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Licht verbreitet Stimmungen und setzt Akzente.
 
Praxis 14. Dezember 2015

Es werde Licht

Moderne Beleuchtungskonzepte für die Apotheke erfreuen Kunden und Mitarbeiter.

In Apotheken wird das Thema Licht oft noch vernachlässigt. Bei der Gestaltung kann man jedoch auf bereits erfolgreiche Konzepte zurückgreifen – und dank moderner LED-Technik auch Kosten sparen.

Licht macht nicht nur einfach hell. Es ist fraglos auch ein wichtiges Gestaltungsmittel für Räume, denn es transportiert Emotionen und verleiht Atmosphäre. Eine Untersuchung des Unternehmens Zumtobel, Anbieter ganzheitlicher Lichtlösungen, in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Hamburg und dem Lichtlabor am Royal Institute of Technology in Stockholm, ist zum Beispiel vor drei Jahren gezielt der Frage nachgegangen, welche Faktoren in der Shopbeleuchtung generell entscheidend sind, damit mehr Waren gekauft werden, mehr Kunden ins Geschäft kommen, bzw. länger dort verweilen.

Lichtdramaturgie

Der Studie zufolge empfiehlt es sich, statt einfach die Helligkeit – und damit meist den Energieverbrauch – zu erhöhen, mehr auf kon-trastreiche Beleuchtung durch punktuelle Akzentbeleuchtung zusätzlich zu einer passenden homogenen Grundbeleuchtung zu achten und so die Wahrnehmung zu vereinfachen. Je einfacher sich Kunden orientieren können, desto eher wird die Entscheidung gefällt, durch einen Verkaufsraum zu gehen. Erreichbar ist das durch vertikale Beleuchtungsstärken. Eine diffuse Allgemeinbeleuchtung sorgt für subjektives Wohlbefinden, kalte Farbtemperaturen lassen Räume großzügiger erscheinen, warme Farbtemperaturen wirken familiär. In Regalen wiederum gilt es, auch die unteren Bereiche nicht zu vernachlässigen – was Eye-Tracking-Aufzeichnungen zufolge offenbar häufig der Fall ist. Durch Kombination einer flächigen Hinterleuchtung plus Akzentbeleuchtung lassen sich Warenerkennung und Attraktivität der Produkte optimieren.

„Lichtkonzepte, wie man sie von renommierten Geschäften kennt, sollten auch auf Apotheken angewendet werden“, betont Manfred Marschner, Visual Merchandiser und Konzeptplaner aus Dortmund. „Bislang gibt es hier aber erst wenige gute Beispiele. Die Ladenbauer haben das Thema noch nicht so vorangetrieben wie in anderen Branchen. Doch auch eine Offizin ist ein Verkaufsraum, in dem Produkte inszeniert werden, und kein Lager.“

Viele Apotheker interessierten sich allerdings kaum für Licht, solange es da ist. Eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Geschäftsräumen weisen Apotheken auf: Das Publikum ist tendenziell etwas älter. Grelle und kaltweiße Beleuchtung empfinden sie eher als unangenehm.

Das passende Lichtkonzept

Wichtig sind vorab Überlegungen, was wo präsentiert werden soll. Sollen z. B. Kunden beim Warten vor dem Verkaufstisch oder beim Gang dorthin auf andere Produkte aufmerksam werden? Wo sind Aktionsflächen? Grundsätzlich geht es dann darum, durch eine gleichmäßige Lichtverteilung etwa durch Lichtdecken eine helle und freundliche Atmosphäre im Verkaufsraum zu schaffen.

Licht bietet Orientierung. Ist zum Beispiel der tiefste Punkt der Apotheke schön hell erleuchtet, geht ein Kunde auch gerne durch den ganzen Verkaufsraum bis dorthin und nimmt zudem die zwischendurch gut in Szene gesetzten Waren wahr. Während eine Beratungsecke eher diskret beleuchtet sein sollte, werden bestimmte Werbe- und Aktionsflächen prominent beleuchtet. Ebenso sollte auf eine tageslichtnahe Ausleuchtung im Backoffice-Bereich geachtet werden – zum einen im Hinblick auf Arbeitsschutz/betriebliches Gesundheitsmanagement und zum anderen im Hinblick auf korrekte Farbwiedergabe, z. B. bei Arbeiten wie Verblistern/Heimbelieferung.

