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© Helmut Fohringer/dpa
Ages-Mitarbeiter untersucht Gemüse auf EHEC-Erreger.
 
Infektiologie 17. Mai 2016

Der Ausbruch und die Nachbeben

Nach der EHEC-Epidemie ist die Zahl der Reizdarmfälle stark gestiegen. Familiäre Häufung nachgewiesen.

Nach der EHEC-Epidemie 2011 ist die Prävalenz des Reizdarmsyndroms in Deutschland stark gestiegen. Der Gastroenterologe Wolfgang Fischbach stellt ein Stufenschema zur Therapie vor.

Gastrointestinale Infektionen, die epidemische Ausmaße erreichen, ziehen offenbar eine Welle von Reizdarmfällen nach sich. Ein Beispiel für dieses Phänomen, das einen kausalen Zusammenhang vermuten lässt, ist die EHEC-Epidemie im Sommer 2011, während der 3.442 Patienten in Deutschland erkrankten. Nach Prof. Dr. Wolfgang Fischbach, Gastroenterologe am Klinikum Aschaffenburg, gehört dieser zu den schwersten je dokumentierten Ausbrüchen einer enterohämorrhagischen Enterocolitis.

Wie eine deutsche Studie gezeigt hat, stieg die Prävalenz der Reizdarmfälle in dem Jahr nach dem Ausbruch von 10 auf 25 Prozent an, die Inzidenz eines neu aufgetretenen Reizdarmsyndroms (RDS) lag nach zwölf Monaten bei 17 Prozent.

In einer weiteren Studie zeigten Personen nach einer Infektion mit Clostridium difficile ein gegenüber Kontrollpersonen sechsfach erhöhtes Risiko, innerhalb von zwölf Jahren einen Reizdarm zu entwickeln. „Diese Studien“, sagt Fischbach, „bestätigen erneut, dass bakterielle Darminfektionen ein RDS auslösen können.“ Neu sei die Erkenntnis, dass es beim Reizdarm offenbar eine familiäre Häufung gebe. Nach Fischbach weist dies auf eine genetische Komponente hin.

Die Abklärung des RDS bereitet in der Praxis Schwierigkeiten. Die von den Patienten häufig vermuteten Nahrungsmittelallergien spielen laut Fischbach beim RDS objektiv nur in 1 bis 2 Prozent eine Rolle. Was zur Abgrenzung von organischen Erkrankungen in vielen Fällen weiterhelfe, sei die Messung von Calprotectin im Stuhl. Fischbach zitierte eine Studie, nach der sich bei 60 Prozent der Patienten, die sich wegen abdomineller Beschwerden dem Hausarzt vorstellten, erhöhte Calprotectin-Werte (≥ 50 µg/g) fanden.

15 Prozent von denjenigen, die man daraufhin koloskopiert hatte, zeigten bei der Untersuchung relevante Befunde wie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, Adenome oder Karzinome.

springermedizin.de, Ärzte Woche 20/2016

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