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Abb. 1: Altersgerechte und in der Zusammensetzung adaequate Ernährung hat grundlegenden Einfluss auf die Gesundheit.
 
Ernährung 28. Mai 2009

Kinderernährung heute – zwischen Nutrition und Prävention

Kinderärzte und Wissenschaftler diskutierten diesen umfassenden Themenkomplex.

In der Ernährung unserer Kinder zeigt sich besonders, wie erfolgreich das Miteinander von Wissenschaft und Praxis sein kann. Übergewicht im Kindesalter – ist es lediglich ernährungsbedingt, oder welche Faktoren sind noch beteiligt? Einzelne Wirkstoffe wie LCP oder Probiotika gewinnen zunehmend an Bedeutung in der Ernährung und Entwicklung von Säuglingen.

Die Verantwortung der Industrie

Zu Beginn des Symposiums stellte der geschäftsführende Gesellschafter Prof. Dr. Claus Hipp, Pfaffenhofen, in seinem Vortrag die Verantwortung der Industrie in der Kinderernährung heraus. Das Verschwinden der klassischen ernährungsbedingten Kinderkrankheiten sind die Früchte einer seit Jahrzehnten erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Kinderheilkunde und Kinderernährungsindustrie – begleitet von einer Gesetzgebung, die das Prinzip des vorsorgenden Gesundheitsschutzes verfolgt. Noch nie war die Ernährung unserer Kinder so sicher wie heute. Wer Babynahrung herstellt, trägt große Verantwortung, denn Kinder sind unsere Zukunft, so Hipp. Deshalb ist es nicht gleichgültig, wie Lebensmittel für Kindernahrung hergestellt werden und wie Qualität zu definieren ist. Die ökologische Erzeugung der Lebensmittel hat für die Firma HiPP absoluten Vorrang. Als Unternehmen, das sich traditionell dem Bio-Anbau verschrieben hat, lehnt HiPP gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Auch in punkto Schadstoffe und Rückstände ist es ein Bestreben, immer besser zu sein als das Gesetz es vorschreibt, denn Eltern vertrauen darauf, für ihr Kind die besten Produkte zu bekommen.

Ernährung und Adipositas

Im zweiten Vortrag referierte Priv.-Doz. Dr. Thomas Reinehr, Institut für Pädiatrische Ernährungsmedizin, Datteln, zum Thema „Ernährung und Übergewicht - worauf muss der Pädiater achten?“. Laut der repräsentativen KIGGS Studie hat sich die Adipositas unter Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland in den letzen 20 Jahren verdoppelt1. 15 Prozent der Jungen und Mädchen sind übergewichtig und sechs Prozent gar adipös. Es wird allgemein angenommen, dass fettleibige Kinder deutlich zuviel Energie über die Nahrung zuführen. Studienergebnisse zeigen jedoch ein anderes Bild. Adipöse Kinder verzehren im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern nicht zwingend mehr Kalorien. Wie von Ernährungsexperten gewünscht, nimmt der Anteil der Kohlenhydrate an der Gesamtenergie zu, während der Fettanteil sinkt. Dennoch werden die Kinder immer dicker. Sicherlich spielt neben der Nahrungsquantität auch die Nahrungsqualität eine wichtige Rolle. Die DONALD-Studie zeigt, dass deutsche Kinder zu wenig pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Getreide verzehren2. Weiterhin ist eindeutig, dass der Verzehr von fast food und gesüßten Getränken mit dem Auftreten von Adipositas korreliert. Im Schnitt nehmen deutsche Jungen pro Tag 400ml energiehaltiger Getränke zu sich. Allein durch das Aufstellen von Getränkeautomaten, die keine gesüßten Getränke, sondern nur Wasser beinhalteten sowie einer Unterrichtsstunde mit dem Inhalt „Trinken“, konnte in einer Interventionsstudie an 40 Schulen erreicht werden, dass die Anzahl der übergewichtigen Kinder nach neun Monaten rückläufig war. Da auch das Ernährungswissen adipöser Kinder in der Regel dem nicht adipöser Kinder entspricht, können also die Ernährung und das Ernährungswissen allein die Adipositasepidemie nicht erklären. Vielmehr spielt ein Mangel an Bewegung die dominierende Rolle. Sinkende körperliche Aktivität und Zunahme des Fernsehkonsums stehen unverkennbar mit Übergewicht in Beziehung. „Fernsehen gilt als größter Risikofaktor für Adipositas“ betonte Reinehr. Daneben können psychosoziale Komponenten oder auch die Genetik Faktoren für Übergewicht sein. Mit dem einjährigen ambulanten Adipositasprogramm „Obeldicks“ gelang es Herrn PD Dr. Reinehr nachhaltige Erfolge bei übergewichtigen Kindern zu erzielen. Seit dem Start des Programms im Jahr 1999 haben mehr als 1.000 Kinder mit dem Programm be- gonnen.

