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Foto: flickr
Bei chronisch Kranken senken Fettpolster die Sterblichkeit.
 
Intensiv- und Notfallmedizin 9. September 2009

Übergewicht kann von Vorteil sein

Studie: Je schwerer die Erkrankung, desto mehr profitieren Patienten von erhöhtem Körpergewicht.

Mehr als 2.300 Experten aus aller Welt diskutiert in Wien auf dem 31. ESPEN-Jahreskongress über neueste Trends in der Ernährungsforschung. Für Aufsehen sorgten Studiendaten zum „Adipositas-Paradoxon“: Zu viele Kilos sind nur bei Gesunden ein Risikofaktor, bei Kranken verlängert Körperfülle jedoch das Leben.

 

„Bisher stand das Thema Übergewicht immer nur als Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen im Mittelpunkt des Interesses“, so Prof. Dr. Michael Hiesmayr, Präsident des Jahreskongresses und Leiter der klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin an der MedUni Wien. „Inzwischen zeigen aber immer mehr Untersuchungen, dass dies differenzierter zu betrachten ist.“ In Sachen Übergewicht unterscheiden sich Gesunde und chronisch Kranke massiv, denn übergewichtige Patienten haben bei schweren Erkrankungen ein geringeres Todesrisiko als sehr schlanke Personen. Das als „Reverse epidemology“ oder „Adipositas-Paradoxon“ bezeichnete Phänomen zeigt, dass zusätzlichen Kilos, die bei Gesunden ein Krankheitsrisiko darstellen, bei chronisch kranken Menschen hingegen eine schützende Wirkung haben und die Sterblichkeit senken. „Je schwerer die Erkrankung ist, desto mehr profitiert man von einem erhöhten Körpergewicht“, so Hiesmayr.

Dies belegt die von Hiesmayr initiierte Nutrition-Day-Studie, die mit mehr als 55.000 Patienten in europäischen Krankenhäusern durchgeführt wurde: Das Risiko zu sterben war bei mangelernährten Patienten doppelt so hoch wie bei Patienten mit einem BMI zwichen 18,5 und 25. Patienten, die adipös (BMI 25) oder stark adipös (BMI 30-35) waren, hatten im Gegensatz dazu ein um 40 Prozent geringeres Sterberisiko als Normalgewichtige. „Solche Erkenntnisse dürfen natürlich nicht als Aufforderung zur Übergewichtigkeit missverstanden werden“, stellte Hiesmayr klar. „Übergewicht ist in unserer Gesellschaft ein ernstes Problem und ein Risikofaktor für eine Reihe von Krankheiten.“

 

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