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Mag. Martin Sardelic

(c)

 
Praxis 7. September 2016

Freiwillige Abfertigung Neu für niedergelassene Ärzte

Betriebliche Vorsorge. Freiberuflich tätige Ärzte können die Vorteile der Abfertigung Neu nicht nur für ihre Mitarbeiter nutzen, sondern auch selbst davon profitieren.

Finanzielle Vorsorge ist gerade für Freiberufler ein Thema, mit dem sie sich möglichst frühzeitig auseinandersetzen sollten, um den Gestaltungsspielraum optimal zu nutzen, den der Gesetzgeber hier einräumt. So besteht – allerdings nur innerhalb der ersten Monate nach Praxisgründung bzw. Einstellung der ersten Mitarbeiter – die Möglichkeit, die für sich selbst am besten geeignete Betriebliche Vorsorgekasse frei zu wählen. Wer diese Option nicht aktiv zieht, der bekommt von der Sozialversicherung eine Kasse zugeteilt.

Wenn ein Arzt in seiner Ordination Mitarbeiter neu anstellt, ist die Wahl einer Betrieblichen Vorsorgekasse für die Abfertigung Neu Pflicht. Wählt er bis spätestens neun Monate nach Anstellung des ersten Mitarbeiters diese nicht selbst aus, wird er anschließend vom Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger einer Kasse verpflichtend zugewiesen.

Für langjährig beschäftigte Ordinationsmitarbeiter mit Dienstverträgen, die vor dem 1. Jänner 2003 begonnen haben, bietet der Gesetzgeber die Option eines Vollübertritts von der Abfertigung Alt in die Abfertigung Neu an. „Bei einem solchen Vollübertritt wird das fiktive Guthaben der Abfertigung Alt in die Betriebliche Vorsorgekasse des Arbeitgebers übertragen“, sagt der Betriebliche Vorsorgeexperte Mag. Martin Sardelic, Vorstandsvorsitzender der Valida Holding AG. Die Abfertigung wird in diesem Fall nicht mehr aus den Rücklagen des Arbeitgebers direkt an den Arbeitnehmer ausbezahlt, sondern von der Vorsorgekasse übernommen, an die der Arbeitgeber in der Folge 1,53 Prozent-Anteile des Brutto-Einkommens überweist.

„Der Arzt hat ab diesem Zeitpunkt sämtlichen organisatorischen Aufwand in die Vorsorgekasse ausgelagert und kann seine Kosten kontinuierlich mit 1,53 Prozent der Bruttolöhne planen“, fasst Sardelic die Vorteile eines Umstiegs aus Sicht des niedergelassenen Arztes in seiner Funktion als Arbeitgeber zusammen.

Ein Umstieg der Mitarbeiter in die Abfertigung Neu erhöht aber nicht nur die finanzielle Planbarkeit für den Arbeitgeber, sondern eröffnet gleichzeitig auch den Mitarbeitern zusätzliche, steuerbegünstigte Möglichkeiten. Diese können sich etwa die Abfertigung auf Wunsch in Form einer lebenslangen steuerfreien Rente auszahlen lassen.

Firmengeld wird zum Familiengeld

Besonders empfehlenswert ist ein Vollübertritt von der Abfertigung Alt in die Abfertigung Neu laut Sardelic vor allem für angestellte Familienmitglieder, die in einer Ordination mitarbeiten. Beim Übertritt wird das entsprechende Unternehmensvermögen an die Betriebliche Vorsorgekasse überwiesen – und wird damit zum Vermögen des Arbeitnehmers. Firmenvermögen wird so elegant und steuerlich begünstigt zu Privatvermögen.

Sardelic beschreibt die Vorteile anhand folgenden Beispiels: „Hat ein angestellter Familienangehöriger nach 25 Dienstjahren das Maximum der Abfertigung Alt (ein Jahresgehalt) erreicht und wird dann der Anspruch in die Vorsorgekasse übertragen, so erhöht sich die Abfertigung um die laufenden Zahlungen in der Höhe von 1,53 Prozent des Bruttogehaltes. Überweist man die Abfertigung Alt dann noch in fünf Raten, können weitere 6 Prozent für die Familie gesichert werden. Das Vermögen der Firma fließt betriebsausgabenwirksam in die Familie und einer reibungslosen Betriebsübergabe steht nichts mehr im Wege.“

Abfertigung Neu als interessante Option

All die genannten Vorteile kann der niedergelassene Arzt auf freiwilliger Basis auch für sich selbst lukrieren. Als Freiberufler ist er laut Gewerblichem Sozialversicherungsgesetz (GSVG) nicht pflichtversichert, die Abfertigung Neu daher auch nicht obligatorisch. All jene, die ihre Tätigkeit als niedergelassene Ärzte beginnen, haben allerdings während des ersten Jahres nach Praxisgründung die Option, freiwillig einen Vertrag mit einer Betrieblichen Vorsorgekasse für die Abfertigung Neu für sich selbst abschließen. Die laufenden Beiträge können in diesem Fall als Betriebsausgabe steuerlich voll abgesetzt werden, das in der Vorsorgekasse veranlagte Kapital ist zu 100 Prozent garantiert und steuerfrei. Spätestens bei Pensionsantritt entsteht ein so genannter Verfügungsanspruch auf das veranlagte Guthaben. Diesen kann der Begünstigte der Abfertigung Neu als lebenslange steuerfreie Zusatzpension nützen oder sich die Gesamtsumme – unter Abzug von 6 Prozent Lohnsteuer – sofort auszahlen lassen.

Die Höchstbeitragsgrundlage liegt 2016 bei 68.040,00 Euro – womit man höchstens laufende Beiträge von 1.041,00 Euro pro Jahr in die Vorsorgekasse einzahlen kann. Durch die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge ergibt sich daraus ein maximaler Steuervorteil von 520,50 Euro pro Jahr. Entscheidet sich der Arzt in den ersten 12 Monaten seiner freiberuflichen Tätigkeit hingegen nicht für eine freiwillige Abfertigung Neu, so besteht zu einem späteren Zeitraum keine Möglichkeit mehr, von dieser attraktiven Vorsorgeform zu profitieren.

Überdurchschnittliche Performance

Ärzte, die sich für eine freiwillige Abfertigung Neu interessieren oder die Vorsorge ihrer Mitarbeiter selbst bestimmen möchten, können am heimischen Finanzmarkt unter neun Vorsorgekassen wählen. Zu den renommiertesten und in den vergangenen Jahren am besten performenden Kassen zählt die Valida Vorsorgekasse, die sich im Eigentum der Raiffeisen Zentralbank und der UNIQA Insurance Group befindet.

„Zwischen 2003, dem Beginn der Abfertigung Neu und 2014 erzielte die Valida Vorsorgekasse einen durchschnittlichen Jahresertrag von 2,80 Prozent und liegt somit deutlich über dem Branchenschnitt von 2,50 Prozent“, erläutert Sardelic das eigene Angebot.

Außerdem könnten sich die Kunden darauf verlassen, dass ihr Geld ausschließlich nach ökologischen und ethischen Grundsätzen angelegt wird: „Das veranlagte Vermögen wird regelmäßig von dem in Österreich im Bereich Nachhaltigkeit führenden Beratungsinstitut ‚rfu‘ nach ethischen Kriterien geprüft“, sagt Sardelic.

Und weiter: „Mit Jahresende 2015 sind 100 Prozent des gesamten Portfolios in Höhe von zwei Milliarden Euro in nachhaltigen oder nachhaltig orientierten Asset-Klassen investiert.“

Von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) wurde die Valida Vorsorgekasse bereits zum dritten Mal in Folge mit dem Goldstandard zertifiziert.

Volkmar Weilguni

, Ärzte Woche 36/2016

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