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Familie Derx in Prievoz/Oberufer,Anfang der 1930er Jahre.
© (2) Volkskundemuseum

Schulklasse von Josef Derx zu Beginn der NS-Zeit in Bratislava.

 
Leben 1. Februar 2016

Vertriebene und Verbliebene

Eine Schau über die Tschechoslowakei in den Jahren 1937 bis 1948 zeigt Familiengeschichten dies- und jenseits der Grenze auf.

Die Ausstellung im Wiener Volkskundemuseum thematisiert die NS-Zeit in der Tschechoslowakei und die Vertreibung der deutsch-sprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg. Lebensgeschichtliche Videointerviews, die in Österreich, Tschechien und der Slowakei geführt wurden, dokumentieren Erinnerungen an diese Geschichte bis in die Gegenwart. Die Ausstellung wird zeitgleich in Wien, Prag und Bratislava gezeigt.

Die 1918 entstandene Tschechoslowakei erbte von der Donaumonarchie die Konflikte der dort lebenden Volksgruppen. Der Nationalsozialismus radikalisierte den nationalen Anspruch als „rassische“ Vorherrschaft durch Annexion, Unterdrückung und Mord. Republikanische Bürgerschaft wurde durch „Volksgemeinschaft“ und damit verbundene ausschließende Begriffe ersetzt. Plötzlich konnte man nur noch „Deutscher“, „Tscheche“, „Jude“, „Magyar“ etc. sein. Unmittelbar auf das Dritte Reich folgte die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei, die abermals von Unrecht und Tod bestimmt wurde. Der Eiserne Vorhang vollendete die Trennung zwischen der vertriebenen und der zurückbleibenden Bevölkerung, und der Kommunismus verbot jede Diskussion über die Vertreibung und die dabei geschehenen Verbrechen.

40 Interviews zeichnen die historischen Vorgänge im Spiegel der individuellen Erfahrung nach: in Familie und Nachbarschaft, in ethnisch gemischten Städten und entlegenen Dörfern, in Frieden und Krieg, während Gefangenschaft, Deportation und Neubeginn. Eine besondere Rolle spielen Interviewpartner, die dem nationalen Entweder-oder widersprechen: gemischte Paare, deutschsprachige Gegner des nationalsozialistischen Regimes, Tschechen und Slowaken, die sich dem kommunistischen „antifaschistischen“ Narrativ der Vertreibung widersetzen.

Die Ausstellung „Vertriebene und Verbliebene erzählen. Tschechoslowakei 1937 bis 1948“ ist im Volkskundemuseum in Wien 8, Laudongasse 15 bis 19, von 10. Februar bis 10. April 2016 zu sehen. Kurator der Schau ist Mag. Dr. Georg Traska, Österreichische Akademie der Wissenschaften. www.volkskundemuseum.at

Volkskundemuseum , Ärzte Woche 5/2016

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