Sonderfall Freiwahl

Besondere Sorgfalt sollte auch auf die Präsentation des Kosmetikbereichs in der Freiwahl gelegt werden, rät Marschner. Dazu gilt es, Leuchten von oben so auszurichten, dass Lichtfarbe und Abstrahlwinkel passen. Eine durchdachte Ausleuchtung sorgt dafür, dass auch in unteren Bereichen Produkte und Beschriftungen auf den Verpackungen gut erkennbar sind. Durch die gemischte Anordnung von Leuchten verschiedener Lichtfarben sollte zudem ein Farbspektrum erreicht werden, das Menschen natürlich aussehen lässt. Haut kann so bei einer Analyse gut beurteilt werden, und bei dekorativer Kosmetik erscheinen Make-up-Farben so, wie auch im Sonnenlicht.

Anziehungspunkt Schaufenster

Bei einer Lichtplanung gilt neben der Verkaufssituation ein wichtiger Blick der Außenwirkung. Mit unterschiedlicher Vorder- und Hintergrundbeleuchtung lassen sich zum Beispiel Tiefe und Atmosphäre auch im Schaufenster schaffen. Das allein erfordert schon unterschiedliche Beleuchtungsstärken. Hinzu kommen die Helligkeit der Umgebung, Spiegelungen durch Verkehr oder umliegende Gebäude, die berücksichtigt werden müssen. Um zugleich auf die häufig wechselnde Dekoration flexibel eingehen zu können, haben sich hier vor allem Stromschienensysteme mit schwenkbaren Strahlern bewährt.

Kosten – Aufwand und Ersparnis

Der bauliche Aufwand für solche Maßnahmen kann durchaus sehr unterschiedlich sein. Je nachdem, ob in die vorhandene Substanz neue Lichtmittel eingebaut werden oder ein Umbau ohnedies bevorsteht. Veränderungen in der Lichtgestaltung haben jedenfalls nicht nur auf die Stromkosten, sondern auch im Verkauf und für die Kundschaft merkliche Effekte.

Lichtexperten beurteilen LED als die Lichtquelle der Zukunft – flexibel, sparsam, haltbar und mit ausreichender Lichtstärke „Durch die heutigen Möglichkeiten vor allem von LED lassen sich ökologische Vorteile nutzen, die sich auch positiv auf das Raumklima und Temperaturen auswirken“, so Marschner. Die Flexibilität zeigt sich auch darin, dass vieles elektronisch programmierbar ist – von Lichtfarben und Helligkeit bis hin zu tageszeitlichen Veränderungen.

Trends in der LED-Technologie

COB LED steht für „Chip On Board“ und ist die Abkürzung für eine noch recht neue Produktionstechnologie in der Mikroelektronik. Über den Chip kann eine gerichtete Lichtabgabe erreicht werden. Spezielle Leiterplattenmaterialien, z.B. Aluminium, sorgen zudem für eine längere Lebensdauer.

OLEDs sind Leuchtdioden in Dünnschichtbauweise aus organischen, halbleitenden Polymeren oder „Small Molecules“, das Kürzel steht für „Organic Light Emitting Diode“. Displays aus OLEDs kommen ohne Hintergrundbeleuchtung aus, was im Vergleich zur bisher üblichen Flüssigkristallanzeige (LCD) einen geringeren Stromverbrauch verspricht.

Fazit

Mit dem Fokus auf Sparmaßnahmen lassen sich schon durch den Austausch alter Leuchtmittel und Einsatz energieeffizienter LED-Leuchten merkliche Effekte erzielen. Wer jedoch seine Apotheke so ins rechte Licht rücken möchte, dass Kunden sich wohl fühlen, länger bleiben und die Waren in Sicht- und Freiwahl bewusster wahrnehmen und gerne einkaufen, sollte auf eine professionelle Lichtplanung zurückgreifen. Auch ohne immense Umbauten kann dann schon viel erreicht werden. Bei einer größeren Umgestaltung oder der Neueröffnung einer Apotheke sollte Lichtplanung heute aber eine Selbstverständlichkeit sein.

Springer Medizin

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