LCP in der Ernährung des jungen Säuglings

Der Mensch ist angewiesen auf zwei essenzielle Fettsäuren: Linolsäure und α-Linolensäure. Große Beachtung finden auch deren Metabolite, die beiden langkettigen Polyenfettsäuren (LCP): Arachidonsäure (AA, omega-6) und Docosahexaensäure (DHA, omega-3). AA und DHA machen einen Großteil der LCP im Gehirn und der Netzhaut des Auges aus. AA ist für das Wachstum essenziell, DHA moduliert die kindliche visuelle und kognitive Entwicklung. Untersuchungen zeigen eine frühe und rasche Einlagerung von DHA ins Gehirn, was sich positiv auf die post- und pränatale zentralnervöse Entwicklung des Kindes auswirkt. Tierische Lebensmittel wie Seefisch oder Ei und Fleisch, aber auch Algen und insbesondere Muttermilch sind gute Quellen für LCP. Eine Eigensynthese der LCP aus Vorstufen ist möglich, beim Säugling jedoch scheint die Bildung von DHA unzureichend. Gestillte Babys, die über die Muttermilch LCP zugeführt bekommen, haben nach einer Meta-Analyse von 20 Studien einen kleinen, messbaren Vorteil in ihrer kognitiven Entwicklung gegenüber fläschchenernährten Kindern. Prof. Dr. Berthold Koletzko, Dr. von Hauner`sches Kinderspital, München, stellte deshalb die Frage: „LCP in der Ernährung des jungen Säuglings: Kür oder Pflicht?“. Bei angemessener Zugabe von LCP zur Flaschennahrung gibt es keine nachteiligen Wirkungen auf Wachstum des Säuglings und Sicherheit der Nahrung. Aber bietet eine mit LCP angereicherte Flaschenmilch funktionelle Vorteile? Durch die Zugabe von AA und DHA zur Säuglingsnahrung wird eine Normalisierung des Blutspiegels – analog zu gestillten Babys – dieser beiden Fettsäuren erreicht. Eine weitere Meta-Analyse konnte anschaulich nachweisen, dass DHA die Sehschärfe bei Frühgeborenen erhöht. Bei reif geborenen Kindern ist dies nicht immer so eindeutig. Die Anreicherung der Nahrungen mit LCP bleibt teils ohne Wirkung; eine Reihe von Studien aber konnte erkennbare positive Effekte zeigen. So normalisierte sich die Sehschärfe im Alter von vier Jahren, ähnlich wie bei gestillten Kindern, wenn in den ersten vier Monaten der Flaschenmilch DHA zugesetzt wurde. In verschiedenen randomisierten Untersuchungen förderte eine frühe Gabe (in den ersten drei bis vier Monaten) von DHA und AA mit der Milchnahrung die mentale, motorische oder verbale Entwicklung der Säuglinge im Vergleich zu Kontrollgruppen, die Säuglingsnahrungen ohne LCP erhielten. Auch ein Einfluss auf den Blutdruck ist auszumachen. Babys, die mit Flaschennahrung LCP bekamen, weisen wie Muttermilch ernährte Kinder im Alter von sechs Jahren einen niedrigeren Blutdruck auf, im Gegensatz zur Referenzgruppe ohne LCP. Laut Koletzko gibt es eine Reihe von Hinweisen dazu, dass eine postnatale Zufuhr von DHA und AA Vorteile für die visuelle, kognitive und motorische Entwicklung des Kindes sowie auf den späteren Blutdruck bewirken kann. DHA und AA können als konditionell essenzielle Substrate angesehen werden, deren Zufuhr mit Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung (z.B. in Hipp- Anfangsnahrungen) wünschenswert ist. Dies ist auch Konsens einer internationalen Expertengruppe, die den gegenwärtigen Kenntnisstand über LCP gesich- tet hat3.

