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Allgemeinmedizin 18. August 2015

Medikationsplan als Kooperation

Mit dem Deutschen E-Health-Gesetz soll der Patient einen Anspruch auf bessere Arzneimittelkoordination erhalten.

Mit dem E-Health-Gesetz in Deutschland sollen Patienten einen Anspruch auf einen Medikationsplan erhalten, wenn sie mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden. Wenn der verordnende Arzt weiß, welche Medikamente bereits eingenommen werde, sollten sich unerwünschte Wechselwirkungen, Unverträglichkeiten oder Doppelverordnungen deutlich reduzieren lassen. Allerdings: Eine aktuelle Studie zeigt, dass bei den Medikationsplänen oft eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft. Mehr Kooperation mit den Apotheken ist gefragt.

In Deutschland versucht man derzeit – ähnlich wie in Österreich – die technische Entwicklung mit dem E-Health-Gesetz zum Nutzen des Patienten in eine geregelte Form zu bringen. Die erste Lesung des Entwurfs dieses „Gesetzes für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ fand Anfang Juli im Deutschen Bundestag statt. Das Gesetz bietet auch die Grundlage dafür, dass ein Medikationsplan mit der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden kann und damit für mehr Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie sorgen soll. Ab Oktober 2016 sollen Versicherte einen Anspruch darauf haben, mittelfristig soll der Medikationsplan über die elektronische Gesundheitskarte abrufbar sein.

Es gibt freilich Schwachstelle

Patienten profitieren jedoch nur dann von einem Medikationsplan, wenn er vollständig und aktuell ist. Das setzt in der Regel die Kooperation zwischen den verordnenden Ärzten und den Apothekern voraus, denn nicht immer entspricht das, was der Arzt verschreibt – und annimmt, dass es auch so umgesetzt wird – der Realität. Das ergab nun eine kürzlich im „Journal of Evaluation in Clinical Practice“ veröffentlichte Studie der Universität Münster mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. „Wenn nur einer der beiden Heilberufe beteiligt ist, fehlen essenzielle Informationen“, so die Autoren, denn ist ausschließlich der Arzt für den Medikationsplan zuständig, fehlen etwa häufig die Angaben zur Selbstmedikation.

Fünf Abweichungen pro Patient

Nur jeder 16. ärztliche Medikationsplan korrespondiert mit der tatsächlichen Medikation. Die in die Untersuchung einbezogenen Patienten wurden von Apothekern begleitet, die zum Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)-Manager ausgebildet wurden.

80 Prozent der untersuchten Patienten hatten einen Medikationsplan. Demnach nahmen sie im Schnitt neun verschreibungspflichtige und ein frei verkäufliches Arzneimittel ein. Die Apotheker prüften bei einer sogenannten Brown-Bag-Analyse, welche Medikamente die Patienten tatsächlich eingenommen haben – und stießen auf 2021 Abweichungen, das sind fünf pro Patient, vor allem bei den verschreibungspflichtigen Mitteln.

41 Prozent der Abweichungen betrafen den Austausch mit einem wirkstoffgleichen Arzneimittel. In 30 Prozent der Fälle nahmen die Patienten ein Mittel, das nicht im Medikationsplan stand. 18 Prozent hatten ein Medikament oder mehrere Medikamente ohne Wissen des Arztes abgesetzt. In elf Prozent der Fälle stießen die Apotheker auf zum Teil erhebliche Abweichungen von der verordneten Dosis. Betroffen von den Abweichungen waren vor allem Antihypertonika, Analgetika und Antidepressiva.

Der für einen sachgerechten Medikationsplan notwendige Austausch zwischen Arzt und Apotheker soll künftig über die elektronische Vernetzung vereinfacht werden. Wichtig sei, so die Autoren, dass beide Seiten den Plan um die jeweils notwendigen Infos ergänzen können.

ÄZ/red

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