zur Navigation zum Inhalt
© Imcsike/shutterstock.com
Wer Vater werden will, sollte darauf achten, was er isst.
 
Urologie 25. Oktober 2012

Ein Löfferl für den Papa

Gesunde Ernährung verbessert die Spermienqualität.

Wenn es mit dem Kinderkriegen nicht gleich klappt, lohnt sich bei Männern ein Blick auf die Ernährung: Etwas mehr Obst und Gemüse, etwas weniger industriell verarbeitete Nahrung, damit können sie die Qualität der Spermien offenbar schon verbessern.

Eine Reihe von Studien beschäftigte sich in den letzten Jahren mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Fruchtbarkeit bei Männern. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Art der Ernährung einen sehr großen Einfluss auf Qualität, Motilität und Konzentration der Spermien ausübt.

Mobile Spermien mit Fisch und Gemüse

In einer der Untersuchungen hat ein Team aus Boston die Qualität der Spermien bei 188 jungen Männern untersucht und mit Angaben zu ihrer Ernährung verglichen (Gaskins et al.: Fertility and Sterility 2011). Sie definierten dabei zwei Ernährungsweisen: einmal eine „westliche“ Ernährung mit viel rotem Fleisch, Wurst, Pizza, Snacks, Weißmehl, Zucker und Limonade, einmal eine „ausgewogene“ Ernährung mit viel Fisch, Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Das Ergebnis: Männer, die sich besonders stark an die westliche Diät hielten, hatten zwar eine höhere Spermienkonzentration als andere, das lag aber offenbar vor allem an der höheren Kalorienzahl. Wurde diese berücksichtigt, gab es keine signifikanten Unterschiede mehr.

Dagegen war die Motilität der Spermien in der Gruppe der Männer, die sich besonders stark an die ausgewogene Diät hielten, auch dann besser, wenn der Energiegehalt der Ernährung berücksichtigt wurde. So waren in dem Quartil der Männer mit der besten Adhärenz zu dieser Ernährung 63 Prozent der Spermien beweglich, aber nur 56 Prozent in dem Quartil der Männer, die sich am wenigsten an die gesunde Ernährung hielten.

Transfette im Verdacht

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass eine gesunde Ernährung weniger Transfettsäuren enthält. Diese sind vor allem in industriell stark verarbeiteten und erhitzten Produkten vorhanden, bei denen gehärtete Fette verwendet werden. Hohe Konzentrationen können demnach etwa in Pommes, Kartoffelchips, Keksen, Tütensuppen, Kuchen und Tiefkühlpizza auftreten. In einer Untersuchung bei 23 Männern wurde festgestellt., dass die Männer mit dem geringsten Anteil an Transfettsäuren in ihrer Ernährung die höchste Spermienkonzentration aufwiesen (Chavarro et al.: Fertility and Sterility 2011). Sie lag bei 79 Millionen/ml. Dagegen war sie bei den Männern mit dem höchsten Transfettsäuregehalt in der Nahrung mit 48 Millionen/ml deutlich geringer. Durch die kleine Teilnehmerzahl in der Studie lassen sich jedoch noch keine weitreichenden Schlüsse ziehen, auch lag in den Studien in allen Gruppen die Spermienqualität noch im Normbereich.

Negativer Effekt durch Vitamin A

Eine weitere Studie prüfte den Einfluss von Vitaminen auf die Spermienqualität (Toth et al.: Fertility and Sterility 2011). Teilnehmer waren 99 Männer, die aufgrund von Fruchtbarkeitsproblemen ihr Sperma untersuchen ließen. Sie wurden zu ihrer Ernährung und Vitamin-Supplementierung befragt. Dabei ergab sich kein Zusammenhang zwischen Vitaminen, die über die Nahrung aufgenommen wurden, und der Spermienqualität. Bei Männern, die Vitamin A über Pillen konsumierten, waren jedoch Motilität und Morphologie signifikant schlechter als bei anderen Männern.

Antioxidantien für jugendliche Samenzellen

Die Hoffnungsträger in der Ernährung von Männern mit Kinderwunsch heißen: Vitamin C, Vitamin E, Karotinoide wie Beta-Karotin und Lycopin sowie Zink – alles sogenannte Antioxidantien. Darauf weisen die Ergebnisse zweier neuerer Studien hin.

In einer US-amerikanischen Studie wurden 80 gesunde Männer im Alter von 22 bis 80 Jahren hinsichtlich ihrer Antioxidantien-Zufuhr und Sperma-DNS-Qualität untersucht (Schmid T.E et al.: Fertility and Sterility 2012). Männer, die das 44. Lebensjahr überschritten hatten, profitierten eindeutig von einer höheren Aufnahme der Vitamine C und E sowie Zink: Ihre Spermien wiesen deutlich weniger DNA-Schäden auf als die von Gleichaltrigen mit geringer Zufuhr. Diese Erkenntnisse könnten die Fortpflanzungsperspektiven der wachsenden Zahl von Männern über 35 verbessern.

Eine ausreichende Zufuhr an antioxidativen Mikronährstoffen könnte also dabei helfen, die biologische Uhr zurückzudrehen. Frühere Untersuchungen zeigten nämlich, dass mit fortschreitendem Alter die DNA-Fragmentierung des Spermas, die Veränderungen der Chromosomen und die Schäden an den DNA-Strängen zunehmen können. Die Spermien älterer Männer tragen auch häufiger Genmutationen, die zum Beispiel zu Kleinwuchs führen. Diese Ergebnisse sind eine mögliche Erklärung dafür, dass ältere Männer weniger fruchtbar sind und deren Sperma öfter zu Föten mit Chromosomendefekten und Kindern mit genetischen Störungen führt.

Eine andere Studie wurde an jüngeren gesunden Männern in Spanien durchgeführt und betraf Vitamin C sowie Beta-Carotin und andere Karotinoide (Mínguez-Alarcón L. et al.: Human Reproduction 2012). Die Auswertung der Ergebnisse ergab einen positiven Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Vitamin C, Lycopin, Beta-Carotin und Cryptoxanthin und der Gesamtspermienzahl. Zudem zeigte sich, dass bei erhöhter Vitamin-C-Aufnahme das Ejakulatvolumen zunahm. Die Autoren weisen darauf hin, dass man sich in vorangegangenen Studien zu diesem Thema meist auf Männer konzentriert habe, die in einer Fertilitätsklinik in Behandlung waren. Die aktuelle Studie hingegen liefere verallgemeinerbare Daten für junge Männer mit unbekannter bzw. ungetesteter Fruchtbarkeit.

Quellen: OTS/springermedizin.de/mut

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben