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1947 wird bei einem Rhesus-Affen aus dem Zika-Wald nahe Entebbe in Uganda das Zika-Virus erstmals nachgewiesen
 
Infektiologie 22. Februar 2016

Null-Toleranz-Politik gegen Zika

Brasilien bekämpft „Aedes aegypti“ mit Insektiziden. An Kopf-Fehlbildungen seien die Stoffe nicht schuld, heißt es.

Die Ausbreitung des Zika-Virus in dem südamerikanischen Riesenland kommt zur Unzeit. Ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen hat Präsidentin Dilma Rousseff den Krieg gegen Zika ausgerufen.

Hinterher klüger sein, so wie bei Ebola, reicht Margaret Chan nicht mehr. Also besteigt die WHO-Generaldirektorin – sie ist die erste Chinesin, die dieses Amt bekleidet –, den Flieger nach Rio de Janeiro, um dort Vertreter der Regierung Rousseff und von Gesundheitsbehörden zu treffen. Vielleicht geht ihr auf dem langen Flug auch der Gedanke durch den Kopf, dass Fernreisen der Grund dafür sind, dass sich das Zika-Virus so stark ausbreiten konnte.

„Die Welt ist auf eine globale Gesundheitskrise wie Ebola nicht vorbereitet“, zitierte Chan im Vorjahr aus einer Analyse aus dem Jahr 2009 – an diesem Zustand habe sich nicht viel geändert, befand sie damals. Und heute? Sind wir wirklich vorbereitet?

Die Europäische Union hat vor Kurzem ihr in Folge der Ebola-Epidemie beschlossenes Ärztekorps aus der Taufe gehoben. Europäische Länder stellen dabei schnell abrufbares medizinisches Personal und Material bereit, um in Krisensituationen ohne Verzögerung zu helfen. Bisher haben jedoch erst neun EU-Länder Beiträge zugesagt. Das Ärztekorps ist eine Folge der anfangs schleppenden Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf die Ebola-Epidemie in Westafrika, bei der mehr als 11.000 Menschen starben.

Freilich: „Restlos vorbereitet auf einen Virus kann man nie sein.“ Das sagt Prof. Dr. Reingard Grabherr vom Institut für Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur. Die Virologin ist Realistin: „Einen Impfstoff für diese Sorte Viren zu entwickeln ist nicht so einfach und dauert seine Zeit, es gibt immer mehrere Stämme und damit die Gefahr von Kreuzreaktionen.“ Ein Impfstoff gegen das viel gefährlichere Dengue-Virus sei in Vorbereitung (siehe auch Infobox auf S. 5).

Zika sei für Erwachsene ungefährlich, für Schwangere hingegen schon. Zwar gebe es während einer Schwangerschaft etliche andere Risiken zu beachten, aber die Mikrozephalie sei „besonders anschaulich und grauslich“ – und damit für die Berichterstattung interessant.

Brasilien befindet sich indes im Alarmzustand. Mithilfe von 220.000 Soldaten ha das Land eine groß angelegte Bekämpfung des Zika-Virus gestartet. „Bis zu den Olympischen Spielen werden wir beachtliche Erfolge bei der Vernichtung der Moskitos sehen“, versprach Präsidentin Dilma Rousseff zum Start der Offensive.

Die Olympischen Spiele finden vom 5. bis 21. August in Rio de Janeiro statt – erste Sportler erwägen bereits einen Verzicht. Das Militär verteilte vier Millionen Flugblätter mit Tipps zur Moskitobekämpfung, bevor ab Montag als nächste Etappe 50.000 Soldaten mit Insektiziden den Mücken zu Leibe rücken sollen. Rousseff nahm in der Olympia-Stadt Rio de Janeiro an der Aktion teil und erklärte Bürgern, dass selbst kleine Lacken und Wasserrückstände vermieden werden müssen. Gelbfiebermücken, die das Virus übertragen, legen dort ihre Eier ab und vermehren sich so.

Die 220.000 Soldaten und tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden schwärmten in 353 Städten mit Informationsblättern aus. Sie sollten bis zu drei Millionen Häuser besuchen. Besonders in den Favelas gibt es mangels moderner Abwassersysteme viele Brutstellen für Moskitos. Allerdings sollten die Soldaten Favelas weitgehend meiden, zumindest dort, wo das Risiko von Zusammenstößen mit Drogenhändlern bestand. Rousseff betonte, die Aufklärungsaktion sei nur der Anfang.

Als nächster Schritt sollen nun in besonders betroffenen Gegenden Moskitos und Eiablageplätze mit Insektiziden eliminiert werden. Insgesamt hat die Regierung für 2016 Ausgaben von 2,4 Milliarden Reais (526 Millionen Euro) zur Bekämpfung der Mücken vorgesehen.

Zero Zika

Einen möglichen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Schädelfehlbildungen und einem eingesetzten Pestizid hat das Gesundheitsministerium zurückgewiesen. „Es gibt keine epidemiologische Studie, die eine Verbindung zwischen dem Einsatz von Pyriproxifen und Mikrozephalie beweist“, teilte das Ministerium am Montag mit.

Argentinische Ärzte hatten unter Verweis auf Analysen einer brasilianischen Nicht-Regierungsorganisation die Häufung in Verbindung mit diesem Stoff gebracht. Er wird dem Wasser zugemischt, um die Vermehrung von Moskitos, die das Zika-Virus übertragen können, zu verhindern. Das Ministerium betonte, man verwende nur von der WHO empfohlene sogenannte „Larvicide“. Dazu zählt auch Pyriproxifen. Allerdings setzen die Gesundheitsbehörden des Bundesstaates Rio Grande do Sul das Insektizid vorerst nicht mehr ein.

Das Ziel der Regierung lautet weiterhin „Zero Zika“ („Null Zika“). Aber bis dahin wird es ein weiter Weg sein – die Moskitoart hat sich zuletzt dramatisch vermehrt und soll auf rund 80 Prozent der Landesfläche aktiv sein. „Der Kampf gegen die Moskitos ist derzeit das einzige Mittel, um diese drei Virus-Arten zu bekämpfen“, betonte der nationale Sekretär für Schutz und Zivilverteidigung, Adriano Pereira Júnior (siehe auch Bericht auf S. 5). Rousseff vergleicht den Kampf gegen die Mücken mit einem „Krieg“.

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