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© Natascha Uccusic

Ließen sich von den Kinderbüchern der 1970er-Jahre inspirieren: Autor Hirsch und Illustratorin Uccusic.

Wenn der Blätterboden bebt, dann steigt wahrscheinlich gerade eine gigantische Wolkeaus Schafen auf undverdunkelt den Himmel.

Florian trifft die Riesenschnecke: „Was suchst du hier?“ Der erwidert: „Ich hole Hilfe fürmeinen Bruder.“

 
Leben 5. April 2016

Hinter der Fellwand

„Florian Federleicht“ – ein unaufgeregtes Kinderbuch über einen tapferen Buben.

So stellt sich das der kleine Maxi vor: Er ist krank und sein Bruder Florian kann im Schlafanzug, mitten in einer kalten Nacht ausrücken, um die heilende Zauberperle zu finden. Aber Florian hat Angst, bis ihm ein kleiner Vogel ins Ohr flüstert: „Du musst gehen.“ Der Held der Geschichte von Andreas J. Hirsch und Alexandra Uccusic findet in dem Traumland am Kastanienfluss noch mehr: die Kraft der Liebe.

„Und dann kommt ihm ein Fisch entgegen. Mitten in der Luft auf einer kleinen Lichtung. Ein Fisch im Wald! Doch die Bäume sehen “ Sätze wie diese webt der Autor und Fotograf Andreas J. Hirsch um die Illustrationen von Alexandra Uccusic. Es sind fantastische Welten, die sie ihren kleinen Helden Florian bereisen lassen. Er darf auf tieffliegenden Wolkenschafen reiten, ein Blätterkleid tragen, das die Aufmerksamkeit der blauen Schildkröte erregt und schließlich den Kastanienfluss erreichen, wo er seine Helfer auswählt. Denn Florian ist auf einer Mission. Er sucht die Zauberperle, die seinen Bruder gesund machen soll.

„Wir finden, dass die Illustrationen in Kinderbüchern den Kindern besonders viel bieten sollen. Daher hat Alexandra auch versucht, möglichst viel in die Bilder hineinzulegen. Kinder sollen viel zum Schauen und zum Entdecken haben. Lieblos gemachte und allzu sehr an den aktuellen Trends orientierte Kinderbücher, die letztlich dann alle irgendwie gleich aussehen, sind nicht unser Fall“, sagen die Autoren.

Und so ist Florian auch kein Super-Checker, keine Spürnase im Detektiv-Team oder Junior-Forscher, sondern ein Kind, das mit großen Augen durch die Welt geht, ein Stilmerkmal der Malerin Uccusic. „Ich finde die Augen gar nicht soooo groß“, sagt sie.

Entstanden sei die Geschichte „Schritt für Schritt im Dialog zwischen Bildern und Text, also im Gespräch zwischen uns beiden“, die Inspiration für ihr Werk seien „die extrem fantasievollen Kinderbücher der 1970er-Jahre“.

Und wie alle Kinder, denen viel vorgelesen wird, hat auch Florian eine blühende Fantasie. Als ihm also ein Vogel ins Ohr zwitschert, dass es Zeit sei aufzubrechen und den Farben zu folgen, dann kann der Held der Geschichte die Augen nicht mehr einschlafen. Der Schein der Straßenlaterne wirft ein Fellmuster an die Wand. Und was macht Florian? Er streckt die Hand aus. Und tatsächlich ist da eine Wand aus weichem Fell in allen Farben. Florian plumpst hinein ins Fell und landet in einer fantastischen Tierwelt. Er begegnet Tieren mit zutiefst menschlichen Eigenschaften: Da ist die leicht beleidigte Genoveva, ein Gnu, der sympathische Flamingo Herbert und ein fröhliches Monster, das ihm den richtigen Weg weist.

Genau andersrum läuft die Handlung im 70er-Jahre-Kinderbuchklassiker „Lollo“ von Mira Lobe und Susi Weigl. Dort sind es ausrangierte Kuscheltiere, die aus einem Müllhaufen herauskrabbeln und in der realen Welt der Tiere als Schneider, Maler, Flugzeugpiloten und Ärzte reüssieren. Florian, dem die Traum-Vögel den Namen Federleicht verpasst haben, darf nach überstandener Traumreise dafür auf einer Feder in die „Wirklichkeit“ zurückschweben. Die Fellwand ist wieder eine Tapete und sonst? Da fällt ihm Maxi ein, der schwer krank ist. Wegen Maxi hat er doch diese Reise unternommen. Florian springt aus dem Bett und läuft in das Zimmer seines kleinen Bruders. Was er dort findet, hätte er am Vorabend noch nicht zu hoffen gewagt. Ob sich sein Einsatz gelohnt hat? Auf Maxis Fensterbrett liegt jedenfalls eine schimmernde Perle ...

Wer tiefer in das Werk von Alexandra Uccusic und Andreas J. Hirsch eintauchen will, dem seien diese Websites empfohlen: www.kastanien fluss.at und www.alexandra- uccusic.at

Martin Burger, Ärzte Woche 14/2016

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