahmen des Me-Can (Metabolic syndrome and Cancer)-Projektes analysieren Forscher um Prof. Hanno Ulmer in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Norwegen und Schweden systematisch relevante Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und der Entstehung von Tumoren. Die statistischen Analysen basieren auf Daten von über 550.000 Erwachsenen, die in den Jahren von 1972 bis 2006 gesammelt wurden.

Krebsrelevanter Leberwert

In zwei kürzlich veröffentlichten Arbeiten wurden Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und der Mortalität beim Endometriumkarzinom sowie zwischen dem Cholesterinspiegel und verschiedenen Krebserkrankungen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Lebensweise eine wichtige Rolle bei der Mortalität des Endometriumkarzinoms spielt. Die Lebensstilfaktoren Body-Mass-Index und Gamma-Glutamyltransferase (GGT) konnten bereits in vorangegangenen Studien als signifikante Indikatoren für die Entstehung des Endometriumkarzinoms entlarvt werden. Die aktuelle Studie liefert nun Belege, dass die GGT, nicht aber der Body-Mass-Index, auch mit dem Überleben zusammenhängt. Neben bekannten Indikatoren wie Alter und histologischem Befund wurde eine signifikante Assoziation des Überlebens der Krebspatientinnen mit dem Parameter GGT gefunden. GGT kann – vor allem in Zusammenhang mit erhöhtem Alkoholkonsum bzw. Lebererkrankungen – als Lebensstil-Parameter interpretiert werden und war in der neuen Studie deutlich mit der Sterblichkeit assoziiert.

Keine Signifikanz bei Cholesterin

Das Ziel der zweiten, im Rahmen des Me-Can-Projektes entstandenen Arbeit war es, den Zusammenhang zwischen Cholesterinspiegel und Krebsentstehung zu untersuchen. Positiv signifikante Zusammenhänge von Cholesterin mit dem Auftreten von Krebserkrankungen konnten jedoch nicht beobachtet werden. Ein niedriger Cholesterinspiegel war allerdings mit einem signifikant höheren Risiko für Leber-, Gallenblasen-, Blut- und Brustkrebs verbunden. Dieses Ergebnis muss allerdings richtig interpretiert werden: Ein Großteil der konstatierten negativen Zusammenhänge kann mit „Reverse causation“ erklärt werden. „Das heißt: Cholesterin wird wahrscheinlich durch eine beginnende Krebserkrankung gesenkt, ist aber nicht auslösender Faktor einer Krebserkrankung“, erklärt Ulmer.

Metabolisches Syndrom

Auch in früheren Analysen lieferte das Department bereits wichtige Hinweise für die Effekte des Metabolischen Syndroms auf die Tumorentstehung. „Personen, die die Faktoren Fettleibigkeit, Bluthochdruck, veränderte Blutfettwerte und Insulinresistenz in ihrem Krankheitsbild vereinen, zeigen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren- und Leberkrebs sowie von gynäkologischen Tumoren“, bestätigt Ulmer. Beim Pankreas- und Leberkrebs sind es vor allem erhöhte Blutzuckerwerte, die zu diesen Erkrankungen führen können. Beim Darmkrebs und beim Endometriumkrebs ist es eher das Übergewicht, während für die Entstehung von Tumoren der Niere der Faktor Hypertonie relevant zu sein scheint.

Originalpublikationen: Edlinger M et al.: Cancer Epidemiol 2013; Strohmaier S et al. : PLoS One 2013

Med. Univ. Innsbruck, Ärzte Woche 8/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben