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© (2) Christian Teske
 
Leben 11. Juli 2016

Zwei Leben für 500 Euro retten

An der Grenze zwischen der Ukraine und den russisch besetzten Gebieten geht der Spitalsalltag weiter – irgendwie.

Brexit, IS-Terror und Bundespräsidenten-Stichwahl haben den Konflikt in der Ukraine aus den Schlagzeilen verdrängt. Christian Teske kann die Bilder der notleidenden Menschen nicht verdrängen. Er hilft wo er kann und liefert seit 13 Jahren Medikamente und gebrauchtes medizinisches Gerät an Krankenhäuser im Kriegsgebiet um Lugansk im Osten des Landes.

In Zeiten, in denen hierzulande eine Wiederholung einer Stichwahl als Zumutung bejammert wird, hilft vielleicht ein Blick in die Ukraine: Die haben Probleme!

Christian Teske kennt sie. Der Fotograf pendelt zwischen seinem Wohnsitz im Burgenland und Sjewjerodonezk in der Ostukraine. „Ich habe diese Stadt vor rund sechs Jahren erstmalig besucht, als es darum ging, Kinder aus dem Waisenhaus der Stadt nach Österreich zu einem Ferienaufenthalt einzuladen.“

Bilder im Kopf

Seit 13 Jahren sammelt der gebürtige Deutsche Medikamente und Spenden für Leukämie-kranke Kinder, für die er daheim in Wallern im Seewinkel auch Ferienlager organisiert. „Ich habe kein Helfer-Syndrom, aber die Zustände in den Waisen- und Krankenhäusern ergeben Bilder, die ich nicht aus dem Kopf bekomme.“

Der Krieg in der Ostukraine begann im April 2014. Inzwischen stieg die Zahl der Toten auf 9.400. Die Ukraine wirft Russland vor, den Konflikt durch Waffenlieferungen und personelle Verstärkung der Separatisten in den Regionen Donezk und Lugansk zu schüren.

Teske hilft dort, wo er helfen kann. Derzeit sucht er dringend einen Inkubator und Inhalatoren für die dortige Geburtsklinik. „Die benötigten Geräte können ohne weiteres gebraucht sein. Wichtig ist, das sie funktionieren.“

Kleine Summen, große Wirkung

Was kann ein Einzelner ohne große Organisation im Hintergrund bewirken? Gar nicht so wenig. Für das Krankenhaus Nr. 16 mit angeschlossener Kinder-Leukämiestation in Kharkov konnte er Medikamente beschaffen, die die schmerzhaften Nebenwirkungen der Chemotherapien lindern, im Wert von rund 6.000 Euro beschaffen. Medikamente, die für Familien mit einem Durchschnittseinkommen von 100 Euro unerschwinglich sind. „Mit 500 Euro kannst du zwei Leben retten“, sagt Teske.

Für die Krebsstation von Kharkov hat er ein Blutanalysegerät organisiert, das im Burgenland ausgemustert und von der Vertriebsfirma zur Verfügung gestellt wurde. Um die Betriebskosten zu erwirtschaften und den Erhalt des Gerätes zu sichern, legt Teske mit Ärzte und Freunden zusammen. „Somit sind die Blutanalysen für die Leukämiestation für die nächsten 10 Jahre abgesichert und natürlich kostenlos.“ Für das Kinderkrankenhaus in Sjewjerodonezk kamen Antibiotika im Wert von rund 900 Euro zusammen.

Darüber hinaus spendete der Fotograf den Erlös aus dem Verkauf seiner eigenen Bilder einer Ausstellung, die der Arbeit des ukrainischen Philharmonischen Orchesters gewidmet war. „Für diese Summe konnte ich dann, sofort im Anschluss Pampers besorgen.“

Neben den beiden Krankenhäusern betreut Teske zur Zeit einen fünfjährigen Buben mit autistischer Behinderung. Er wohnt in einem Dorf rund 25 km von Kharkov entfernt bei seiner Großmutter. Die Mutter ist verschwunden, der Vater Alkoholiker. „Er braucht, um sich einigermaßen in späteren Jahren in das öffentliche Bildungssystem integrieren zu können, eine spezielle sozialpädagogische Betreuung.“ Der Financier dieser Zukunft heißt derzeit Teske.

Aufruf

Im Kinderkrankenhaus in Sjewjerodonezk werden dringend ein Inkubator sowie einige Inhalatoren benötigt. Sjewjerodonezk liegt im umkämpften Lugansker Oblast. Die benötigten Geräte können ohne weiteres gebraucht sein. Der Ukraine-Helfer Christian Teske (T: +43 699/13364465) holt zur Verfügung gestellte Geräte ab und transportiert sie zum dortigen Krankenhaus.

Spendenkonto

Raiffeisenbank Seewinkel-Hansag

Bankstelle Wallern

Waisenkinder Lugansk

IBAN AT 39 33002 0000 2411999

Martin Burger, Ärzte Woche 28/2016

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