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Leben 29. August 2016

„Krankenhauskleidung ist sportlich, nicht zu eng, nicht zu sexy“

3 Fragen, 3 Antworten

Sabine Karner ist eine Frau, über die man spricht: Ihre Kleider werden bei der ROMY-Gala getragen, ihre Outfits sind in TV-Spots von Raiffeisen bis Verbund zu sehen. Hin und wieder kleidet sie Menschen aus Medizinberufen ein.

Was reizt einen kreativen Menschen an Berufskleidung?.

Karner: Reizvoll daran ist, dass ich mit Schnitten arbeiten kann, mit Linienführung. Wenn es schon die Farbe Weiß sein muss, die ja einen Hintergrund hat, dann kann man durchaus einmal mit anderen Formen arbeiten. Man kann etwas kürzen, Falten reinlegen, einen Ausschnitt verändern. Die Funktion der Kleidung muss ich aber immer mit einbeziehen in meinen Entwurf.

Man kann sich als Designerin hundertmal denken, dass es ohne Tasche besser ausschaut, aber wenn eine Tasche vonnöten ist, dann muss sie draufkommen. Die Herausforderung ist, dass ein Styling allen passen oder möglichst gut stehen soll – der schmalen Frau genauso wie der Dame mit mehr Busen.

Den weißen Arztkittel gibt es schon lange. Wäre auch eine andere Farbe denkbar?

Karner: Es ist von jeher so gewesen, dass man die Farbe weiß bzw. alle hellen Farben sehr leicht auskochen kann, die Flecken rausbringt. Dadurch bot sich schon früher die Möglichkeit, hygienisch zu arbeiten. Selbst wenn die Textiltechnik schon so weit ist, dass viele Materialen farbecht sind (nicht abfärben, Anm.), ist der helle Arztkittel noch immer langlebiger.

Wir verwenden alle Materialien, die die chemische Reinigung aushalten, das sind Baumwolle und Modalfasern (strapazierfähiges Zellulosegewebe, Anm.). Außerdem stellt der Patient automatisch die Verbindung zu den Ärzten als wichtigsten teil des Personals im Krankenhaus her.

Weiß steht für Hilfe und Fachkompetenz. Dort wo nicht direkt mit Patienten gearbeitet wird, wie an der Information, am Empfang, geht auch mehr. Die Sprechstundenhilfen dürfen anders ausschauen, modischer gekleidet sein.

Was würden sie an der Medizinerkleidung gern ändern?

Karner: Wenn ich ein Krankenhaus aufsuchen muss, dann ist für mich die Fachkompetenz am wichtigsten – und nicht die Art und Weise, wie die Herrschaften gekleidet sind. Ärzte sind viele Stunden im Dienst, da muss die Kleidung praktisch und bequem sein, die laufen herum, müssen schnell sein.

Arztkleidung ist eher sportlich, nicht zu eng, nicht zu sexy. Das hat was damit zu tun, dass die Leute sich viel bewegen und keine Lust auf enge Röcke haben.

Manchmal gibt es lustige Tendenzen, z. B. bei den Schwestern, wenn sie bunte Sachen anhaben. Dem einen tut es gut, einmal etwas Fröhliches zu sehen, dem anderen stört’s im Auge.

3x3

Martin Krenek-Burger, Ärzte Woche 35/2016

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