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© nistor razvan / iStockimage
In einer Studie ließ man Teenager per Smartphone Fotos ihrer Mahlzeiten machen, die Daten wanderten direkt in ihre Diätakte.
 
Praxis 30. Mai 2012

Herausforderung Compliance

Apps halten jugendliche Patienten bei der Stange.

Der Tagesrhythmus von Teenagern ist so unbeständig, dass eine gelebte Compliance zur Herausforderung wird. Die Lösung: einen Therapie-Mehrwert mittels Apps schaffen.

 

Jugendliche Patienten in der Therapie bei der Stange zu halten zählt zu den schwierigsten Aufgaben von Praxisteams. Das liegt daran, dass im Alter zwischen 11 und 18 Jahren andere Dinge als die Gesundheit Priorität haben. Daher ist es für Jugendliche wesentlich schwieriger, feste Therapie-Rhythmen einzuhalten. Doch gerade die Affinität zu mobilen Geräten könnten Praxisteams für die Therapie nutzen, zeigt eine Studie.

Das Ziel, das Bethany L. Daugherty, Tusa Rebecca E. Schap und Kollegen von der Purdue University gemeinsam mit Kollegen des Krebscenters der University of Hawaii und der School of Public Health an der Curtin University mit ihrer Studie verfolgten, war eigentlich ein anderes: Sie wollten evaluieren, wie Jugendliche und Erwachsene mit einer Mobiltelefon-gestützten Ernährungsakte zurecht kommen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, welche Vorstellungen Jugendliche zur Therapie haben.

In der Studie „Novel Technologies for Assessing Dietary Intake: Evaluating the Usability of a Mobile Telephone Food Record Among Adults and Adolescents“ (J Med Internet Res 2012; 14(2):e58) ließ man 135 Freiwillige, darunter 78 Jugendliche und 57 Erwachsene, unter kontrollierten Bedingungen eine mobile Ernährungsakte testen.

Das Ausgangsproblem war, dass bei herkömmlichen Diät-Dokumentationen die erhobenen Daten vom Erinnerungsvermögen der Patienten abhängen. Es ist bekannt, dass Teilnehmer dazu tendierten, die Energie-Aufnahme um rund 30 Prozent herunterzurechnen.

Die Idee: Die mobile Akte spricht Teenager eher an

Bei Jugendlichen, die an Diätprogrammen teilnehmen, zeige sich aber noch ein zusätzliches Problem: Da sie sich in einer schnellen Wachstumsphase befinden, würden sie häufiger essen und es gebe auch mehr unstrukturierte Mahlzeiten außerhalb von zu Hause. Außerdem ärgerten sich die Jugendlichen eher darüber, wenn sie von ihren Eltern daran erinnert werden, ihre Ernährungsakten auszufüllen. Daher sollte eine mobile Ernährungsakte die herkömmlichen Dokumentationsprobleme überwinden helfen.

Per Smartphone sollten die Probanden daher Fotos von ihren Mahlzeiten – und zwar vor und nach dem Essen – machen. Mithilfe eines elektronischen Markers und der Verlinkung mit einer Nährwert-Datenbank sollte allein anhand des Fotos der Kalorienverbrauch gemessen und dokumentiert werden.

Die jugendlichen Nutzer kamen prompt mit der Anwendung zurecht. Alle 78 Probanden nutzten für die erste Mahlzeiten-Dokumentation anstandslos ihr Smartphone, und selbst bei der zweiten Dokumentationsrunde waren noch 70 Jugendliche dabei.

Von den 57 Erwachsenen machten im zweiten Durchgang hingegen nur 24 Probanden mit. Wie die Studienautoren erklären, nutzten die Jugendlichen die neue Technik auch schneller und eigenständiger, wohingegen von den erwachsenen Probanden wesentlich mehr Fragen zum Umgang mit der Technik kamen.

Ohne elektronische Reminder geht es nicht

Trotzdem fanden es die Jugendlichen schwieriger, vor und nach dem Essen daran zu denken, ein Foto zu machen. Ein wertvoller Hinweis für Praxisteams. Denn, so die Forscher, da Jugendliche einen unregelmäßigeren Tagesablauf hätten, bräuchten sie für die Compliance mehr Erinnerungen. Und hierfür sind Smartphone-Applikationen (Apps) wie geschaffen. Denn die Geräte haben die Jugendlichen in der Regel fast immer bei sich, eine einfache Alarmfunktion würde also ausreichen. Und die bieten die meisten Gesundheits-Apps, die auf dem Markt sind, schon.

Ein anderer interessanter Nebeneffekt, der bei der Fotodokumentation auftauchte: Es ließ sich genau feststellen, wie viel Zeit sich die Jugendlichen im Schnitt für eine Mahlzeit nahmen. Es waren gerade einmal 14 Minuten.

Nun können Praxen kaum eigene Apps für ihre jungen Patienten entwickeln lassen, denn die Kosten müssten sie selbst tragen. Und noch gibt es keine Möglichkeit, solche Programme auch in der ärztlichen Vergütung abzubilden. Ärzte können aber Apps, die für die Therapie einen Mehrwert bieten, innerhalb der Therapie nutzen – etwa, wenn sie helfen, spielerisch Gesundheitsdaten zu erfassen, oder vielleicht sogar erlauben, Daten direkt an den Arzt zu senden.

Viele dieser Apps sind zudem auch für die Patienten in der Nutzung kostenfrei. Und: Es hilft, junge Patienten an die Praxis zu binden. ÄZ

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