zur Navigation zum Inhalt
Foto: Dr. Eva Derndorfer
Zuckerfreie Kaugummis führen naturgemäß keine Energie zu. Ob sie das Erinnerungsvermögen verbessern können, wurde nun untersucht.

Schokolade – wohlgemerkt bereits in geringen Dosen – kann die geistige Leistungsfähigkeit nachweislich erhöhen.

 
Ernährung 30. September 2009

Kaugummi als „Brainfood“?

Vernünftige Ernährung und ungesättigte Fettsäuren unterstützen das Gehirn besser.

„Brainfood“ ist – buchstäblich – in aller Munde. Nüsse bzw. Studentenfutter, Fisch, ausreichendes Trinken von Wasser sowie der Konsum koffeinhältiger Getränke und kleiner Mengen Schokolade können die geistige Leistungsfähigkeit verbessern. Eine wesentliche Voraussetzung für kontinuierliche geistige Leistungsfähigkeit ist zudem ein über den Tag relativ stabiler Blutzuckerspiegel. Ob das Kauen von Kaugummi einen positiven Effekt auf die Hirnleistung hat, ist derzeit durch Studien nicht einheitlich belegt.

 

Die meisten Nüsse sind eine hervorragende Quelle für ungesättigte Fettsäuren – aufgrund des hohen Fettanteils sind sie jedoch energiereich. Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren wirkt sich unter anderem auf die Hirnleistung aus, weshalb Nüsse und fette Meeresfische als „Brainfood“ gelten.

Zuckerfreier Kaugummi ist fettfrei, koffeinfrei und energiearm, und er liefert keine Nährstoffe. Wissenschaftliche Studien untersuchten, ob durch den Kauvorgang beim Kauen von zuckerfreiem Kaugummi die Gedächtnisleistung (Konzentrationsfähigkeit, Lernfähigkeit) beeinflusst werden kann – und zwar eben ohne relevante Energiezufuhr.

„Pro“-Studien

In einer Studie in Großbritannien wurden Testpersonen in drei Gruppen geteilt: Eine Gruppe kaute Kaugummi, eine imitierte den Kauvorgang ohne Kaugummi im Mund, die dritte Gruppe fungierte als Kontrollgruppe und kaute nicht. Die Probanden wurden dabei verschiedenen Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit unterzogen. Das Erinnerungsvermögen an Wörter konnte durch das Kauen von Kaugummi tatsächlich gesteigert werden, die Aufmerksamkeit wurde durch Kaugummikauen hingegen nicht erhöht. Imitation des Kauvorganges verbesserte die Gedächtnisleistung nicht.

Eine andere britische Forschergruppe untersuchte, ob Kaugummikauen während des Lernens und/oder beim Abrufen des zuvor Gelernten hilfreich ist. Die Testteilnehmer hatten in der Lernphase zwei Minuten Zeit, um sich 15 Wörter einzuprägen. Unmittelbar nach der Lernphase sowie 24 Stunden später wurden sie gebeten, alle Begriffe aufzuschreiben, an die sie sich erinnern konnten (Abruf). Im Zuge des Experiments kaute eine Gruppe sowohl beim Lernen als auch beim Abruf Kaugummi, eine zweite Gruppe nur beim Lernen, die dritte Gruppe nur beim Abruf des Gelernten, und die vierte gar keinen. Kaugummikauen half auch dieser Studie zufolge beim Lernen: Jene Gruppe, die sowohl beim Lernen als auch beim Abrufen Kaugummi kaute, schnitt deutlich besser ab als jene, die in keiner der beiden Phasen Kaugummi kaute.

„Kontra“-Studien

Eine deutsche Studie konnte den Kaugummi-Effekt jedoch nicht bestätigen. Die Tester bekamen 15 Hauptwörter vorgelesen, die sie unmittelbar sowie nach 40 Minuten Pause wiedergeben sollten. Dabei kaute eine Gruppe Kaugummi mit Geschmack, eine zweite kaute Kaugummi ohne Geschmack, die dritte imitierte den Kauvorgang, und die vierte Gruppe kaute nichts und imitierte nichts. Die Ergebnisse der vier Gruppen unterschieden sich in dieser Untersuchung nicht.

Ebenso konnten Wissenschaftler aus Wales bei Studierenden keinen positiven Kaugummi-Effekt nachweisen. Die Forscher zeigten den Probanden 15 Hauptwörter nacheinander auf einem Bildschirm. Jedes Wort wurde eine Sekunde lang gezeigt, nach einer Sekunde Pause das nächste Wort. Die Erinnerungsrate war unabhängig davon, ob und wann (beim Lernen oder beim Abruf) Kaugummi gekaut wurde.

Fazit

Es ist somit keine klare Aussage möglich, ob Kaugummikauen tatsächlich als „Brainfood“ wirkt. Die „sicherere“ Variante im Sinne der geistigen Leistungsfähigkeit ist daher, ausreichend zu trinken, die Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, um einen relativ stabilen Blutzuckerspiegel zu halten, sowie Fisch und gelegentlich einige Nüsse in den Speiseplan zu integrieren. Für gesunde Erwachsene gelten drei bis vier Tassen Kaffee am Tag als unbedenklich.

 

Literatur bei der Autorin

 

Dr. Eva Derndorfer ist Ernährungswissenschaftlerin in Wien. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Sinne, die sensorische Analyse von Lebensmitteln sowie Ursachen und Entstehung von Geschmackspräferenzen.

Von Dr. Eva Derndorfer, Ärzte Woche 40 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben