zur Navigation zum Inhalt
© Patrick Seeger/dpa
 
Praxis 24. Mai 2016

Davos offene Stellen gibt

Schweizer Kliniken auf intensiver Arztsuche. Gute Chancen für ausländische Ärzte.

Der Anteil an Ärzten mit ausländischem Abschluss steigt in der Schweiz stetig, sie sind gesuchte Fachkräfte. Pläne zur weiteren Qualitätssicherung könnte den Engpass an Fachpersonal in den Spitälern noch verschärfen.

In der Schweiz schlägt sich der demografische Wandel sichtbar auf das dortige Gesundheitswesen nieder. Wie dem jüngst erschienen Band „Switzerland – Health System Review“ (Anm.: aus der Berichtsreihe „Health Systems in Transition“ der WHO-Partnerorganisation European Observatory on Health Systems and Policies) zu entnehmen ist, werden ältere Ärzte sukzessive durch jüngere Ärztinnen ersetzt.

In der Schweiz arbeiten demnach viele Gesundheitsdienstleister, die im Ausland ausgebildet wurden. 2014 verfügten, wie es in dem Bericht heißt, fast 30 Prozent aller im Land tätigen Ärzte über einen berufsqualifizierenden Abschluss einer ausländischen medizinischen Fakultät. 2013 betrug deren Anteil nach Angaben der OECD noch 27 Prozent.

In der Schweiz existieren laut der Erhebung insgesamt 293 Spitäler sehr unterschiedlicher Größe – von zwei bis drei Betten bis zu mehr als 2.000 Betten. Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Einrichtungen im Durchschnitt jedoch eher klein. Rund 21 Prozent der Spitäler seien öffentlich und würden entweder als Teil der öffentlichen Verwaltung oder als öffentliche Unternehmen betrieben.

25 Prozent würden von einer gemeinnützigen Organisation wie einer Stiftung, einem Verein oder einer Genossenschaft geführt, und über die Hälfte aller Krankenhäuser seien in Privatbesitz unter anderem von Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung oder Einzelpersonen.

Rund 65 Prozent aller Krankenhausbetten befänden sich jedoch in öffentlichen oder nicht gewinnorientierten Spitälern.

Die medizinische Versorgung in der Schweiz findet bereits heute auf einem im internationalen Vergleich hohen Niveau statt. Der Bundesrat - das Pendant zur österreichischen Bundesregierung – will die Qualität im Gesundheitswesen aber weiter verbessern. „Ein wichtiges Instrument sind dabei die nationalen Qualitätsprogramme, wie sie in den Bereichen Chirurgie und sichere Medikamentenabgabe bereits lanciert wurden. Um diese Programme auszubauen und auf eine stabile finanzielle Grundlage zu stellen, soll die Kooperation und Vernetzung verstärkt werden“, heißt es von Seiten des Bundesrates.

Um diese Ziele zu erreichen, sollten zusätzliche nationale Programme erarbeitet und umgesetzt werden. Die Programme sollen die Leistungserbringer wie Spitäler, Ärzte oder Pflegeheime dabei unterstützen, ihre Behandlungsprozesse zu verbessern und einheitliche Standards umzusetzen.

Geplant sei, weitere Qualitätsindikatoren zu entwickeln, mit der sich die Qualität medizinischer Leistungen messen und beurteilen lassen. Der Bund publiziert solche Indikatoren bereits heute für die Akutspitäler. Sie sollen in Zukunft auch im ambulant-ärztlichen Bereich entwickelt werden, um die Transparenz zu erhöhen.

Werden die Pläne des Bundesrates realisiert, so stehen die Spitäler vor organisatorischen Herausforderungen – zusätzlich zu den Problemen, die ihnen eh schon unter den Nägeln brennen.

Wie der „CEO Survey Spitalmarkt Schweiz 2015“ der Strategieberatung PricewaterhouseCoopers, eine Umfrage unter Krankenhausleitungen, ergeben hat, erwarten die Manager unterschiedlichste Trends.

So wird der Spitalmarkt ihrer Ansicht nach mit anspruchsvolleren Patienten konfrontiert. 76 Prozent der Klinikleitungen gehen laut Umfrage davon aus, dass eine Änderung des Patientenverhaltens, zum Beispiel in Bezug auf Mobilität und Ansprüche an Selbstbestimmung, die Zukunft in den Schweizer Spitälern prägen wird.

Den Fachkräftemangel stufen 81 Prozent der befragten Spitaldirektoren als eine der größten Herausforderungen in den nächsten zehn Jahren ein. Hinzu komme, dass gemäß den Erwartungen von 65 Prozent der Umfrageteilnehmer der Personalbedarf steigen wird. Demnach wird es in Zukunft noch mehr an Fachkräften mangeln. In Anbetracht der zunehmenden Leistungsnachfrage werde er den Spitalmarkt vor fundamentale Herausforderungen stellen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben