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© Sven Simon / picture alliance
Doping Kontroll-Schild bei den Winterspielen 2014. Schon damals berichteten deutsche Reporter über systematisches Doping.
 
Sportmedizin 20. November 2015

Wie Russland Sieger macht

Der von Reportern aufgedeckte Doping-Skandal erschüttert die Sportwelt.

Den russischen Leichtathleten droht wegen systematischen Dopings der Ausschluss von den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Eine Strafe, die weh tut. Und manchen nicht weit genug geht.

„Für die Olympischen Spiele 2016 ist es unsere Empfehlung, dass der russische Leichtathletikverband suspendiert wird.“ Das sagt Richard Pound, Leiter der Ermittlungskommission bei der WADA, der Welt-Antidoping-Agentur. Er äußerte die Hoffnung, dass der russische Verband an der Aufklärung mitarbeiten werde, „und war so, dass russische Athleten an den Spielen teilnehmen können, wenn sie das nicht tun schließen sie sich selbst aus, und dann kann das Ergebnis sein, dass keine russischen Leichtathleten in Rio de Janeiro am Start sind. Ich hoffe aber, dass sie erkennen, dass sich etwas ändern muss“.

Wolfgang Konrad, Veranstalter des Vienna City Marathons hat da seine Zweifel. Der ehemalige Weltklasse-Mittelstreckenläufer fordert, alle russischen Sportler für Olympia zu sperren. „Es handelt sich hier klar um ein System, und es wird doch niemand glauben, dass sich das in Russland nur auf die Leichtathletik beschränkt.“

Überrascht ist Konrad nur vom Ausmaß des Skandals, „dass sich der Präsident des Weltverbands schmieren ließ, um positive Dopingproben unter den Tisch fallen zu lassen, das zieht mir den Boden unter den Füßen weg“, sagte Konrad der Tageszeitung Der Standard.

Drahtzieher aufseiten der IAAF soll der langjährige Präsident Lamine Diack sein. Gegen den 82-jährigen Senegalesen und weitere Beschuldigte, zwei sind Söhne Diacks, wurde in der vergangenen Woche in Frankreich wegen des Verdachts der Korruption und Bestechlichkeit ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Kommission hatte den staatlichen Ermittlern entsprechende Hinweise gegeben. Die Beschuldigten sollen gegen Zahlung von mehr als einer Million Euro positive Dopingproben vertuscht haben.

Dr. Patrick Weninger, Anti-Doping-Beauftragter beim Badmington-Verband: „Ich habe gelernt, dass nichts unvorstellbar ist. Es überrascht mich jedoch immer wieder, wie leichtfertig sich dopende Athleten beeinflussen lassen und wie unsorgsam sie mit Ihrer Gesundheit umgehen. Ich bin froh, dass die Strafen für Doping härter wurden, aber es ist wie Steuerhinterziehung: trotz harter Strafen wird es immer wieder Leute geben, die versuchen, sich kriminell einen Vorteil zu erschummeln. Das ist Charaktersache.“

Russland gehört zu den olympischen Topnationen, Medaillen bedeuten für die Sportnation Prestige und die Demonstration von Stärke. Doch die großen Erfolge der Sportnation sind offenbar auf Doping und Korruption aufgebaut. Darüber berichtete die ARD bereits 2014. Und die WADA gratuliert dem Sender öffentlich für seine Recherchen. Die Spur führt bis in das Dopingkontrolllabor in Moskau und in den Leichtathletik-Weltverband IAAF. Ihm sei berichtet worden, dass „alle Sportler in Russland dopen und dass die Ergebnisse nicht ohne Doping erreicht werden können“, sagte Witali Stepanow, der ehemalige Leiter des Ausbildungsprogramms der hiesigen Anti-Doping-Agentur RUSADA.

Nach Angaben der Kommission sei das Labor nicht in der Lage, eigenständig zu handeln, Mediziner und Laborpersonal hätten den Betrug ermöglicht. Zudem seien „mut- und böswillig“ mehr als 1.400 Proben zerstört worden, nachdem die WADA Zielkontrollen angeordnet hatte. Sportminister Witali Mutko meinte nur, man habe Probleme und das nie verschwiegen.

Martin Burger, Ärzte Woche 47/2015

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