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© Valentin Flauraud/dpa
Big Hair Day in Liverpool: Der extrovertierte Trainer Jürgen Klopp fegt energiegeladen durch die Coaching-Zonen der Premier League. Er tut dies mit voller Haarpracht. 2013, noch zu BVB-Zeiten, ließ sich Klopp Eigenhaar transplantieren, um seine Geheimrats

Empfängerareal direkt nach der Haartransplantation.

© (4) Otberg Medical

Design eines Haaransatzes.

Patient vor der Operation mit dem Wunsch eines niedrigeren Haaransatzes

Patient etwa zehn Monate nach der Haartransplantation.

 
Chirurgie 14. Dezember 2015

Die Trans-Hair-Sensation

Expertenbericht: Neue Methoden bei der Verpflanzung von follikulären Einheiten.

Die Haarrestorationschirurgie ist ein wachsendes Feld der kosmetischen und rekonstruktiven Medizin. Die Technik der Haartransplantation hat sich rasant weiterentwickelt und erlaubt durch die chirurgische Umverteilung von Eigenhaaren eine dauerhafte, natürlich aussehende Alopeziekorrektur.

Kaum etwas verändert unser Aussehen mehr als der Verlust des Haupthaares, sei es durch androgenetische Alopezie oder Narben und entzündliche Kopfhauterkrankungen. Perücken und Haarteile werden von betroffenen Patienten häufig als unbefriedigend empfunden und können zusätzlich Unsicherheiten auslösen. Die Rekonstruktion des Haupthaares oder ggf. auch der Gesichtshaare (Bart, Augenbrauen und Wimpern) kann das Selbstwertgefühl der Patienten entscheidend nachhaltig positiv beeinflussen.

In den 1960er- und 70er-Jahren erfolgten Haartransplantationen, indem Stanzbiopsien vom Hinterkopf der Patienten entnommen wurden und dann als Vollhauttransplantate in die kahlen Stellen am Oberkopf eingesetzt wurden. Dadurch entstand ein unnatürliches, wie Puppenhaar aussehendes Erscheinungsbild und eine relativ große Narbenfläche am Hinterkopf. In den 80er-Jahren wurde die Technik weiter entwickelt, indem immer kleinere Stanzen verwendet wurden oder aus einem Streifen Haut kleine sogenannte Slitgrafts präpariert wurden. In den 90er-Jahren wurde die Haartransplantationschirurgie schließlich durch die Entwicklung der Verpflanzung follikulärer Einheiten modernisiert (follicular unit transplantation FUT). Die moderne Haartransplantationschirurgie ist eine Umverteilung von follikulären Einheiten. Dabei werden Haarfollikel aus einer Region, meist des Kopfhaares, entnommen, die vom Miniaturisierungsprozess der androgenetischen Alopezie unbeeinflusst bleibt. Haartransplantationen werden in lokaler Anästhesie durchgeführt. Zwei verschiedene Entnahmetechniken können unterscheiden werden.

Bei der Streifenentnahme wird ein Streifen Haut mit Haarfollikeln, gewöhnlich vom Hinterkopf des Patienten, entnommen. Der Wundverschluss erfolgt mit ein- oder zweireihiger Naht, idealerweise mit einem trichophytischen Wundverschluss, der es erlaubt, dass während des Wundheilungsprozesses Haare durch die Narbe wachsen. Der entnommene Streifen wird nun vorsichtig zunächst in feine Streifen, schließlich in winzige Haartransplantate, die je eine follikuläre Einheit (follicular unit graft) enthalten, zerteilt. Die Präparation der Transplantate erfolgt unter Lupenvergrößerung, dabei werden Haut und Transplantate stets steril, kühl und feucht gehalten. Je nach Anordnung der follikulären Einheiten enthalten die Transplantate 1 bis 3 Haarschäfte.

Einzelhaarentnahme (follicular unit extraction – FUE)

Die Einzelhaarentnahme wurde erstmals 2002 beschrieben. Hierbei wird die Entnahmestelle bis zu einer Länge von ca. 2 mm rasiert und einzelne follikuläre Einheiten mit einer winzigen Stanze oder Hohlnadel entnommen. FUE-Stanzen können manuell oder motorisiert verwendet werden.

Die verwendete Entnahmetechnik richtet sich nach der Anzahl der insgesamt benötigenden Haare, nach der Haarstruktur und dem bevorzugten Haarschnitt des Patienten. FUE-Narben sind gewöhnlich weniger sichtbar und erlauben meist einen deutlich kürzeren Haarschnitt.

Bei der FUE-Entnahmetechnik muss jedoch darauf geachtet werden, dass der Hinterkopf nicht ausgedünnt wirkt, das heißt, nicht zu viele, zu dicht beieinander liegende follikuläre Einheiten entnommen werden.

Die Regionen, die die Transplantate erhalten, sollen werden sorgfältig präpariert. Dabei werden Regionen aufgezeichnet, die eine unterschiedliche Dichte erhalten sollen. Besonders die Gestaltung des frontalen Haaransatzes ist entscheidend für die Natürlichkeit des Transplantationsergebnisses (Abb. 2).

Die gewonnen follikulären Einheiten werden nun in das Empfängerareal verpflanzt. Dazu werden mit Hilfe von Nadeln oder Speeren Schlitze in die Haut gestochen. Die Schlitze werden in unterschiedlichen Winkeln zur Kopfhaut gestochen und geben bereits die gewünschte Wuchsrichtung des verpflanzten Haares vor.

Die Größe und Tiefe der Schlitze wird an die Größe und Länge der Transplantate angepasst. Anschließend werden die einzelnen Transplantate vorsichtig in die präparieren Schlitze eingefädelt (Abb. 3, 4). Eine Haartransplantation ist eine verhältnismäßig nebenwirkungsarme Operation. Nebenwirkungen umfassen unter anderem Reaktionen auf die Lokalanästhesie und verabreichte Medikamente, Schwellungen des Gesichts in der Woche nach der Operation, Infektionen, Schmerzen, Taubheitsgefühl, hypertrophe oder verbreiterte Narben, geringes Anwachsen der Transplantate, Blutungen und Nachblutungen.

Die Haartransplantation kann bis zu 10 Stunden dauern

Eine Haartransplantation kann je nach der Anzahl der verpflanzten Haare 3 bis 10 Stunden dauern. Abhängig von der Technik und den Fähigkeiten von Arzt und Assistenten werden 1 bis 5 Assistenten für eine Haartransplantation benötigt.

Haarverpflanzungen eigenen sich nicht nur zur Alopeziekorrektur bei der androgentischen Alopezie, sondern auch zur Korrektur von Narben und in einigen Fällen auch zur Rekonstruktion von ausgebrannten vernarbenden Kopfhaut- erkrankungen.

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