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Infektiologie 24. Mai 2011

Hunderte EHEC-Fälle in Deutschland

Deutsche Ärzte und Infektiologen sind ratlos: Seit Tagen werden neue Infektionen mit dem gefährlichen EHEC-Keim bekannt, doch die Ursache bleibt unbekannt. Die Suche nach der Quelle läuft auch Hochtouren. Experten vermuten, dass noch weitere Fälle hinzukommen.

Komplikationen und Nierenprobleme

Ein Keim geht um in Deutschland. Es ist die äußerst unangenehme Schwester des allseits bekannten Escherichia coli - sie nennt sich EHEC, enterohämorrhagische Escherichia coli. Seit dem vergangenen Wochenende sorgt sie in der Republik für Aufregung. Vermutlich einige hundert Menschen haben sich infiziert, bei manchen ist der Verdacht noch nicht bestätigt. Viele liegen mit Komplikationen im Krankenhaus. Ihnen hat EHEC gravierende Nierenprobleme bereitet, manche liegen gar im Koma. Experten suchen indes fieberhaft nach der Quelle des Ausbruchs. Noch immer ist sie unbekannt.

Welle startete vor zwei Wochen

Begonnen hat die Welle von EHEC-Infektionen schätzungsweise um den 10. Mai. Erste Berichte kamen aus dem Norden der Republik. Zehn Tage später wandten sich die Behörden an die Öffentlichkeit. Man sei über ein "vermehrtes Auftreten von bakteriell bedingten blutigen Durchfallerkrankungen" durch EHEC informiert worden, ließ das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein am Freitag verlauten. Bis zum Sonntag spitzten sich dann die Meldungen zu. Am Montag wurden immer wieder neue Zahlen von Neuerkrankungen gemeldet. Die Rede ist von bereits mehr als 300 Erkrankten.

Über 300 Erkrankte, viele Verdachtsfälle

Allein in Hamburg sind nach offiziellen Angaben von Montagmittag 40 Menschen erkrankt. Die Lage sei weiter ernst, der Gesundheitszustand einiger Patienten kritisch, so ein Behördensprecher aus der Hansestadt. In Niedersachsen sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Montag 67 Menschen mit EHEC infiziert. Zehn von ihnen sollen schwer erkrankt sein. "Bei einigen besteht Lebensgefahr", sagte der Präsident des Landesgesundheitsamtes, Dr. Matthias Pulz. Er geht von verunreinigten Lebensmitteln aus: "Das Lebensmittel muss sich irgendwo im Handel befinden", sagte er.

Dazu kommen einige Erkrankungen und hunderte Verdachtsfälle in Bremen, Schleswig-Holnstein, Nordrhein- Westfalen, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Problematisch sei hier die mit rund 36 Stunden langwierige Labordiagnostik. Deshalb gebe es zwar viele Verdachtsfälle aber noch kein verlässliches Bild.

"Ungewöhnliche Situation"

Angesichts der ungewöhnlich hohen Erkrankungszahlen geben sich Experten in der Republik weitgehend ratlos. Der Chef der Infektionsepidemiologe am Robert Koch-Institut (RKI), Privatdozent Gérard Krause, sagte am Sonntag: "Wir haben eindeutig eine ungewöhnliche Situation." Und: "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei."

Rätsel Infektionsquelle

Am Wochenende kamen Experten des RKI und aus norddeutschen Gesundheitsbehörden zu einer Krisensitzung in Hamburg zusammen. Rätselraten bereitet den Infektiologen vor allem die Quelle des jüngsten EHEC-Ausbruchs. Denkbar sind laut RKI-Mann Krause vor allem rohes Obst und Gemüse. Fleisch und Rohmilch schieden nach den bisherigen Erkenntnissen als Infektionsquelle aus.

Suche geht weiter

"Zur Ursache gibt es nichts neues", sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher gestern gegenüber der "Ärzte Zeitung". Hinweise auf Rohmilch oder Rohfleisch als Infektionsquelle gebe es aber nicht. Erste Befragungen von Erkrankten hätten das ausgeschlossen, so Glasmacher. Im Blick stünden nun Gemüse, Obst und Salat. "Es können aber auch andere Lebensmittel im Spiel sein." Das RKI arbeite unter Hochdruck an der Aufklärung.

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nös/ÄZ

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