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Allgemeinmedizin 31. Jänner 2012

Neue Vitamin-D-Referenzwerte

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat aufgrund von neu bewertetem Datenmaterial die Zufuhrempfehlung für Cholecalciferol erhöht.

In den vergangenen Jahren lieferten Forschungsergebnisse immer wieder Hinweise über die präventive Wirksamkeit von Vitamin D bei chronischen Erkrankungen. Dieses Datenmaterial hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) neu bewertet und eine Stellungnahme ausgearbeitet, in der die tägliche Zufuhrempfehlung des Vitamins von 5 µg auf 20 µg erhöht wurde.

 

Vitamin D (Cholecalciferol) nimmt unter allen Vitaminen eine Sonderstellung ein, da es sowohl von der Nahrung aufgenommen als auch im Körper über die Haut mithilfe von UVB-Licht gebildet werden kann. Die essenzielle Wirkung des Vitamins im Knochenstoffwechsel ist seit Jahrzehnten unbestritten und wird bereits seit Langem in der Therapie gegen Osteoporose eingesetzt.

Die präventiven Effekte von Vitamin D basieren auf der Erkenntnis, dass viele andere Gewebe und Organe ebenfalls Vitamin-D-Rezeptoren aufweisen, woraus geschlossen werden kann, dass Cholecalciferol einen weitreichenden positiven Einfluss im Stoffwechsel besitzt. Daher ist die Hoffnung der Wissenschafter, mit Vitamin D eine Waffe im Kampf gegen eine Vielzahl chronischer Krankheiten gefunden zu haben, berechtigt. Bislang am überzeugendsten ist die Datenlage bei Dickdarmkrebs: Durch ausreichende Versorgung mit Vitamin D kann das Risiko für eine Erkrankung um etwa 50 Prozent reduziert werden. Sogar bei bereits bestehendem Dickdarmkarzinom ist laut einer Auswertung der Nurses’ Health Study eine Halbierung der Sterblichkeit möglich.

Sehr gut ist heute auch die Studienlage zur Schutzwirkung von Vitamin D bei kardiovaskulären Erkrankungen. Denn Vitamin D fördert indirekt die Elastizität der Gefäßwände, reduziert dort auch die Entzündungsneigung und hemmt zudem das gefäßverengende Hormon Angiotensin. Daher könnten besonders Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko von einer optimalen Vitamin-D-Versorgung profitieren.

Zufuhrempfehlung von Bevölkerung kaum erreichbar

Laut Ernährungsbericht 2008 zählt Vitamin D neben Folsäure und Kalzium in Österreich zu den Risikonährstoffen in der Gesamtbevölkerung. Keine Altersgruppe erreicht auch nur die Hälfte der bisher gültigen Zufuhrempfehlung von 5 µg. Die Gründe dafür liegen in den sich wandelnden Freizeitgewohnheiten und der modernen Arbeitswelt (überwiegend Indoor-Arbeit), die ein notwendiges Maß an Sonnenbestrahlung über die Haut, um eine ausreichende Eigensynthese zu gewährleisten, nicht mehr zulässt. Darüber hinaus ist die Effizienz der Vitamin-D-Bildung neben der Aufenthaltsdauer im Freien auch von anderen Faktoren abhängig, wie etwa dem Breitengrad, der Jahres- und Uhrzeit, der Witterung, der Kleidung sowie dem Hauttyp.

Zum anderen stellt auch die Vitamin-D-Versorgung über die Ernährung ein Problem dar, da das Angebot der Lebensmittel, die nennenswerte Vitamin-D-Mengen liefern können, nicht groß ist: Fisch (vor allem fettreicher wie Makrele, Lachs, Hering), Margarine (mit Vitamin D angereichert), Pilze (z. B. Steinpilze, Champignons) und Eigelb. Durchschnittlich nimmt der Erwachsene laut Österreichischem Ernährungsbericht 2008 nur 1,5–2 μg pro Tag über die Nahrung zu sich. Somit ist es nicht verwunderlich, dass ein Großteil der Bevölkerung und vor allem auch Risikogruppen wie z. B. mobilitätseingeschränkte, chronisch kranke und pflegebedürftige ältere Menschen eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung aufweisen.

Referenzwert als Schätzwert

Infolge des öffentlichen Interesses und der neuen Forschungsergebnisse hat die DGE die Stellungnahme „Vitamin D und Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten“ erarbeitet, die unter anderem Grundlage für die Ableitung der neuen Referenzwerte für die Vitamin-D-Zufuhr ist.

Da die körpereigene Bildung von Vitamin D von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird und deren Menge nicht klar beziffert werden kann, werden die neuen Referenzwerte für die Vitamin-D-Zufuhr als Schätzwerte angegeben – unter der Annahme, dass der Körper selbst kein Vitamin D produziert. Wenn die körpereigene Bildung ausbleibt, ist eine Vitamin-D-Zufuhr von 20 µg pro Tag notwendig, um die gewünschte Konzentration von 50 nmol/l im Blut zu erreichen. Diese 20 µg/Tag gibt die DGE nun als neuen Referenzwert an.

Prävention, aber wie?

Wie der Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) anmerkt, steht man angesichts der neuen Zufuhrempfehlungen mit dem ganzheitlichen Blick auf die Vitamin-D-Versorgung vor einem Dilemma: Da unsere Meere dramatisch überfischt sind, wäre eine Empfehlung zu dreimal Fisch pro Woche unseriös und unrealistisch. Damit fällt aber auch die beste aller natürlichen Vitamin-D-Quellen weg.

Supplemente wären zwar grundsätzlich eine Alternative, sollten aber aufgrund von möglichen Überdosierungen nicht die erste Wahl sein. Eine verpflichtende Anreicherung bestimmter Grundnahrungsmittel (ähnlich wie beim Salz mit Jod) wäre eine weitere Möglichkeit, die breite Bevölkerung mit diesem Schutzvitamin zu versorgen – ist jedoch mittelfristig nicht in Sicht. Somit wären sinnvolle Innovationen vonseiten der Lebensmittelindustrie, so der VEÖ, ein gesundheitsökonomischer wichtiger Schritt für die Allgemeinheit.

Will man also auf Supplemente verzichten, sind eine Vitamin-D-orientierte Ernährungsweise sowie bewusstes Sonnentanken notwendig. Jedoch empfiehlt die DGE in ihrer aktuellen Stellungnahme Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur mit bedeckten Körperpartien im Freien aufhalten, und Personen mit dunkler Hautfarbe die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten, um die gewünschte 25(OH)D-Serumkonzentration sicherzustellen.KK

 

 DGE-Stellungnahme: http://www.dge.de/pdf/ws/ Referenzwerte-2012-Vitamin-D.pdf

 

Quellen: DGE-Mitteilung Mitteilung der VEÖ und forum.ernährung heute

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