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Impfen 25. Februar 2014

Lebenslanges Impfen

Rechtzeitig aufgebauter Immunschutz hält länger.

Der Organismus des älteren Menschen ist nicht mehr so gut in der Lage, auf störende Umwelteinflüsse ausreichend zu reagieren. Allerdings sind Krankheitssymptome ebenfalls nicht mehr so stark ausgeprägt wie beim jungen Menschen, weshalb auch schwere Erkrankungen häufig erst mit Verspätung erkannt werden. Sein Immunsystem antwortet auf Impfungen reduziert. Auch das Immunsystem unterliegt also einem Alterungsprozess, der sogenannten Immunseneszenz.

Sowohl angeborenes als auch erworbenes Immunsystem sind von der Immunseneszenz betroffen, deren Ursachen bis heute nicht schlüssig aufgeklärt sind. Jedenfalls führt dieser multifaktorielle Prozess neben der höheren Infektanfälligkeit und dem Symptomwandel auch zu einer Zunahme von Tumor- und Autoimmunerkrankungen und altersassoziierten Erkrankungen, wie z. B. Atherosklerose. Die Abschwächung der Impfreaktion hat eine mit steigendem Alter abnehmende Antikörperbildung nach Impfungen verglichen mit jüngeren Altersgruppen zur Folge. Daher erweist sich das Konzept des lebenslangen Impfens nach Meinung von Immunologen als sinnvoll, denn Studien haben gezeigt, so Antje Kwetkat, Klinik für Geriatrie, Universitätsklinikum Jena, „dass regelmäßige Grippeimpfungen oder auch regelmäßige Auffrischimpfungen, z. B. bei Tetanus, zu einer insgesamt verbesserten Immunantwort führen“.

Als Standardimpfung wird die Influenzaimpfung für alle Menschen ab dem 60. Lebensjahr empfohlen. Während die alle zehn Jahre empfohlene Tetanus-Diphterieimpfung von Menschen über 65 Jahren schlechter angenommen wird als in der Gesamtbevölkerung, steigen die Impfraten bei der Grippeimpfung im höheren Lebensalter an. Die Impfeffektivität nimmt bei älteren Personen jedoch infolge der Immunseneszenz auf 50 bis 60 Prozent ab verglichen mit 70 bis 90 Prozent bei den unter 65-Jährigen.

Impfung älterer Menschen verstärkt fördern

Pneumokokken verursachen sowohl nichtinvasive mukosale Erkrankungen wie Sinusitis oder Otitis media als auch invasive Erkrankungen wie Meningitiden. Sie sind die häufigsten Erreger der ambulant, aber auch im Pflegeheim erworbenen Pneumonie, die zwar meist nicht-invasiv, in zehn bis 15 Prozent der Fälle jedoch sehr wohl invasiv verlaufen können.

Für Erwachsene ab dem 51. Lebensjahr empfiehlt der Österreichische Impfplan 2014 als Nachfolgeimpfung nach dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff (PPV23) nach frühestens zwei Jahren die Impfung mit dem 13-valenten Pneumokokkenkonjugatimpfstoff PNC13; als Folgeimpfung nach PNC13 frühestens ein Jahr später den PPV23. „Ob und in welchem Abstand weitere Impfungen notwendig sind, ist Gegenstand laufender Untersuchungen“, so die Impfkommission.

Die Meinung, impfpräventable Krankheiten seien im Wesentlichen ein Problem der frühen Lebensphase, ist immer noch weiterverbreitet, daher sollte die Förderung der Impfung älterer Menschen Teil einer umfassenden Strategie für ein gesundes Altern sein, fordert die „Alliance for Health & the Future“. Mit Ausnahme der mittlerweile gut etablierten Grippeimpfung und in Österreich auch der FSME-Impfung glauben viele Erwachsene, dass Impfungen hauptsächlich für Kinder wichtig sind, und überprüfen ihren Impfstatus nicht regelmäßig, sodass die Durchimpfungsrate niedrig bleibt. Hohe Durchimpfungsraten und der dadurch erzielte Schutz sind aber nicht nur für den Einzelnen, sondern für die gesamte Gesellschaft wirksam, weil sie das Gesamtansteckungspotential reduzieren. Der demographische Wandel, so die Alliance for Health & the Future, macht die Notwendigkeit der Bewusstseinsbildung für Impfungen im höheren Alter und das Konzept des lebenslangen Impfens deutlich. Dazu kommt, dass damit die Auswirkungen der Immunseneszenz gemildert werden können, wenn das konsequente Vorgehen bereits im mittleren Alter aufgenommen wird, noch bevor die altersbedingte Abnahme der Immunkompetenz einsetzt und der wirksame Schutz vor impfpräventablen Infektionskrankheiten (VPD) noch beim voll intakten Immunsystem aufgebaut wird.

Ein weiteres Strategieziel der Allianz ist die „Verbesserung der Impfraten beim medizinischen Fachpersonal und Stärkung ihrer entscheidenden Rolle als Impfende.“ Nicht geimpfte Personen im Gesundheitswesen stellen einerseits ein Potential für die Krankheitsübertragung dar. Gleichzeitig hat der Expertenstatus von Mitarbeitern der Gesundheitsberufe, zu welchen neben Ärzten auch Pflegepersonen und Apotheker in besonderem Maße zählen, entscheidenden Einfluss auf das Impfverhalten von Erwachsenen. Aber auch die Kostenerstattung von Impfungen beeinflusst die Impfbereitschaft demnach wesentlich: „Die Verfügbarkeit von für den Patienten kostenfreien oder teilerstatteten Impfungen kann sich in bedeutendem Maß auf die Impfraten auswirken.“

Vorsorgeuntersuchungen und Impfaktionen in Apotheken stellen einen guten Anlass dar, auf notwendige Impfungen hinzuweisen. Hier kann der Impfstatus überprüft und gegebenenfalls ergänzt werden.

Quellen: A. Kwetkat et al.: Impfungen im Alter in: Z Gerontol Geriat 2013 · 46:673-681

M.K. Gusmano et al.: Lebenslanges Impfen in: Präv Gesundheitsf 2010 · 5 [Suppl 1]:16-22

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