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Foto: wikipedia / Ärzte-Woche-Montage
An der MedUni Wien wurden Erbsen herangezogen, um die Wirkungen von Proteinen genmanipulierter Lebensmittel im Immunsystem zu untersuchen.
 
Immunologie 21. November 2008

Genfood – Übel oder Segen?

Ein Projekt der MedUni Wien geht Langzeitauswirkungen von genmanipulierten Nahrungsmitteln auf den Grund.

Die Wirkung bestimmter Proteine von genmanipulierten Lebensmitteln auf das Immunsystem ist noch nicht restlos geklärt. Ein Forscherteam der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie will nun Biomarker identifizieren, um im Umlauf befindliche genetisch veränderte Nahrung zu überwachen. Damit soll eine eventuell allergieauslösende Wirkung bei Asthma angezeigt werden können.

 

Im Bereich der Lebensmittelsicherheit wird gerade das Thema „genmanipulierte Lebensmittel“ äußerst kontroversiell diskutiert. Während standardisierte Tests, die vor der Markteinführung angewendet werden, potenzielle schädliche Effekte, die unmittelbar nach dem Verzehr solcher Lebensmittel auftreten können, sehr gut sichtbar machen, gibt es zu möglichen Langzeit-Effekten noch keine Daten.

An der Abteilung für Immundermatologie an der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien forscht ein Team rund um die Immunologin Dr. Michelle Epstein an Methoden für das Post Market Monitoring (PMM) von genmanipulierten Lebensmitteln. So sollen eventuell auftretende schädliche Auswirkungen, die durch den Verzehr kommerziell erhältlicher, genmanipulierter Lebensmittel ausgelöst werden können, gezielt aufgespürt werden. „Genmanipulierte Lebensmittel werden vor der Markteinführung routinemäßigen Tests unterzogen, in denen unmittelbare Effekte sehr gut abgebildet werden können. Wir wissen dagegen leider sehr wenig über Langzeiteffekte, wie zum Beispiel die Wirkung bestimmter Proteine auf das Immunsystem“, erklärt Epstein. Im Rahmen eines EU-Projektes soll diese Lücke nun geschlossen werden.

Die „Australische Erbse“ als Studienobjekt

Um die Wirkungen von Proteinen genmanipulierter Lebensmittel im Immunsystem zu dokumentieren, bedienen sich die Wissenschafter sogenannter Biomarker, die mit einer allergischen Reaktion korrelieren. „Wir simulieren in unseren Versuchen den Lauf eines genmanipulierten Nahrungsmittels in der Nahrungskette und versuchen dabei jene Biomarker zu identifizieren, die uns Auskunft über die Wirkung der Nahrungsmittel auf den Organismus geben können“, erklärt Epstein. Als eines der Studienobjekte dient eine Erbse, die zum Schutz gegen Schädlinge (Erbsensamenkäfer) mit einem Gen einer Bohnensorte versehen wurde. Eine 2005 veröffentlichte Studie (J Agric Food Chem 2005, 53, 9023-30) impliziert, dass diese Erbse das Potenzial hat, nach dem Verzehr allergische Reaktionen hervorzurufen. Ziel des Projektes ist es, die Ergebnisse dieser Studie einer objektiven Prüfung zu unterziehen und spezielle Biomarker zu finden, die Aufschlüsse über mögliche Langzeitwirkungen dieses Nahrungsmittels auf die Gesundheit geben können.

Das Projekt ist völlig unabhängig von jeglichen wirtschaftlichen Interessen. „Es gibt unter Konsumenten eine große Unsicherheit, was genmanipulierte Lebensmittel betrifft. Uns ist es ein Anliegen, unabhängige und zuverlässige Daten zur Lebensmittelsicherheit von genmanipulierten Lebensmitteln zu liefern“, versichert Epstein.

 

Foto: wikipedia / Ärzte-Woche-Montage

An der MedUni Wien wurden Erbsen herangezogen, um die Wirkungen von Proteinen genmanipulierter Lebensmittel im Immunsystem zu untersuchen.

MedUni Wien/EM, Ärzte Woche

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