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© Jens Büttner / picture alliance
Der Gründer der Stiftung „Humor hilft heilen“, Eckart von Hirschhausen, nimmt Kindern die Angst vor der OP, gemeinsam mit Klinikclowns am Uni-Klinikum Greifswald.
 
Leben 12. Oktober 2016

GEWINNSPIEL: In der Humorzone daheim

„Wunderheiler“

Senden sie eine E-Mail mit Ihrer Adresse und der richtigen Antwort auf die Frage „Wie heißt die Stiftung, mit der sich Dr. Eckart von Hirschhausen für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus engagiert?“ an

Dann nehmen Sie an der Verlosung von 1 x 2 Karten für das Programm „Wunderheiler“ am 2. November 2016 in Innsbruck (Congress, im Saal Tirol) teil.

Einsendeschluss ist der 17. Oktober 2016, 10 Uhr.

 

Medizinkabarettist Dr. Ronny Tekal interviewt den deutschen Comedian Dr. Eckart von Hirschhausen.

Der Fragesteller ist seit Jahren „Ärzte Woche“-Kolumnist, sein „Opfer“ heuer zweimal in Österreich zu Gast.

Im Programm „Wunderheiler“ gehst du zu deinen Wurzeln, zur Zauberei. Wie viel Magie steckt in der heiligen Chefvisite einer High-Tech-Klinik?

von Hirschhausen:Das Ritual der Visite ist zutiefst religiös, die Visite ist die Nachahmung der katholischen Prozession. Es soll dabei für alle, die diesem Brauch beiwohnen, eine heilende und magische Wirkung ausgehen. Die Monstranz der Visite ist der Kurvenwagen, der vorneweg geschoben wird. Dahinter folgen streng nach Wichtigkeit sortiert die verschiedenen Ebenen in Pyramidenform. Spannend wird es insbesondere, wenn sich die Pyramide ins Zimmer quetscht.

Da kommen 30 Leute für 20 Sekunden auf 10 Quadratmetern am Bett des Patienten zusammen. Der Chef als Erster. Und zack gibt es ein Problem. Denn in den verbleibenden 19 Sekunden müssen 29 Leute die Plätze tauschen, damit die Pyramide auch beim Verlassen des Zimmers richtig aufgestellt ist. Was sich dort möglichst unauffällig vor der Wand abspielt, ist modernes Tanztheater! Das wurde von Pina Bausch an Komplexität nie erreicht. Und wie viele erwachsene Menschen gemeinsam eine Tür aufhalten, die die ganze Zeit offen steht! Das muss man erlebt haben, um es zu glauben!

Lachen ist die beste Medizin, die Medizin aber auch ganz schön zum Lachen. Darf man über Gesundheit, Krankheit und hohe Einläufe überhaupt Witze machen?

von Hirschhausen:Es gibt einen feinen Unterschied zwischen „mit“ jemandem lachen oder „über“, eingrenzen und ausgrenzen. Das ist aber kein Argument für vorauseilende politische Korrektheit. Harald Schmidt hat einmal sehr klug bemerkt: Wenn man keine Behindertenwitze erzählt, grenzt man sie erst recht aus. Und Tucholsky sagt: Satire darf alles. Ich würde ergänzen: nur nicht langweilen. Ihr Österreicher habt ja auch dem Tod gegenüber eine sehr viel entspanntere Haltung, um die ich euch beneide. Wie G. B. Shaw gesagt hat: Das Leben hört nicht auf, komisch zu sein, wenn wir sterben. Genauso wenig wie es aufhört, ernst zu sein, wenn wir lachen.

Einmal Arzt, immer Arzt. Siehst du dich nun auf der Bühne eher als Unterhalter, als Mediziner oder als unterhaltsloser Mediziner?

von Hirschhausen: Was veranlasst dich zu glauben, dass das verschiedene Bereiche sind? (lacht). Voltaire wusste schon: „Medizin ist die Kunst, dem Patienten die Zeit zu vertreiben, die der Körper braucht, um sich selbst zu helfen.“ Das gilt bis heute. Ich bin ein moderner Medizinmann, der mit Musik, Humor und den Mitteln von Bühne und Fernsehen versucht, gesunde Ideen so zu verpacken, dass sie ankommen. Nicht nur im Kopf, sondern auch im Bauch und im Herz. Das ist meine Kunst, dabei nutze ich meine Stärken. Ich war auch gerne im Krankenhaus tätig, aber wenn ich auf der Bühne stehe und an einem Abend manchmal 3.000 Menschen erreiche, dann ist das inhaltlich gar nicht so viel anderes, als das, was ich Patienten in der Psychosomatik erzählen würde. Doch dort müsste ich mit jedem einzeln reden, wofür ich einfach viel zu ungeduldig bin. Und wenn mir heute im Fernsehen Millionen Menschen zuhören, dann hätte ich für den gleichen Effekt in der Klinik sehr viele Jahre gebraucht. Ich habe also nur neue Verbreitungswege entwickelt, um Menschen klar zu machen: Viele unserer körperlichen und seelischen Probleme haben mit der Lebensführung zu tun, und damit, wie wir mit uns und anderen umgehen. Und Gesundheit ist Lebensfreude!

