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Praxis 7. September 2016

Die testen im Westen

Tirol. Gebietskrankenkasse und Landesärztekammer werben für Kooperationsmodelle im niedergelassenen Bereich.

Ein für den Zeitraum 2016 bis 2018 ausgehandeltes Maßnahmenpaket sieht neben fünf neuen Facharzt-Kassenstellen, einer Erhöhung der wöchentlichen Mindestordinationszeit auf 22 Wochenstunden ab 2017, einer leistungsorientierten Honorierung sowie einer Erhöhung des Honorar-Gesamtvolumens um 14,3 Millionen Euro Möglichkeiten einer Zusammenarbeit vor.

Eine Partnerpraxis ermöglicht es einem Arzt, sich durch einen anderen Arzt vertreten zu lassen. Vier Varianten werden angeboten: Neben der gängigen Kurzvertretung gibt es die befristete Partnerpraxis. Der gewählte Partner gleichen Faches tritt dabei in keine Vertragsbeziehung mit der TGKK. Grundsätzlich ist diese Kooperation auf maximal ein Jahr beschränkt, in begründeten Ausnahmefällen (Kinderbetreuung) auch über eine längere Zeitdauer. Die Mindestordinationszeit beträgt 20 Wochenstunden, wobei der Planstelleninhaber mindestens 50 Prozent der Ordinationszeit innerhalb eines Quartals anwesend sein muss. Überlappende Ordinationszeiten sind nicht vorgesehen. Die Honorierung der Leistungen erfolgt an den Planstelleninhaber. Es gilt eine Umsatzbegrenzung mit progressiv gestaffelten Honorarabschlägen.

Job-Sharing für eine Partnerschaft im gleichen Fachgebiet ist auf maximal vier Jahre befristet, auf Antrag ist eine einmalige Verlängerung um weitere vier Jahre möglich. Die Honorierung erfolgt auch hier ausschließlich an den Planstelleninhaber, der auch mindestens 50 Prozent der Ordinationszeit anwesend sein muss.

Der Antrag eines Planstelleninhabers auf Ausschreibung als Partnerpraxis-Übergabe kann frühestens vier Jahre und muss spätestens ein Jahr vor Ende des Einzelvertrags erfolgen, gleichzeitig mit der Vertragskündigung des Planstelleninhabers.

In der Teilpraxis können sich zwei Ärzte einen Vertrag teilen. Beide tragen die Verantwortung. Der Vertrag kann, muss aber nicht, im Verhältnis 50 : 50 geteilt werden. Es besteht die Option, eine Teilpraxis befristet (auf maximal acht Jahre) oder unbefristet einzurichten. Dabei wird der Einzelvertrag des Planstelleninhabers für diese Zeit ruhend gestellt und befristete bzw. unbefristete Teil-Einzelverträge werden mit beiden Partnern abgeschlossen. Die Honorierung erfolgt getrennt.

Die Gründung einer Gruppenpraxis schafft die Möglichkeit einer Ärzte-Gesellschaft in Form einer GmbH oder OG . Drei Varianten:

- Fusions-Gruppenpraxis: Zusammenschluss von zwei oder mehreren Vertragsärzten

- Originäre Gruppenpraxis: Zusammenschluss von zwei oder mehreren Wahlärzten

- Erweiterungs-Gruppenpraxis: Zusammenschluss von einem oder mehreren Vertragsärzten mit einem oder mehreren Wahlärzten in bestehende Vertrags-Gruppenpraxis.

Für Gruppenpraxen mit zwei Gesellschaftern sind mindestens 30 Wochenstunden an fünf Werktagen, davon neun Stunden in Randzeiten (vor 9.00 Uhr bzw. nach 16.00 Uhr) vorgegeben, jedenfalls Freitag zwischen 15.00 und 18.00 Uhr. Je zusätzlichem Gesellschafter erhöht sich die Gesamtöffnungszeit um zehn Wochenstunden. Abrechnungstechnisch gilt die Gruppenpraxis als Einzelpraxis, das heißt, die Honorierung erfolgt ohne Gruppenpraxen-Abschläge. Die Punktestaffeln werden entsprechend den Stellen bzw. Teilstellen, aus denen die Gruppenpraxis besteht, erhöht.

Laut dem Direktor der TGKK, Dr. Arno Melitopulos, wurden einige erste Partnerpraxen realisiert, noch sei das Interesse der Ärzteschaft überschaubar. Für Melitopulos liegt das daran, dass die Möglichkeiten zu wenig bekannt sind, es „beginnt sich erst langsam herumzusprechen“. So könnte in der lange verwaisten Wildschönau schon bald eine Ordination entstehen. Auf die Frage, was im Gesamtpaket unter „leistungsorientierter Honorierung“ konkret zu verstehen sei, meinte Melitopulos, dass niedergelassene „Ärzte, die mehr Menge erzeugen, also versorgungsrelevanter sind, zukünftig weniger schnell in die Degressionen kommen“. Weit über 100 Ärzte würden davon inzwischen bereits profitieren.

Volkmar Weilguni

, Ärzte Woche 36/2016

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