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Eduard Schebesta Medical net Gründer
© picture alliance / Roland Muehlanger

Für niedergelassene Kassenärzte bedeutet ELGA eine wesentliche Erweiterung der Softwarefunktionalität im kommenden Jahr − vorausgesetzt der aktuelle Zeitplan hält.

 
Praxis 31. August 2015

ELGA: 2016 wird arbeitsreiches Jahr

Softwarehersteller stehen kurz vor dem Start der Elektronischen Gesundheitsakte unter großem Zeitdruck.

Um böse Überraschungen zu vermeiden ist es sinnvoll, das Thema ELGA als Arzt aktiv anzugehen und sich bei dem Softwarepartner über die erforderlichen Anpassungen zu erkundigen. Als Einführungsregion für die e-Medikation ist der Bezirk Deutschlandsberg bereits im 2. Quartal 2016 an der Reihe. Für finanzielle ELGA-Aufwände hat das Ministerium Unterstützung zugesagt.

Die viel diskutierte Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) geht noch dieses Jahr in (Teil-)betrieb: Krankenanstalten in Wien und in der Steiermark sollen in den ersten Schritten ELGA mit den Entlassungsdokumenten versorgen.

Der niedergelassene Sektor ist per 1. Juli .2016 gesetzlich (GTelG 2012 §27) dazu verpflichtet, mit ELGA zu kommunizieren. Zu diesem Termin sind konkret folgende Gesundheitsdienstleistungserbringer betroffen:

• Apotheken gemäß § 1 des Apothekengesetzes;

• freiberuflich tätige Ärzte;

• Gruppenpraxen;

• selbstständige Ambulatorien gemäß § 3a KAKuG.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen Sie als niedergelassener Arzt, ausgenommen sind zu diesem Zeitpunkt noch Ärzte ohne Kassenvertrag, auch technisch in der Lage sein, die ELGA-Dienste abzufragen bzw. zu befüllen.

Durch die e-Medikation wird jeder niedergelassene Arzt zum aktiven ELGA-Nutzer. Denn einerseits muss der Arzt auf die Verordnungsliste des Patienten zugreifen können, andererseits muss er seine jeweils neuen Verordnungen in der e-Medikation verspeichern.

Als Einführungsregion für die e-Medikation ist der Bezirk Deutschlandsberg im 2. Quartal 2016 an der Reihe.

Die Inbetriebnahme der e-Medikation wird dann – so wie bei der e-Card – regionsweise erfolgen. Die e-Medikation kann unabhängig von der ELGA-Befundabfrage für den extramuralen Bereich in Betrieb gehen, so ist die zuverlässige Aussage der Experten.

Wenn der aktuelle Zeitplan – und aktuell sieht es danach aus – der ELGA-Einführung hält, dann steht uns (Ärzten und Softwarehersteller) mit 2016 ein äußerst arbeitsreiches Jahr an. Abhängig vom Inhalt der noch zu erlassenden Verordnungen wird der Zeitplan für die Umsetzung der weiteren ELGA-Schritte festgelegt. Für niedergelassene Kassenärzte bedeutet das jedenfalls eine wesentliche Erweiterung der Softwarefunktionalität im kommenden Jahr. Der jeweilige Arztsoftwarehersteller hat aktuell alle Hände voll zu tun, denn die technische Umsetzung der nötigen ELGA-Komponenten braucht hohe Aufmerksamkeit und bindet wohl den Großteil der Entwicklungskapazität des Softwareunternehmens, insbesondere die sehr kleinen Hersteller stehen daher derzeit unter großem Zeitdruck.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, macht es durchaus Sinn, das Thema als Arzt aktiv anzugehen und sich bei dem jeweiligen Softwarepartner über den aktuellen Entwicklungsstand der erforderlichen Softwareanpassungen zu erkundigen. Man sollte dabei auch in Erfahrung bringen, welche Kosten die individuelle ELGA-Anbindung der Arztpraxis denn eigentlich verursacht.

Um für alle betroffenen Softwaresysteme den ELGA-Einstieg so einfach wie möglich zu gestalten, stellt das CompuGroup Medical Tochterunternehmen HCS ein ELGA-Anschlussmodul, die sogenannte „C-Box“, bereit. Diese auf Windows laufende Softwarekomponente kann von allen Arztpraxissoftware-Herstellern eingesetzt werden, um als einfache Softwareschnittstelle zur Nutzung der ELGA-Funktionen in der jeweiligen Arztsoftware zu dienen.

Dies sind die wesentlichen Funktionen im Überblick:

• ELGA Login;

• ELGA Dokumentenabfrage;

• ELGA Dokumentenarchiv;

• ELGA Dokumentenverspeicherung für Labor und Radiologie;

• ELGA e-Medikation Verordungsabfrage;

• ELGA e-Medikation Verordungsspeicherung;

• ELGA Performanceoptimierung;

• ELGA Performancemonitor;

• ELGA Protokollierung;

• ELGA Administration.

Die C-Box kommuniziert als umfangreiche Schnittstellenkomponente normgerecht über IHE-Profile und deren zugrundeliegende Befundstruktur „CDA“ mit ELGA. Sie bietet dem Entwickler einfache Funktionen für eine effiziente Integration in das eigene Arztsystem. Ein Protokoll gibt Auskunft über den Zugang und die tatsächliche Verwendung von abgerufenen ELGA-Dokumenten (geladen, gelesen, importiert oder nicht verfügbar). Die Zwischenspeicherung aller ELGA-Abfragen auf dem Arztpraxis-Computer bringt eine wesentliche Beschleunigung der weiteren Abfragen zu einem Patienten und gewährt Zugang auf ELGA-Dokumente, wenn der Patient nicht mehr in Behandlung ist.

Einfacher Import

Für den niedergelassenen Arzt bringt die C-Box schnellen Zugang zu ELGA-Dokumenten, den einfachen Import von ELGA-Daten in die eigenen Patientenakten, gute Filter- und Suchmöglichkeiten sowie vereinfachte Administration aller ELGA-Vorgänge (wie z.B. bei „situativem Opt-Out“).

Im Fall von ELGA-Haftungsansprüchen durch Patienten haben Ärzte somit alle erforderlichen Aktivitäten dokumentiert und über Jahre hinweg nachvollziehbar verfügbar. Bleibt die Frage der Finanzierung: Sprechen Sie Ihre Standesvertretung hinsichtlich der Auszahlung möglicher Förderungen für Ihre ELGA-Aufwände an; das Ministerium hat Unterstützung zugesagt!

Ing. Eduard Schebesta ist der Gründer von medical net, einem geschlossenen Kommunikationsnetzwerk, in dem Ärzte, Kliniken, Labors, Radiologen und andere Gesundheitsdienstleister medizinische Daten untereinander austauschen ( www.hcs.at).

Eduard Schebesta, Ärzte Woche 36/2015

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