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Fisch und Sonne: Die idealen Vitamin D - Lieferanten.
 
Allgemeinmedizin 23. Jänner 2012

Vitamin D -Zufuhr: Dosis - Empfehlung vervierfacht

Die präventive Wirkung von Vitamin D bei Darmkrebs und Herz-Kreislauferkrankungen hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nun dazu veranlasst, die Zufuhrempfehlungen von 5 auf 20 Mikrogramm pro Tag für die breite Bevölkerung anzuheben. Der Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs nimmt dies zum Anlass, den neuen "Stern am Nährstoffhimmel" genauer unter die Lupe zu nehmen.


Für Knochen, Herz und Darm


Streng chemisch betrachtet nimmt Vitamin D unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein. Es kann sowohl mit der Nahrung aufgenommen als auch im Körper mit Hilfe von UVB-Licht gebildet werden. Die essenzielle Wirkung im Knochenstoffwechsel (gemeinsam mit Kalzium) ist seit Jahrzehnten unbestritten. Neu ist, dass in vielen anderen Geweben und Organen ebenfalls Vitamin-D-Rezeptoren entdeckt wurden.


Vitamin D kann daher Gene vieler Zellen aktivieren, die ihrerseits wiederum positiv in den jeweiligen Stoffwechsel eingreifen. Dies lässt darauf schließen, dass dieses Vitamin weitreichende physiologische und präventive Effekte hat.


Die Hoffnung der Wissenschafter, mit Vitamin D eine Waffe im Kampf gegen eine Vielzahl chronischer Krankheiten gefunden zu haben, ist berechtigt.

Dickdarmkrebs und kardiovaskuläre Erkrankungen


Bislang am überzeugendsten ist die Datenlage bei Dickdarmkrebs: Durch ausreichende Versorgung mit Vitamin D kann das Risiko für eine Erkrankung um etwa 50 Prozent reduziert werden kann. Sogar bei bereits bestehendem Dickdarmkarzinom kann laut einer Auswertung der Nurses' Health Study die Sterblichkeit halbiert werden.


Sehr gut ist heute auch die Studienlage zur Schutzwirkung von Vitamin D bei kardiovaskulären Erkrankungen. Der Grund: Vitamin D fördert indirekt die Elastizität der Gefäßwände, reduziert dort auch die Entzündungsneigung und hemmt außerdem das gefäßverengende Hormon Angiotensin. Besonders Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko profitieren von idealer Vitamin D-Versorgung. Ideal bedeutet: Mindestens 50 nmol/l im Serum.


Bedeutung der Sonne

Nur wenige Lebensmittel enthalten Vitamin D in bedeutenden Mengen. Darüber hinaus reicht vor allem von Oktober bis April die Sonneneinstrahlung in unseren Breiten nicht aus, um die jetzt empfohlenen 20 Mikrogramm Vitamin D zu produzieren. Ein Mitteleuropäer müsste dazu im Dezember zur Mittagszeit etwa 1,5 Stunden ärmellos im Freien zu verbringen. Im Juni reichen dafür 7 Minuten.


Bei häufiger Sonnenbestrahlung kann der Körper also die erforderliche Menge selbst erzeugen und speichern. In den Herbst- und Wintermonaten sind die Österreicher auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen - es sei denn sie starten nach dem Sommer mit gut gefüllten Vitamin D-Speichern in die kalte Jahreszeit. Aufgrund der sich wandelnden Freizeitgewohnheiten und der modernen Arbeitswelt (überwiegend Indoor-Arbeit) bleibt jedoch das Füllen der Speicher über den Sommer oft aus.


Vitamin D in der Nahrung


Die Liste der natürlichen Vitamin D-Lieferanten, die nennenswerte Mengen liefern ist kurz:

  • Fisch (vor allem fettreiche wie Makrele, Lachs, Hering)
  • Margarine (mit Vitamin D angereichert)
  • Pilze (z. B. Steinpilze, Champignons)
  • Eigelb


Darüber hinaus sind im Handel bislang nur vereinzelt mit Vitamin D angereicherte Produkte zu finden. Die Phantasie der Produktentwickler überspringt derzeit im Nährstoffalphabet das so wichtige D. Es verwundert daher nicht, dass es bereits bei den bislang geltenden Empfehlungen dem Großteil der Bevölkerung nicht gelang, diese 5 mikrogramm/Tag zu erreichen.


Im Schnitt nimmt der Erwachsene laut Österreichischem Ernährungsbericht 2008 nur 1,5 - 2 mikrogramm pro Tag über die Nahrung zu sich.


Dilemma Zufuhrempfehlungen


Angesichts der neuen Zufuhr-Empfehlungen steht man mit dem ganzheitlichen Blick auf die Vitamin-D-Versorgung vor einem Dilemma: Unsere Meere sind bereits so dramatisch überfischt, dass eine Empfehlung zu dreimal Fisch pro Woche unseriös und unrealistisch wäre. Damit fällt jedoch die beste aller natürlichen Vitamin-D-Quellen weg.


Supplemente wären zwar grundsätzlich eine Alternative, sollten aber aufgrund von möglichen Überdosierungen nicht die erste Wahl sein. Eine verpflichtende Anreicherung bestimmter Grundnahrungsmittel (ähnlich Salz&Jod) wäre eine weitere Möglichkeit, die breite Bevölkerung mit diesem Schutzvitamin zu versorgen - ist jedoch mittelfristig nicht in Sicht. Die Lebensmittelindustrie ist daher gefordert, rasch auf den D-Zug aufzuspringen und mit sinnvollen Innovationen beim Konsumenten zu punkten. So könnte gesundheitsökonomisch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gegangen werden.

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