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Phenolreiche pflanzliche Lebensmittel können innerhalb einer abwechslungsreichen, gemischten Kost einen Beitrag zur Reduktion des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten.
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PD Dr. Volker Böhm, Institut für Ernährungswissenschaften, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland

 
Allgemeinmedizin 7. Dezember 2010

Polyphenole schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Grüner Tee, Schokolade und Rotwein weisen deutliche kardioprotektive Wirkung auf.

Polyphenole sind im Pflanzenreich als Antioxidanzien, Bitterstoffe und farbgebende Komponenten weit verbreitet. Sie weisen eine antioxidative, entzündungshemmende und blutdruckregulierende Wirkung auf und können zudem das Immunsystem beeinflussen. Sie besitzen Eigenschaften, die zum Beispiel einer Thrombosebildung oder Krebsentstehung entgegenwirken. Leider sind diese Effekte dieser Stoffgruppe bisher nur bedingt experimentell abgesichert. Dennoch untermauern immer mehr Studien, dass regelmäßig konsumierte polyphenolhaltige Lebensmittel kardioprotektive Eigenschaften aufweisen und dadurch auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können.

 

Epidemiologische Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen dem reichlichen Verzehr von Obst und Gemüse und dem verringerten Auftreten degenerative Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs hin. Diese Wirkung wird den sekundären Pflanzenstoffen zugesprochen, die in pflanzlichen Lebensmitteln weit verbreitet sind und als effektive Antioxidanzien angesehen werden.

Sekundäre Pflanzenstoffe werden von den Pflanzen synthetisiert, um sie vor UV-Stress, Insekten, Mikroorganismen usw. zu schützen. Diese Substanzen sind somit eine Antwort der Pflanze auf äußere Stressoren und werden zunächst in Blättern, Blüten und Früchten wirksam. In den letzten Jahrzehnten konnten für viele sekundäre Pflanzenstoffe auch gesundheitsrelevante Wirkungen für den Menschen gezeigt werden. Eine wichtige Gruppe dieser Pflanzeninhaltsstoffe sind Polyphenole. Zahlreiche Wirkungen dieser Stoffgruppe sind bisher nur bedingt experimentell abgesichert. Am Beispiel von Grüntee, Schokolade und Rotwein kann gezeigt werden, welche Wirkungen der Polyphenole in vitro und in vivo beobachtet wurden.

Grüntee, Schokolade und Rotwein: Wie wirken sie?

Ein einmaliger Konsum von 500 Milliliter Grüntee (5 Gramm Teeblätter, drei Minuten aufgebrüht) führte bei 21 postmenopausalen Frauen (58,7 ± 4,5 y) – einer Risikogruppe für Herzerkrankungen – innerhalb von zwei Stunden zu einer signifikant stärkeren Vasodilatation der Brachialarterie verglichen mit Wasser als Kontrollgetränk. Neben der antioxidativen Wirkung auf das endotheliale System konnte in vitro ein direkter Einfluss auf das NO-System gezeigt werden. Das Teegetränk stimulierte somit in Endothelzellen die endotheliale NO-Synthase-Aktivität.

In einer weiteren Untersuchung mit 32 hypercholesterolämischen, postmenopausalen Frauen konsumierten zunächst alle Studienteilnehmerinnen im Rahmen einer zweiwöchigen Vorphase ein Kakaogetränk mit niedrigem Flavanolgehalt. Anschließend erhielt eine Teilgruppe sechs Wochen lang täglich 240 Milliliter Kakaogetränk mit niedrigem Flavanolgehalt (43 Milligramm). Die zweite Teilgruppe (57,7 ± 2,2 y) bekam 240 Milliliter eines Kakaogetränks mit hohem Flavanolgehalt (446 Milligramm). Nur in der Gruppe, die das Getränk mit hohem Flavanolgehalt trank, verbesserte sich in der sechswöchigen Untersuchungsphase der Blutfluss signifikant gegenüber der Vorphase. Die Vasodilatation zeigte in dieser Gruppe einen starken Trend (p = 0,0585), der nur knapp die statistische Signifikanz verfehlte. Weiterhin wurde eine signifikante Abnahme des Adhäsionsmarkers sVCAM-1 um 10,7 Prozent in dieser Gruppe beobachtet. Somit verbesserte der tägliche Konsum von 240 Milliliter eines Kakaogetränks mit hohem Flavanolgehalt deutlich die vaskuläre Gesundheit der Probandinnen.

In einer dritten Studie erhielten 35 gesunde Frauen (38,0 ± 8,5 y) nach einer vierwöchigen Vorphase ohne Alkohol mit mediterraner Kost vier Wochen lang täglich 200 Milliliter Rotwein. Gegenüber dem Konsum von Weißwein führte Rotwein zu signifikant niedrigeren Werten von VCAM-1 und E-Selektin, das heißt, Rotwein erreichte eine deutliche Verbesserung des Entzündungsstatus. Die tägliche Aufnahme von 20 Gramm Alkohol in Form von Rotwein bzw. Weißwein erhöhte zudem signifikant die HDL-Cholesteringehalte, was sich ebenfalls günstig auf die vaskuläre Gesundheit auswirkt.

Deutliche Effekte nachgewiesen

Diese drei exemplarisch ausgewählten Studien zeigten deutliche Effekte der polyphenolreichen pflanzlichen Lebensmittel Grüntee, Kakaogetränk und Rotwein auf Parameter der Gefäßgesundheit. Ein Teil dieser Effekte konnte in vitro auf die Aktivierung der endothelialen NO-Synthase-Aktivität zurückgeführt werden. Daneben ist aber auch die antioxidative Wirkung der phenolischen Inhaltsstoffe an den Wirkungen beteiligt. Somit können phenolreiche pflanzliche Lebensmittel innerhalb einer abwechslungsreichen, gemischten Kost einen Beitrag zur Reduktion des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten.

 

Literatur:

1 Kinsella J.E., Frankel E., German B., Kanner J. (1993): Possible mechanisms fort he protective role of antioxidants in wine and plant foods. Food Technol. 47: 85-89.

2 Singh B., Bhat T.K., Singh B. (2003): Potential therapeutic applications of some antinutritional plant secondary metabolites. J. Agric. Food Chem. 51: 5579-5597.

3 Jochmann N., Lorenz M., von Krosigk, A., Martus P., Böhm V., Baumann G., Stangl K., Stangl V. (2008): The efficacy of black tea in ameliorating endothelial function is equivalent tot hat of green tea. Br. J. Nutr. 99: 863-868.4 Wang-Polagruto J.F., Villablanca A.C., Polagruto J.A., Lee L., Holt R.R., Schrader H.R., Ensunsa J.L., Steinberg F.M., Schmitz H.H., Keen C.L. (2006): Chronic consumption of flavanol-rich cocoa improves endothelial function and decreases vascular cell adhesion molecule in hypercholesterolemic postmenopausal women. J. Cardiovasc. Pharmacol. 47: S177-S186.5 Sacanella E., Vazquez-Agell M., Mena M.P., Antúnez E., Fernández-Solá J., Nicolás J.M., Lamuela-Raventós R.M., Ros E., Estruch R. (2007): Down-regulation of adhesion molecules and other inflammatory biomarkers after moderate wine consumption in healthy women: a randomized trial. Am. J. Clin. Nutr. 86: 1463-1469.

Von PD Dr. Volker Böhm, Ärzte Woche 49 /2010

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