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Allgemeinmedizin 1. März 2012

Weiße Früchte mit präventivem Potenzial

Niederländische Studie untermauert, dass der Verzehr von weißen Obst- und Gemüsesorten das Schlaganfallrisiko reduziert.

Bunte Obst- und Gemüsesorten sind gesundheitsfördernd, da sie wertvolle Inhaltsstoffe liefern. Einer aktuellen Studie zufolge sollen aber im Besonderen weiße Früchte präventives Potenzial gegen Schlaganfall aufweisen.

 

Bis dato rückten nur sehr wenige Studien die farblichen Aspekte von Früchten in den Mittelpunkt. Anhand einer Langzeitstudie über zehn Jahre untersuchten niederländische Wissenschaftler, wie sich unterschiedlich färbige Obst- und Gemüsesorten auf die Gesundheit auswirken. Sie beleuchteten den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse mit unterschiedlicher Fruchtfleisch- und Schalenfarbe und dem Auftreten von Schlaganfällen und Hirninfarkten.

Die Wissenschaftler befragten zirka 20.000 gesunde Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren dazu, wie häufig und welches Obst und Gemüse sie verzehrten. Bei der Auswertung wurden die konsumierten Gemüse- und Obstsorten in vier Farbklassen eingeteilt. Denn die Pigmentierung der Früchte ist aufgrund deren unterschiedlichen Mengen an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen nicht immer gleich, womit sich auch das gesundheitsfördernde Potenzial unterscheidet – so die Annahme. Ziel war es schließlich, zu eruieren, ob und wie die Fruchtfarbe das Herz-Kreislauferkrankungsrisiko beeinflusst.

Die Studienauswertungen ergaben, dass vor allem der Verzehr von „weißem“ Obst und Gemüse vor Schlaganfällen schützt. Die Teilnehmer, welche täglich mehr als 170 g weiße Früchte aßen (z. B. eine kleine Banane oder halbe Gurke oder einen Apfel), halbierten das Schlaganfallrisiko im Gegensatz zu denjenigen, die weniger als die Hälfte (80 g) weißes Obst und Gemüse aufnahmen. Pro täglich und über zehn Jahre 25 g verzehrter Apfel, Birne etc. verringerte sich das Schlaganfallrisiko um neun Prozent. Eine ähnlich positive Wirkung wiesen weiße Obst- und Gemüsesorten in Bezug auf das Hirninfarktrisiko auf. Hingegen zeigten Früchte aus anderen Farbgruppen keine deutliche Wirksamkeit gegenüber Schlaganfällen.

Die niederländische Forscherin Linda M. Oude Griep schließt daraus, dass es hilfreich ist, viel weißes Obst und Gemüse zu essen, um einem Schlaganfall vorzubeugen (s. Tab. 1).

Die Studienautoren führen die Reduktion des Schlaganfallrisikos von weißem Obst und Gemüse zum einen auf die blutdrucksenkende Wirkung der darin enthaltenen Ballaststoffe zurück. Zum anderen scheint im Flavonoid Quercetin – wie auch anhand anderer Studien belegt – präventives Potenzial gegenüber Herz-Kreislauferkrankungen zu stecken. Sieht man sich Quercetin genauer an, so zeigen sich vielfältige Wirkungen.

Quercetin mit bioaktiver Kraft

Weißes Obst und Gemüse enthält Quercetin in hohen Mengen. Quercetin zählt unter den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen zur Gruppe der Flavonoide. Es trägt als hellgelber Farbstoff nicht nur zur Pigmentierung von Obst und Gemüse bei, sondern bildet auch eine wichtige Geschmackskomponente. Die gesundheitliche Wirkung des Flavonoids ist gut erforscht. Schwedische Wissenschaftler untersuchten an mehr als 1.600 Männern und Frauen die Wirkung von Quercetin auf die Entstehung von Magenkrebs. Eine tägliche Quercetindosis von 6–8 mg (entspricht z. B. einer Viertel Zwiebel oder zwei Äpfeln) reduzierte das Krebsrisiko um 50 Prozent.

Weiters lieferte eine finnische Studie an über 10.000 Testpersonen Hinweise auf ein mögliches präventives Potenzial von Quercetin gegenüber Asthma. Studienautoren der New Yorker Cornell Universität zufolge wirkt der Pflanzeninhaltsstoff zudem auch schützend gegen den neuronalen Zellabbau und damit gegen Alzheimer. Was den Quercetingehalt anbelangt, sind Chicorée, Birne und Lauch ganz vorne mit dabei. Sie werden nur von der Zwiebel übertrumpft (s. Tab. 2).

An apple a day keeps the doctor away

Täglich zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse – so lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Dass vor allem der Verzehr von weißem Obst und Gemüse das Schlaganfallrisiko senken soll, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Langzeitstudie aus den Niederlanden.

Trotz der neuesten Forschungsergebnisse warnen die Studienautoren jedoch davor, den Verzehr andersfärbiger Obst- und Gemüsesorten zu verringern. Den Leitsatz „An apple a day keeps the doctor away!“ untermauern die Ergebnisse aber allemal. Denn ein Apfel hat im Durchschnitt rund 170 g – also jene Menge, ab der die positiven Wirkungen beobachtet wurden. Der Verzehr von Früchten aller Art sollte dennoch nach wie vor ein wichtiges Puzzlestück einer ausgewogenen Ernährung sein.

Quelle: forum. ernährung heute; www.forum-ernaehrung.at

 

 

 

 

Literatur:

Oude Griep L, Verschuren M, Kromhout D, Ocké M, Geleijnse JM: Colors of Fruit and Vegetables and 10-Year Incidence of Stroke. Journal of the American Heart Association 42: 1-6

 

Oude Griep L, Verschuren M, Kromhout D, Ocké M, Geleijnse JM: Raw and Processed Fruit and Vegetable Consumption and 10-Year Coronary Heart Disease Incidence in a Population-Based Cohort Study in the Netherlands. European Journal of Clinical Nutrition 65: 791-799 (2011).

 

Ekström AM et al.: Dietary quercetin intake and risk of gastric cancer: results from a population-based study in Sweden. Annals of Oncology 22: 438-443 (2011).

 

Hamm M., Cremer M., Zeuch B: Vegamin-Power. Schültersche Verlagsgesellschaft, Hannover (2007).

 

Knet P et al.: Flavonoid intake and risk of chronic diseases. American Journal of Clinical Nutrition 76: 560-568 (2002).

 

Heo HJ, Lee CY: Protective Effects of Quercetin and Vitamin C against Oxidative Stress - Induced Neurodegeneration. J. Agric. Food Chem 52: 7514-7517 (2004).

Von N. Scheiblauer , Ärzte Woche 9 /2012

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