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Praxis 19. September 2016

Jeder zweite Arztbesuch überflüssig

Kritik. Gehen Patienten zu oft zum Arzt? Zumindest in Deutschland lautet die Antwort eindeutig: Ja.

Patienten in Deutschland gehen nach Darstellung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) doppelt so häufig zum Arzt wie eigentlich nötig. „Wir haben nicht zu wenig Ärzte, sondern zu viele Arztkontakte“, sagte KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit der Bild-Zeitung. „Die Hälfte dieser Arztbesuche ist überflüssig.“ Nicht Vermittlungs-, sondern Verteilungsprobleme seien der Grund für fehlende Facharzttermine. Kailuweit warf dem deutschen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor, Strukturreformen zur Lösung solcher Probleme zu vernachlässigen. Dass es kaum Kritik an der Gesundheitspolitik der Regierung gebe, liege daran, dass der Arbeitgeberanteil am Kassenbeitrag festgeschrieben sei. Im laufenden und kommenden Jahr rechnet Kailuweit mit einer Kostensteigerung für die gesetzlichen Krankenkassen von 4,5 Milliarden Euro. „Das hätten die Arbeitgeber nie zugelassen, wenn sie die Hälfte davon hätten zahlen müssen“, sagte der Krankenkassen-Chef.

Der allzu intensive Arzt-Patientenkontakt ist kein ganz neues Probblem, schon im vergangenen August hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) darauf gedrängt, dass Patienten einen Arzt als zentrale Anlaufstelle wählen. „Das macht Sinn, damit wir Doppeluntersuchungen und überflüssige Krankenhausaufenthalte vermeiden und einen Überblick bei der Medikation behalten“. Das sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen.

Natürlich könne ein Patient jederzeit den Arzt wechseln. In Deutschland gelte die freie Arztwahl. Aber er sollte in seinem eigenen Interesse darauf achten, dass der Arzt, für den sich der Patient als zentralen Ansprechpartner entscheidet, alle Informationen kennt, sagt Gassen.

Auch hierzulande ist das Warten auf einen Arzttermin ein großter Kritikpunkt der Patienten. Für den Vorarlberger Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Burkhard Walla, ein altbekanntes Problem, bei dem man sich in einem Dilemma befinde: „Die Menschen wollen sehr kurzfristig einen Termin, gleichzeitig möchte aber jeder Patient eine möglichst lange Behandlungszeit.“ Ein Großteil der Vorarlberger, 82 Prozent, gaben als ersten Ansprechpartner im Fall von Krankheit ihren Hausarzt an, der zu 88 Prozent ein Kassenarzt ist. Als Grund dafür nannten sie die langjährige Beziehung sowie die Tatsache, dass der Hausarzt die Krankheitsgeschichte des Patienten kenne.

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