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Praxis 26. April 2016

Warum Diensthandys als Benefit nichts taugen

Das Problem: Verteilt werden die Leistungen wie das Management entscheidet.

Arbeitnehmer müssen nicht mit Dienstwagen oder Handy angespornt werden. Sozialleistungen sind ihnen als Benefit mehr wert. Chefs wissen über diese Bedürfnisse kaum Bescheid.

Der Katalog aller möglichen betrieblichen Zusatzleistungen, mit denen sich Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber präsentierten, ist dick. Kostenlose Getränke, frisches Obst oder Fitnesskurse sind darin genauso zu finden, wie das Firmenhandy, der Dienstwagen und die betriebliche Altersvorsorge. Alles Anreize, die Mitarbeiter motivieren und belohnen sollen. Das Problem mit den Benefits ist aber, selten können die so Beschenkten flexibel und bedarfsgerecht wählen. Verteilt werden die Leistungen wie das Management entscheidet. Und hier splitten sich Arbeitgeberwahrnehmung und Arbeitnehmerbedürfnis.

Eine im Auftrag von Allianz Private Krankenversicherung durchgeführte Befragung der Gesellschaft der Konsumforschung (GfK) ergab jedoch, dass nur 16 Prozent aller Unternehmen Fachkräfte mit Zusatzleistungen anlocken. Befragt wurden rund 600 Arbeitgeber und mehr als 2.600 Arbeitnehmer, Auszubildende und Studenten. Schließlich, so meinen 66 Prozent der Arbeitgeber, sei das Unternehmensimage bei der Jobwahl ausschlaggebend. Die befragten Arbeitnehmer sehen das ganz anders und halten konkrete Benefits für wichtiger.

Wenn sie „schenken“, greifen Chefs daneben. Auf der Wunschliste der Arbeitnehmer stehen Vorteile zur „persönlichen und finanziellen Absicherung“ auf den ersten Plätzen: Die betriebliche Arbeitsversorgung (bAV), Vermögenswirksame Leistungen (VL) und die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Chefs würden aber eher zu statusorientierten Benefits wie dem Handy oder dem Dienstwagen greifen. Dabei, so rechnet der Versicherer vor, koste der Dienstwagen im Jahr durchschnittlich 482 Euro, während die bKV schon für rund 150 Euro und die VL für 278 Euro pro Mitarbeiter zu haben seien. Teurer ist mit 586 Euro im Monat nur der Spitzenreiter bAV. Worauf kommt es bei betrieblichen Zusatzleistungen also an?„Was Mitarbeiter wollen“, richtet sich nach Ansicht von Springer-Autor Richard Barrett an ihren Lebensphasen aus. „Unternehmensführungen müssen herausfinden, welche Bedürfnisse ihre Mitarbeiter motivieren, und eine Kultur schaffen, die diesen Bedürfnissen gerecht wird“, schreibt er. Neue Herausforderungen, der Gedanke an einem lohnenden Zielvorgabe mitzuarbeiten und dabei etwas neues zu lernen, stärken die intrinsische Motivation. Statt materieller Belohnung gibt es innere Erfüllung.

springerprofessionals.de, Ärzte Woche 17/2016

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