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Kardiologie 28. Jänner 2013

Darmflora und Herzgesundheit

Welchen Einfluss hat die Zusammensetzung der Darmflora auf Herz- und Stoffwechselerkrankungen? Damit befasst sich das neue internationale Forschungsprojekt METACARDIS.

Immer stärker mehren sich Hinweise darauf, dass die Bakterien in unserem Darm eine Bedeutung für die kardiometabolische Gesundheit haben. Bekannt ist z. B., dass übergewichtige Patienten weniger Artenvielfalt der Darmbakterien aufweisen als Normalgewichtige. Derzeit ist allerdings noch nicht geklärt, wie sich eine „günstige“ Darmflora zusammensetzt. Das Projekt METACARDIS (Metagenomics and Integrative Systems Medicine of Cardiometabolic Diseases) will klären, welche Eigenschaften der Darmflora ein erhöhtes Erkrankungsrisiko bergen und wie sie therapeutisch beeinflusst werden kann.

Eine spezielle Analyse der Stuhl­proben mit einer ge­netischen Bestimmung der Darmkeime und Messung vieler Stoffwechsel­produkte ist das Herzstück der Studie. Dadurch wird eine völlig neuartige Beschreibung der individuellen Darmflora möglich.

Grundsätzlich ist die Darmflora des Menschen mit 400 bis 500 verschiedenen Bakterien­spezies bestimmt durch die menschlichen Gene und die Keime, mit denen der Einzelne konfrontiert war. Deshalb gibt es innerfamiliär vergleichbare Darmfloren. Bekannt ist außerdem, dass bei übergewichtigen Patienten weniger Arten von Darmbakterien vor­kommen als bei Normalge­wichtigen. Auch wächst das Verständnis, wie die Darmflora durch Nahrungszusammensetzung oder Antibiotika beeinflusst werden.

Diesen Beobachtungen gehen die METACARDIS-Forscher auf den Grund, indem sie die Wechselwirkungen prüfen zwischen dem Mikrobiom bzw. seinen Veränderungen und der Entwicklung von Erkran­kungen wie Adipositas, Typ2-Diabetes, Arteriosklerose, Blut­hochdruck und Herzschwäche.

Therapien mit Hilfe der Darmflora?

Ziel von METACARDIS ist es, die gemeinsamen, krank machenden Faktoren und Ver­läufe für die genannten Erkrankungen zu identifizieren. Darüber hinaus soll heraus­gefunden werden, welche Eigenschaften der Darmflora auf ein erhöhtes Erkrankungs­risiko hinweisen und wie sie therapeutisch beeinflusst werden kann.

Prof. Dr. Michael Stumvoll, wissenschaftlicher Leiter des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums  (IFB) AdipositasErkrankungen, betont die Chancen, die METACARDIS für die Patientenbehandlung eröffnet: "Es gibt zukunftsweisende Ideen, wie man das Mikrobiom günstig beeinflussen kann. Die Nahrungsmittelindustrie denkt ja schon länger nach über Präbiotika, also Bakterien in der Nahrung, und über Probiotika zum Beispiel in Jogurt, die das Bakterienwachstum gezielt fördern. Ganz neu und erstaunlich wirksam sind Ansätze, Stuhl von gesunden Probanden auf metabolisch kranke zu übertragen. Dadurch haben sich zwölf Wochen später bei den Empfängern tatsächlich viele Faktoren des Metabolischen Syndroms deutlich verbessert."

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Stumvoll
Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, Leipzig
Telefon: +49 341 97-13380
www.ifb-adipositas.de

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