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Die Sonnenlicht-exponierten Körperteile wie das Gesicht altern früher.
 
Dermatologie 22. Dezember 2015

Aufhalten, nicht abwenden

Die Hautalterung kann durch inneren und äußeren Schutz positiv beeinflusst werden.

Der Alterungsprozess der Haut ist nicht abwendbar – er lässt sich aber etwas verzögern. Vorzeitig altern lassen die Haut manche äußerliche Faktoren, wie besonders UV-Strahlung. Hautschutz kann also manche ungeliebte Hautalterungserscheinungen aufhalten. Wie die Haut auf innere und äußere Faktoren reagiert, hängt aber auch vom Hauttyp ab.

Obwohl sich die Ausprägung und auch der Verlauf der physiologischen und der lichtbedingten Hautalterung unterscheiden, gibt es auch Gemeinsamkeiten: Ein zentraler Aspekt der Hautalterung allgemein sind die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und die Induktion von Matrixmetalloproteinasen, die durch UV- und IR-Strahlung sowie Hitze erfolgen kann, stellen Kohl et al. fest. Die Neubildung von Kollagen wird dabei verhindert und durch einen Verstärkungsmechanismus wird die extrazelluläre Struktur weiter abgebaut. Die Aufklärung dieser Mechanismen und Faktoren bietet auch für die Entwicklung therapeutischer und vor allem vorbeugender Möglichkeiten zahlreiche Ansätze.

Ein Vergleich der durch innere und äußere Faktoren verursachten Hautalterung lässt sich anschaulich anhand von lichtgeschützten und lichtexponierten Hautstellen ziehen: Die Innenseiten der Oberarme oder die Gesäßregion zeigen weit weniger äußerliche Veränderungen im Alter als etwa das Gesicht oder die Unterarme. Etwa 80 Prozent der Hautalterung im Gesicht ist auf UV-Exposition zurückzuführen. Andere äußere Faktoren der Hautalterung sind länger andauernde Konfrontation mit Tabakrauch, Schwebstaube, Infrarotstrahlung und Ozon sowie Mangelernährung aber auch Alkoholkonsum.

Beide Formen der Hautalterung gehen auch mit Veränderungen der Gefäßstruktur in der Hautoberfläche einher. In der Bindegewebsschicht der Lederhaut von lichtgealterter Haut sind Gefäßdicke und die Anzahl der Gefäße deutlich reduziert. In lichtgeschützter, durch innere Faktoren gealterter Haut nimmt lediglich die Gefäßdicke ab, während hier die Dichte der Blutgefäße in der Haut weitgehend altersunabhängig ist.

Hormonelle Veränderungen beeinflussen den intrinsischen Hautalterungsprozess entscheidend mit. „Bereits ab der Mitte der dritten Lebensdekade nimmt die Produktion von Sexualhormonen schrittweise aufgrund abnehmender funktioneller Reserven der endokrinen Organe ab“, so Kohl et al.: „Bei Frauen tritt mit der Menopause ein Abfall der Östrogenkonzentration im Blut auf, der sich bis zum 60. Lebensjahr fortsetzt und von einer Progesteronabnahme begleitet wird.“ Auch die Haut ist dadurch von verschiedenen Veränderungen betroffen: Trockenheit, Faltenbildung, trockene Haut, Kollagenabbau und Elastizitätsverlust sowie funktionell eine verzögerte Wundheilung sind die Folgen.

Vorbeugung und Schutz

Der Lichtschutz ist zur Vorbeugung der UV-induzierten Lichtalterung grundlegend. Die regelmäßige Anwendung eines UVA- und UVB-Lichtschutzes kann laut Studien durch UV-Strahlung verursachte dermale und epidermale Veränderungen reduzieren oder verhindern. Dabei werden anorganische (physikalische) und organische (chemische) Lichtschutzfilter unterschieden, wobei, so Kohl et al., „die Anwendung mineralischer Filter v. a. für Kinder empfohlen wird, da anders als bei organischen Filtern keine tiefere Penetration in Schichten unterhalb des Stratum corneum stattfindet“.

Eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von lichtinduzierten Karzinomen und der Hautalterung spielen freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies. Da aber Sonnenschutzpräparate keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlung bieten, nehmen Antioxidantien in der Prävention und Therapie lichtbedingter Hautalterung einen großen Stellenwert ein. Ansatzpunkte sind jene Akteure im komplexen Geschehen, die am physiologischen Stoffwechsel beteiligt sind. „Wichtige nichtenzymatische Antioxidanzien in der Haut sind u. a. Ascorbinsäure im wässrigen Milieu, Coenzym Q10 als wichtiges Antioxidans in den Mitochondrien, Vitamin E zur Protektion im lipophilen Milieu wie Zellmembranen, Niacinamid (Vitamin B3) und β-Karotin“, beschreiben Kohl et al.: „Die Instabilität der Antioxidanzien stellt eine Herausforderung an die Formulierung dar, da diese sowohl stabile Wirkstoffe als auch einen ausreichend hohen Transport an den Wirkort gewährleisten soll.“

So gewinnt neben dem Einsatz verschiedener Antioxidanzien in Cremen v. a. auch der Aufbau eines endogenen Sonnenschutzes durch Mikronährstoffe an Bedeutung. Entgegen früheren Annahmen erzielen wir den größten Teil der kumulativen UV-Dosis im alltäglichen Leben – wenn die Haut meist nicht durch ein Sonnenschutzmittel geschützt ist. Mindestens 75 Prozent der gesamten UV-Dosis im Leben eines Menschen wird nach dem 18. Lebensjahr erreicht. Daher erscheint es sinnvoll, sowohl topische Antioxidanzien als auch die Supplementation mit Mi-kronährstoffen wie Polyphenolen und Caroten komplementär mit topischen Lichtschutzpräparaten einzusetzen.

Quelle: E. Kohl, M. Landthaler, R.-M. Szeimies: Hautalterung, in: Hautarzt 2009, 60:917–934

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