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© Schiffer/ÄK Steiermark
Dr. Herwig Lindner
 
Gesundheitspolitik 7. Oktober 2016

„Dafür muss die öffentliche Hand aufkommen“

3 Fragen, 3 Antworten

Der Ärger über Volker Schörghofer ist noch nicht verraucht, aber der ranghöchste Arzt in der Steiermark, Herwig Lindner, benennt das Schmiermittel mit dem der verfahrene Karren der e-Medikation wieder flott gemacht werden kann: Geld.

Was halten Sie von der E-Medikation?

Lindner: Als Präsident der Kammer, aber auch als praktizierender Arzt und Internist, der mit vielen multimorbiden Patienten in Kontakt ist, halte ich eine solche Applikation für absolut sinnvoll. Deshalb haben wir uns auch bereit erklärt, mitzumachen und unsere Mitglieder draußen vor Ort zu motivieren, sich am Testbetrieb zu beteiligen. Voraussetzung war aber, dass die zur Verfügung gestellte Software im Vergleich zum ersten Pilotprojekt vor einigen Jahren entsprechend weiterentwickelt wurde. Jetzt haben sich beim Tool des Hauptverbandes bzw. der Hauptverbandstochter SVC aber wieder einige technische Schwierigkeiten gezeigt, vor allem hinsichtlich der Systemstabilität und der Kompatibilität zu den Softwareherstellern – auch bei Ärzten übrigens, die über eine absolut moderne IT-Ausstattung verfügen.

Die Probleme liegen nicht an der steinzeitlichen EDV der steirischen Ärzte?

Lindner:Anstatt herzugehen und den Ärzten die Schuld in die Schuhe zu schieben, indem er sagt, in Deutschlandsberg herrscht EDV-Steinzeit, hätte sich Schörghofer lieber die Zeit nehmen sollen, um sich die Bedenken der Ärzte anzuhören und die festgestellten Mängel zu beheben. Er hat sich aber anders entschieden, ist in eine Pressekonferenz gegangen und hat den flächendeckenden Rollout verkündet. Ich muss mit einem Irrglauben aufräumen: Repräsentanten des Hauptverbandes, aber auch Patientenanwalt Bachinger, haben behauptet, dass eine Wechselwirkungsprüfung in die Applikation integriert sei. Das stimmt nicht. Eine solche Funktion hat es zwar in dem erwähnten Vorgängerprojekt gegeben, dabei ist man aber rasch draufgekommen, dass dies derzeit noch unlösbare organisatorische Probleme macht. Darum wurde bis auf Weiteres darauf verzichtet.

Wie geht es weiter?

Lindner:Nachdem alle dafür sind, sollten wir mit der E-Medikation starten, wenn die Hausaufgaben gemacht sind: Behebung der technischen Mängel, Sicherstellung der Kompatibilität zu den marktüblichen Softwareprodukten sowie eine verbindliche Vereinbarung über die Finanzierung. Das muss jetzt auf Bundesebene verhandelt werden. Immerhin handelt es sich um ein öffentliches Infrastrukturinstrument, da muss auch die öffentliche Hand dafür aufkommen.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 41/2016

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