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© Alexander Raths / fotolia.com
Oxytocin scheint das Vertrauen in den Arzt zu stärken.
 
Allgemeinmedizin 16. November 2013

Treuehormon als Therapieverstärker

Placebo-Effekt lässt sich durch Oxytocin steigern.

Oxytocin wirkt wie ein Therapieverstärker und könnte in Zukunft bewusst dafür eingesetzt werden, eine Behandlung zu verbessern. Deutliche Hinweise darauf hat erstmals eine Gruppe Wissenschaftler aus Deutschland gefunden. Sie verstärkten mit Oxytocin die Wirkung eines Scheinmedikaments, von dem die Versuchsteilnehmer Schmerzlinderung erwarteten.

Wie Ulrike Bingel und ihre Mitarbeiter erläutern, fördert Oxytocin die Bindung zwischen Paaren sowie das Mitgefühl und das Vertrauen in andere Menschen, wahrscheinlich auch in den behandelnden Arzt. „Unsere Untersuchungen sind möglicherweise der erste Schritt zu einer gezielten, auch pharmakologischen Verstärkung von nützlichen Placebo-Effekten im klinischen Alltag“, so das Resümee der Neurologin.

Bingel forscht bereits seit Jahren am klinischen Einsatz des Placebo-Effekts. Erst im September hat sie für ihre herausragenden Erfolge in der Schmerzforschung von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) den mit 10.000 Euro dotierten Heinrich Pette-Preis erhalten.

Nasenspray stärkt Vertrauen in den behandelnden Arzt

Für ihr Experiment, das noch an der früheren Wirkungsstätte von Bingel in Hamburg durchgeführt wurde, hatten die Wissenschaftler 80 männliche Freiwillige gewonnen, die nach dem Zufallsprinzip mit einem Nasenspray entweder Oxytocin oder eine unwirksame Salzlösung verabreicht bekamen. Anschließend tupfte ein Arzt den Probanden an zwei Stellen zwei gleichermaßen unwirksame Salben auf den Unterarm. Dazu erklärte der Arzt allerdings, dass sich an der einen Stelle ein schmerzlinderndes Mittel befände und lediglich an der anderen eine unwirksame Kontrollsalbe. Als die Forscher schließlich die beiden Stellen mit Hitze reizten, bewerteten die Probanden den Schmerz an jener Stelle als geringer, an der man die angeblich schmerzlindernde Salbe aufgetragen hatte (49 gegenüber 59 von 100 Punkten auf der Visuellen Analogskala VAS). Die Reduktion des Schmerzes durch den Placebo-Effekt fiel unter Oxytocin (12 Punkte) deutlich stärker aus als bei dem Nasenspray mit der Salzlösung (7 Punkte). Mit weiteren Kontrollversuchen konnten Bingel und Kollegen ausschließen, dass das Hormon Oxytocin selbst eine schmerzlindernde Wirkung entfaltete.

„Soweit wir wissen, liefert diese Studie den ersten experimentellen Beweis, dass die Placeboreaktion durch die Anwendung von Oxytocin pharmakologisch verstärkt werden kann“, schreiben die Autoren. Solch eine verstärkende Wirkung könne man nutzen, um eine echte pharmakologische oder andere spezifische Behandlungen mit Placebos zu unterstützen. „Das Treuehormon hat möglicherweise die Glaubwürdigkeit des Arztes verstärkt“, interpretiert Bingel. Zusätzlich hätten aber vielleicht auch die stress- und angstlösenden Eigenschaften des Oxytocins entsprechende Wirkung gehabt.

Rationale für die Nutzung des Placeboeffekts

Für Bingel und ihre Mitarbeiter ist die Studie ein weiterer Schritt in Richtung einer rationalen und effektiven Nutzung des Placeboeffekts in der klinischen Praxis. „Placeboeffekte sind eine erstrebenswerte Unterstützung medizinisch-therapeutischer Maßnahmen, die es zu maximieren gilt“, so die Neurologin. Diese Befunde müssen nun bei einer größeren Anzahl echter Patienten erforscht, die Mechanismen dahinter entschlüsselt und weitere Einflussfaktoren wie das Geschlecht und das Arzt-Patienten-Verhältnis untersucht werden.

Originalpublikation:

Kessner S. et al.: Effect of Oxytocin on Placebo Analgesia: A Randomized Study; JAMA 2013; 310 (16)

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