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Kolumne Nebenwirkungen 7. Juni 2011

Sicher ist sicher: Schutz vor EHEC und Co.

Es war vorauszusehen: Nun ist auch diese Kolumne mit EHEC infiziert. Wahrscheinlich hat der Autor dieser Zeilen zu viel an saure Gurken gedacht.

Es gibt kaum etwas Verlässlicheres, als das regelmäßige Auftreten wütender Keime samt nachfolgender Panikreaktio-nen von Ärzten, Patienten und Journalisten. Diesmal geht es um EHEC, enterohämorrhagische Escherichia coli, die im Darm eines Betroffenen unschöne Dinge anrichten, die auch sehr unschön enden können.

Was ist schuld? (Es muss natürlich immer einen Schuldigen geben.) Die Spanier. Besser gesagt: deren Gurken. Denn da ursprünglich vorwiegend Frauen von der blutigen Durchfallerkrankung betroffen waren, schloss man messerscharf: Das muss an dem vielen Gemüse liegen. Wir Männer haben es ja immer schon gewusst, dass das nicht gesund sein kann. Und da Frauen auch so auf „Bio“ abfahren und auch die Spanier so attraktiv finden, sah man sich mit „spanischen Bio-Gurken“ auf der sicheren Seite.

Mit den Vorsilben „Killer-“ oder „Todes-“ versehen, wanderten daher Gurken und Dinge, die diesen ähnlich schauen, wie Zucchini oder Bananen ungeprüft und ungegessen in dem Müll. Sicher ist sicher. Und obwohl sich nach und nach herausstellte, dass die Gurken vielleicht doch nicht schuld waren, traute man dieser Erkenntnis nicht. So wie man ja auch den Spaniern nicht so recht traut.

Da sich die Seuche zudem von Hamburg ausgebreitet hat (wahrscheinlich ein zwielichtiger deutscher Gurkenhändler mit spanischem Migrationshintergrund), wurden auch Dinge gemieden, die aus Hamburg stammen – wie etwa Hamburger. Sicher ist sicher.

Da man gottlob noch so viele Tamiflu-Päckchen aus Vogel- und Schweinegrippen-Tagen gebunkert hat, kann man ja schon beginnen, die Kindergärten großzügig damit auszustatten und eine prophylaktische Therapie bei jenen Kindern zu beginnen, die einmal schon eine Gurke gegessen haben. Oder gar eine Bio-Gurke. Das Zeug hilft zwar nur gegen Viren und nicht gegen EHEC. Aber sicher ist sicher (Und das Zeug muss ja auch weg, bevor es abläuft).

Die Gesundheitsbehörden verlieren bei solchen Epidemien immer: Entweder zu voreilig oder zu lang-sam reagieren sie auf potenzielle Gefahren für die Bürger. Man kann es nie allen Recht machen. Außer den Kolumnisten – denn wir freuen uns nämlich immer über Killer- und Todesgemüse.

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