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Ralph Ebhart ist der Chef des ASBÖ Niederösterreich, die Ortsstelle Traiskirchen hat der Vater des früheren SPÖ-Bürgermeisters Fritz Knotzer gegründet.
 

„Es ist alles besser als unter freiem Himmel leben zu müssen.“

3 Fragen, 3 Antworten

Der Samariterbund erhielt vom Innenministerium den Auftrag, gemeinsam mit dem Ärztedienst NÖ die Flüchtlinge im Lager Traiskirchen zu versorgen.

Der Falter hat nach der Präsentation des Amnesty-international-Berichts getitelt: Wir schämen uns. Schämt sich auch der oberste Sanitäter von Niederösterreich?

Ebhart:Wir sind erst ganz kurz (seit vergangenen Donnerstag, Anm.) draußen und tun uns noch sehr schwer, einen Überblick zu bekommen. Der medizinische Bedarf ist da, das ist keine Frage.

Sie sind, vorläufig unbefristet, täglich von 14 bis 22 Uhr vor Ort. Was sind, auf den ersten Blick, die größten medizinischen Probleme?

Ebhart:Es sind die typischen Verletzungsmuster bei Menschen, die große Strapazen hinter sich gebracht haben, starke Abschürfungen, Prellungen, und so weiter, dann die herkömmlichen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, durch die Witterung Schnupfen, und Zahnschmerzen. Zur hygienischen Situation: Mülltrennung kennen die Menschen hier nicht, aber weggeräumt wird alles. Wir sind draußen tätig, in der Sektion vor der Erstaufnahmestelle Ost, auf dem offenen Platz, und in der Sektion SIAK (Sicherheitsakademie, Anm.) mit den Zelten. Im Erstaufnahmezentrum gibt es eine Ordination.

Sie sind lange dabei, mit welchem ihrer früheren Auslandseinsätze lässt sich die Situation im Lager Traiskirchen am ehesten vergleichen?

Ebhart: Vergleichbar ist es mit der Zeit im Kosovo (Samariterbund-Hilfsprojekt von 1999 bis 20003, Anm.). Ich habe dort ein Camp geleitet mit 3800 Leuten. Die Situation mit den Zelten ist überall die gleiche. Klar sind wir in Österreich und nicht im Kosovo, das verstehe ich alles, allerdings muss ich sagen: Es ist wirklich alles besser als unter freiem Himmel und ohne Versorgung leben zu müssen. Das große Problem der Zuteilung der Unterkünfte soll, wenn man dem Glauben schenken kann, was man hört, bis Oktober relativ im Griff gebracht sein. Ich kann es nicht ganz glauben, aber wir werden es sehen.

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