Wie schaffst du es, dass dein Publikum zwischen den ernsten medizinischen Weisheiten und den ernsten medizinischen Kalauern unterscheiden kann?

von Hirschhausen: Das muss nicht ich schaffen, das schafft das Publikum spielend – denn ich nehme meine Zuschauer ernst und mute ihnen auch was zu. Es gibt kaum mehr Orte und Formate, wo sich Menschen über 2,5 Stunden mit einem Thema auseinandersetzen. Im TV wird gezappt, beim Buch vorgeblättert, gegessen oder gepopelt, am Computer blinkt irgendetwas auf, aber wer bei mir im Publikum sitzt, ist positiv „gefangen“. So sind kognitive und emotionale Prozesse möglich, die grundsätzlich bei jedem anderen „Medium“ durch Mattscheibe, Buchdeckel oder offenen Programme verhindert werden.

Der zweite große Wert der Live-Vermittlung: das gemeinsame Lachen. Eine zentrale Frage von allen Menschen ist doch: Bin ich normal? Geht das nur mir so oder anderen auch? Erst recht wenn es um persönliche und intime Dinge geht wie bei der Gesundheit, ist es eine enorme Erleichterung, wenn der Zuschauer erlebt, wie er gleichzeitig mit 2.000 anderen über etwas lachen kann, was ihn im stillen Kämmerlein als echtes Problem vorgekommen wäre. Die FAZ hat einmal über mich geschrieben: „Hirschhausen hat die Gruppentherapie ins Kabarett eingeführt.“ Da ist ein bisschen was dran. Gerade auch durch die interaktiven Elemente wie Summen, Singen, Tanzen und eigene Beiträge schreiben mit Postkarten ist das Publikum aktiv an der Show beteiligt, erlebt sich als kompetent und selbstwirksam und vor allem: als erheiterbar!

Was möchtest du noch erreichen?

von Hirschhausen: Die Stiftung „Humor hilft heilen“ gibt es erst seit 7 Jahren, aber wir haben mit einem sehr kleinen Team bereits unglaublich viel in 100 Projekten erreicht und ungefähr eine Million Euro für mehr heilsame Stimmung im Krankenhaus bewegt. Ursprünglich ging es los mit den Clowns auf Kinderstationen. Inzwischen gehen die Clowns auch viel zu alten Menschen, die sich unglaublich über Besuch freuen und gerade durch Musik sehr gut zu erreichen sind. Inzwischen machen wir große Forschungsprojekte zum Beispiel zu einer Humorintervention nach Schlaganfall bei Erwachsenen, oder zu der Frage, was passiert, wenn Pflegekräfte selber in Workshops ihren eigenen Humor wieder entdecken und einsetzen. Dazu machen wir gerade Schulungen mit über 2.000 Pflegenden und begleiten wissenschaftlich, wie sich dadurch die Stimmung und die Gesundheit verändern. Eine Errungenschaft ist auch die öffentliche Wahrnehmung. Anfangs wurden wir belächelt, jetzt werde ich als Eröffnungsredner für Ärztekongresse gebucht und arbeite mit Ministerien und anderen Stiftungen zusammen. Vielleicht stehen unsere größten Erfolge uns noch bevor, dass es zum Beispiel Humor auf Krankenschein gibt. Das möchte ich noch erleben!

Schenkst du mir ein paar Pointen für mein Programm? (Wenn nein: Danke, dann werde ich sie wie bisher ungefragt übernehmen)

von Hirschhausen:Nur gute Sachen werden kopiert, deshalb ist das Plagiat die ehrlichste Form der Anerkennung! Aber du hast selber so viele gute Ideen, und das Tolle an unserem Job – es kommen ja ständig neue Studien und kuriose Erkenntnisse heraus – die Arbeit geht nicht aus.

Zur Person

Dr. Eckart von Hirschhausen

(Jahrgang 1967) studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus in Berlin, London und Heidelberg. Seine Spezialität: medizinische Inhalte auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln und gesundes Lachen mit nachhaltigen Botschaften zu verbinden. Seit über 20 Jahren ist er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs. Durch die Bücher „Arzt-Deutsch“, „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“, „Glück kommt selten allein…“ und „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist“ wurde er mit über 5 Millionen Auflage einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Aktuell tourt er mit seinem Bühnenprogramm „Wunderheiler – Wie sich das Unerklärliche erklärt“. In der ARD moderiert Eckart von Hirschhausen die Wissensshows „Frag doch mal die Maus“ und „Hirschhausens Quiz des Menschen“.

Hinter den Kulissen engagiert sich Eckart von Hirschhausen mit seiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus, Forschungs- und Schulprojekte. Er ist ein gefragter Redner und Impulsgeber für Kongresse und Tagungen und hat einen Lehrauftrag für Sprache der Medizin. Als Botschafter und Beirat ist er für die „Deutsche Krebshilfe“, die „Deutsche Bahn Stiftung“, „Stiftung Deutsche Depressionshilfe“, die Mehrgenerationenhäuser und „Phineo“ tätig und moderiert den „Ort der Begegnung“ für ehrenamtlich Engagierte beim Bürgerfest des Bundespräsidenten.

Mehr über Eckart von Hirschhausen erfahren Sie unter: www.hirschhausen.com und

www.humorhilftheilen.de

 

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