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Infektiologie 3. Jänner 2012

Ernährungsmärchen Teil 7: "Vitamin C schützt vor Erkältungen"

Vitamin C gilt seit langem als Hausmittel zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten. Der Zusammenhang zwischen Vitamin C und Erkältungskrankheiten wird auch wissenschaftlich schon seit mehr als 60 Jahren untersucht. Dabei wird vor allem der prophylaktische und therapeutische Einfluss in Bezug auf die Inzidenz, Dauer und Schwere von Erkältungen diskutiert.

Eine ausreichende Versorgung mit Nährsto en spielt neben vielen anderen Faktoren eine wesentliche Rolle in der Funktion des Immunsystems. Eine Unterversorgung an bestimmten Nährstoffen kann die Funktion des Immunsystems beeinflussen und so beispielsweise zu einer erhöhten Infektanfälligkeit beitragen [1, 2].

Die Supplementierung von Vitamin C zur Prävention und Therapie von Erkältungskrankheiten wird häufig kontrovers diskutiert. Ob die tägliche Zufuhr von mindestens 200 mg Vitamin C präventive oder sogar therapeutische Wirkungen auf die Inzidenz, Dauer und Schwere von Erkältungskrankheiten hat, wurde unter anderem in einem Cochrane Review untersucht. In der allgemeinen Bevölkerung ergab die Analyse keinen Einfluss einer prophylaktischen Vitamin C-Einnahme auf die Inzidenz von Erkältungen (pooled RR = 0,97; 95 % CI 0,94–1,00). Positive Wirkungen konnten nur bei einer Subgruppenanalyse unter Berücksichtigung extremer Bedingungen beobachtet werden. Bei Marathonläufern, Schifahrern und Soldaten unter subarktischen Bedingungen zeigte die Analyse ein um 52 Prozent verringertes Risiko einer Erkältung [3].

Die Erkältungsdauer war bei prophylaktischer Zufuhr von mehr als
200 mg pro Tag bei Erwachsenen um durchschnittlich 8 Prozent
(3–12 %) und bei Kindern um durchschnittlich 13 Prozent (6–21 %) reduziert. Auch die Schwere von Erkältungen war bei prophylaktischen Untersuchungen signifikant verringert [3].

Bei therapeutischen Einnahmen konnten hingegen im Vergleich zum Placebo keine konsistenten Unterschiede zur Dauer und Schwere von Erkältungen festgestellt werden [3].

Daten des Österreichischen Ernährungsberichtes 2008 zeigen, dass Vitamin C bei Frauen der am häufigste und bei Männern der am zweithäufigste supplementierte Nährsto ist [4].

Da Vitamin C ein bedeutendes Antioxidans ist, das mit anderen antioxidativ wirksamen Mikronährsto en einem Synergismus unterliegt, der sich in einer Wirkungsverstärkung der Scavengerfunktion äußert, scheint eine Kombination an Antioxidantien effektiver zu sein als hohe Mengen eines einzelnen Antioxidans [5, 1]. Besonders effektiv scheinen die in Nahrungsmitteln enthaltenen Antioxidantien im Vergleich zu einzelnen Nährstoffsupplementen zu wirken. Einer Untersuchung zu Folge entspricht die antioxidative Kapazität von 100 g Äpfeln jener von

1.500 mg Vitamin C. Der Vitamin C-Gehalt ist in Äpfeln jedoch verhältnismäßig gering. Weniger als 0,4 Prozent der antioxidativen Aktivität ist auf das Vitamin C zurückzuführen. Das zeigt, dass die antioxidative Kapazität aus dem Zusammenwirken einer Vielzahl anderer Komponenten u. a. aus sekundären Pfl anzenstoff en resultiert [6, 7].

Bei der Einnahme hochdosierter Vitamin C-Supplemente konnten in Studien teilweise osmotisch bedingte, gastrointestinale Störungen wie Durchfall beobachtet werden [8].

Eine erhöhte Zufuhr könnte möglicherweise auch zu einem erhöhten Risiko für Nierensteine führen, wenn eine entsprechende Prädisposition vorliegt [8, 1]. Weitere Studien, die adverse Effekte von hochdosierten Vitamin C-Gaben untersuchen, sind jedoch erforderlich.

Bei der Aufnahme hoher Mengen Vitamin C aus Nahrungsmitteln sind keine nachteiligen Wirkungen zu erwarten [1]. Die besten Vitamin C-Quellen sind Obst und Gemüse, insbesondere schwarze Johannisbeeren, Paprika oder Brokkoli. Auch Kartoffeln können mengenmäßig einen Beitrag zur Vitamin C-Versorgung leisten (Tabelle 1).

Für Erwachsene werden von den D-ACH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr täglich 100 mg und für Raucher 150 mg Vitamin C empfohlen [9].

Literatur

[1] Elmadfa I, Leitzmann C. Ernährung des Menschen.4. Aufl age, Verlag UTB, Stuttgart, 2004.

[2] DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Vitamin C- und Zink-Tabletten verhindern oder heilen Erkältungen nicht. 01/2008 (www.dge.de).

[3] Hemilä H, Chalker E, Douglas B. Vitamin C for preventing and treating the common cold, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2010.

[4] Elmadfa I, Freisling H, Nowak V, Hofstädter D, et al. Österreichischer Ernährungsbericht 2008, 1. Aufl age, Wien, März 2009.

[5] Döll M. Nutritive Antioxidantien und die Prävention radikalassoziierter Erkrankungen, EHK, 54: 29–33, 2005.

[6] Eberhardt M, Lee C, Liu RH. Antioxidant activity of fresh apples, Nature, 405: 903–904, 2000.

[7] Boyer J, Liu RH. Apple phytochemicals and their health benefi ts, Nutr J, 3: 5, 2004.

[8] Hathcock JN, Azzi A, Blumberg J, Bray T, Dickinson A, Frei B, Jialal I, Johnston CS, Kelly FJ, Kraemer K, Packer L, Parthasarathy S, Sies H, Traber MG. Vitamins E and C are safe across a broad range of intakes, Am J Clin Nutr, 81(4): 736–745, 2005.

[9] D-A-CH. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE), Schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Verlag Umschau Braus, Frankfurt am Main, 2008.

[10] Bundeslebensmittelschlüssel (BLS II.3.1)

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