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Foto: Privat

Prof. Dr. Klaus Vetter Klinik für Geburtsmedizin des Vivantes Klinikums Neukölln

 
Kinder- und Jugendheilkunde 27. Oktober 2010

Deutsche Leitlinie empfiehlt frühere Beikost

Säuglinge sollen bereits nach Vollendung des vierten Lebensmonats Beikost bekommen.

Die aktuellen Ernährungsempfehlungen aus der S3-Leitlinie Allergieprävention der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) raten davon ab, die Einführung der Beikost über den vierten Lebensmonat hinaus zu verzögern.

 

Muttermilch ist die natürliche und optimale Nahrung für Babys. Sie enthält Flüssigkeit, balancierte Nährstoffe und zusätzlich individuelle Abwehrstoffe, die der Säugling auf keine andere Weise erhalten kann. „Wenn möglich, sollte ein Baby deshalb vier Monate ausschließlich gestillt werden“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Prof. Dr. Klaus Vetter, Vivantes Klinikum Neukölln, auf dem DGGG-Kongress in München. „Hartnäckig hält sich die Annahme, sechs Monate ausschließlich zu stillen, sei im Rahmen der Allergieprävention notwendig.“

Neueste Empfehlungen lauten indes eindeutig: Säuglinge sollten bereits nach Vollendung des vierten Lebensmonats Beikost bekommen, wie Vetter erklärte. Unlängst wurde die Empfehlung, Babys sechs Monate ausschließlich zu stillen, relativiert. Die aktuellen Ernährungsempfehlungen aus der S3-Leitlinie Allergieprävention der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) lauten:

  • Für einen präventiven Effekt durch eine Verzögerung der Beikosteinführung über den vierten Lebensmonat hinaus gibt es keine gesicherten Belege. Sie kann deshalb nicht empfohlen werden.
  • Für einen präventiven Effekt einer diätetischen Restriktion durch Meidung potenter Nahrungsmittelallergene im ersten Lebensjahr gibt es keine Belege. Sie kann deshalb nicht empfohlen werden.
  • Die zu der Zeit (auch) in Deutschland existierende Empfehlung, Beikost nicht vor dem vollendeten 4. Lebensmonat einzuführen, ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sinnvoll.

Hoher Stellenwert bleibt

„Nach vier Monaten eingeführte Beikost scheint das Allergierisiko reduzieren zu können“, betonte Vetter. Indes rät er Müttern: „Auch nach dem Beginn des Zufütterns sollten Mütter weiter stillen – solange Mutter und Kind es wünschen. Angesichts der intimen Nähe von Mutter und Kind beim Stillen liegt es nahe, auch dem Bindungsaspekt des Stillens sein Augenmerk zu widmen.“ Hinsichtlich dieser Vorteile bezüglich der Ernährung, der immunologischen Abwehr und der Mutter-Kind-Beziehung habe das Stillen auch weiterhin einen hohen Stellenwert, ergänzte der Gynäkologe.

Stillen in Europa

Im Jahr 2003 wurden erstmals im Rahmen eines EU-Projekts1 Stilldaten aus europäischen Ländern zusammengestellt. Abbildung 1 enthält Daten über das Gesamtstillen und das ausschließliche Stillen sechs Monate nach der Geburt.

 

1 Protection, promotion and support of breastfeeding in Europe; Europäische Kommission, 2003

 

Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).

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