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© Alkimson / panthermedia
 
Immunologie 21. März 2014

Pollen ohne Pause

Detaillierte Informationen ermöglichen wirksame Gegenmaßnahmen

Das viel zu frühe frühlingshafte Wetter und der milde Winter haben die Leidenszeit der Pollenallergiker beträchtlich verlängert. Wer gegen Birkenpollen allergisch ist, befindet sich bereits mitten drin im Allergiehoch.

Niesattacken und tränende Augen: Der milde Winter hat die Saison für Pollenallergiker mehrere Wochen früher beginnen lassen als im vergangenen Jahr. Bereits seit Mitte Dezember fliegen Haselnusspollen, dann kam Erlen-Blütenstaub hinzu. Mit dem ersten Flug von Birkenpollen war bereits Mitte März zu rechnen. Der Österreichische Pollenwarndienst der MedUni Wien bietet mit der Belastungslandkarte und neuen Features der Pollen-App Instrumente, damit Pollenallergiker besser mit der Belastung umgehen können und entsprechend Vorsorge treffen können.

Ob die Ursache für die ungewöhnlich milden Temperaturen tatsächlich im Klimawandel liegt, ist nicht abgesichert. Feststeht, dass der Pollenflug seit etwa 15 Jahren eher früher einsetzt. Die Pollenmengen schwanken allerdings von Jahr zu Jahr. Der Großteil der Pollenallergiker reagiert auf Birken-Blütenstaub. Die größte Sensibilität gibt es im Alter zwischen 30 und 39 Jahren - ein Fünftel dieser Altersgruppe (20,8 Prozent) leidet dann unter rhinitischen Beschwerden. Frauen sind dabei etwas häufiger (drei Prozent) betroffen als Männer.

Auch der Anteil der Allergiker an der Gesamtbevölkerung ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten angestiegen. So leiden beispielsweise beim - durchaus vergleichbaren - Nachbarn Deutschland etwa 15 Prozent der Erwachsenen an Heuschnupfen, während es vor 20 Jahren zehn bis elf Prozent waren. „Die Zunahme hat mit vielen Faktoren zu tun“, erklärt Karl-Christian Bergmann, Leiter der Deutschen Stiftung Polleninformationsdienst. Dazu gehören wahrscheinlich eine zunehmende Hygiene, Ernährungsgewohnheiten und auch der Klimawandel. Eine höhere Kohlendioxid-Konzentration in der Luft führe bei Pflanzen zu mehr Trieben - und dadurch auch zu mehr Pollen. Zu beobachten sei das zum Beispiel bei Birke, Haselnuss, Esche und Eiche. Bei Gräsern ging die Belastung in den vergangenen Jahren hingegen zurück. Das könne aber auch daran liegen, dass mehr Wiesen in Ackerflächen umgewandelt worden seien.

Pollenkonzentration nimmt in Städten zu

Auffällig finden die Forscher, dass die Pollenkonzentration in Städten zunimmt - auf dem Land bleibt sie hingegen ähnlich hoch. Das könne mit der Aufheizung von Beton in Städten zu tun haben, sagte Bergmann. Aber auch Abgase spielen wohl eine Rolle. Besonders hoch war die Dichte von Gräserpollen 2013 zum Beispiel in der Nähe der stark befahrenen Berliner Stadtautobahn A 100. Im großen Park Tiergarten mitten in der Hauptstadt war sie um mehr als die Hälfte geringer. „Ich gehe davon aus, dass die Kombination von größeren Pollenmengen und erhöhter Feinstaubkonzentration zu verstärkten Heuschnupfensymptomen führen kann.“

Von einem weiteren Anstieg der Allergikerzahlen gehen die Fachleute allerdings nicht aus. Ein Grund dafür sei, dass eine genetische Veranlagung beim Ausbruch auch eine Rolle spielt, sagte Bergmann. Ungewöhnlich für die Experten ist aber, dass neuerdings sogar noch im hohen Alter eine Pollenallergie entstehen kann.

Mit dem Start des Pollenflugs bei Gräsern rechnen die Experten in diesem Jahr Mitte April, Beifuß blüht ab Mitte Juli, Ambrosia kommt ab Ende Juli dazu und ist bis Ende September aktiv. Bleibt auch der kommende Winter mild, haben Allergiker erneut nur wenige Wochen Pollen-Pause.

Informationen sowie kostenloser Download der aktualisierten App auf www.pollenwarndienst.at

Quelle: ÄZ und IGAV - Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung

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