Probiotika und infantile Koliken

Schreit ein Säugling in seinen ersten Lebensmonaten dreimal die Woche mindestens drei Stunden pro Tag und das wenigstens drei Wochen lang, handelt es sich meist um die weit verbreiteten sogenannten „Dreimonatskoliken“. Die Schreiepisoden treten am häufigsten nachmittags und abends auf und verschwinden üblicherweise spontan im Alter von etwa drei Monaten. Die Ätiologie dieses gastrointestinalen Leidens ist noch immer unklar und stellt Eltern wie Ärzte vor ein diagnostisches Dilemma. Das verfügbare Datenmaterial lässt auf mehrere voneinander unabhängige Ursachen wie Laktose- intoleranz, Motilitätsstörungen, Darmhormone, Stillstörung, Lebensmittelüberempfindlichkeiten oder eine gestörte Eltern-Kind-Interaktion schließen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch die Darmmikroflora bei Dreimonatskoliken eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Prof. Dr. Francesco Savino, Kinderklinik der Universität Turin, forscht intensiv an dieser Thematik: und stellte in seinem Vortrag „Probiotics and infantile colic“ neue Ansätze zu Ursachen und Therapie von Dreimonatskoliken dar. Mehreren Studien zufolge weisen Säuglinge, die unter Dreimonatskoliken leiden, eine veränderte mikrobielle Darmflora auf. Es wurde gegenüber gesunden Kindern eine geringere Besiedlung mit Laktobazillen beobachtet, zusätzlich dominierten gramnegative anaerobische Bakterien. Neben einer Verringerung der Laktobazillenanzahl wurden bei Kindern mit Dreimonatskolik zudem andere Laktobazillenstämme als bei gesunden Kindern festgestellt. Diese Erkenntnisse führten zu der Annahme, dass Unterschiede in der Darmkolonisierung einen Einfluss auf die Entstehung der Dreimonatskolik haben und die Regulierung der Darmbesiedlung durch Probiotikagabe zu einer Linderung der Koliksymptome führen könnte. In einer eigenen Arbeit konnte Savino diese Hypothese prüfen4. Gestillte, unter Dreimonatskoliken leidende Säuglinge erhielten entweder Probiotika (Laktobazillen) oder ein entschäumend wirkendes Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon. Bereits nach sieben Tagen war die Schreidauer in der Probiotika-Gruppe signifikant geringer als in der Simeticon-Gruppe. Am Ende der vierwöchigen Studie lag die Schreidauer in der Probiotika-Gruppe lediglich bei einem Drittel der Simeticon-Gruppe (51 vs. 148 Minuten). Diese Erfolge lassen auf eine mögliche Rolle von Laktobazillen, wie sie z. B. auch in den probiotischen Säuglingsnahrungen Hipp Plus bzw. Hipp HA-Plus enthalten sind, als Therapieansatz bei Dreimonatskoliken schließen.

Autoren: Dipl. oec. troph. Doris Plath; Dr. Markus Brüngel Quelle: HiPP-Symposium auf der Jahrestagung der deutschen und österreichischen Gesellschaften für Kinder- und Jugendmedzin in München, September 2008

 

Literatur:

 

KIGGS: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, 2006. www.kiggs.de.

Alexy U, Sichert-Hellert W, Kersting M: Association between intake of added sugars and intakes of nutrients and food groups in the diets of German children and adolescents. Br J Nutr 2003; 90: 441-447

Koletzko B et al.: The roles of long-chain polyunsaturated fatty acids in pregnancy, lactation and infancy: review of current knowledge and consensus recommendations. J Perinat Med 2008; 36: 5-14

Savino F, Pelle E, Palumeri E, Oggero R, Miniero R: Lactobacillus reuteri (American Type Culture Collection Strain 55730) versus Simethicone in the treatment of infantile colic: a prospective randomized study. Pediatrics 2007; 119: 124-130

  • Frau Gertrude Steuer, 12.09.2010 um 21:45:

    „Ist es war dass dieses Probiotika- Omni Biotic Panda für kinder gut sein soll!? beziehungsweise als vorbeugung verwendet werden kann!?“

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