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© ArtmannWitte / iStockphoto
 
Allgemeinmedizin 4. November 2013

Stress & Burnout

Wege aus der Krise brauchen umfassende Unterstützung

Als häufig gebrauchte Begriffe spiegeln Stress und Burnout scheinbar den Zustand unserer Gesellschaft wider. Überlastung und Erschöpfungszustände sind freilich Erscheinungen, die den Menschen schon viel länger begleiten und je nach aktueller Weltsicht und Kulturkreis unterschiedliche Erklärungsmuster nach sich zogen.

Entsprechend wurden auch Behandlungsansätze entwickelt, um die für die Gesellschaft dysfunktionalen individuellen Beeinträchtigungen zu beheben. Dass der Mensch in seiner Individualität und seinem persönlichen Leiden betrachtet wird, ist allerdings eine Errungenschaft des späten 19. und 20. Jahrhunderts.

Stress verläuft in Phasen

Großer Idealismus, Perfektionismus, mangelnde Abgrenzungsfähigkeit und der Verlust der realistischen Eigenwahrnehmung sind häufig der zunächst unerkannte Einstieg in eine gefährliche Kettenreaktion. Hohes Engagement und daraus folgend hohe Anerkennung schaukeln sich gegenseitig hoch, die jedoch auf Dauer nicht gehalten werden können und über die Zwischenstufe der Frustration und Unlust zur Dauererschöpfung führen.

„Stress verläuft im Wesentlichen in drei Phasen“, stellt Martin Straube, anthroposophisch tätiger Mediziner aus Fischerhude bei Bremen, fest: „der ‚Alarmphase‘, der ‚Widerstandsphase‘ und der anhaltenden Erschöpfungsphase.“ In der Alarmphase steht dem Organismus eine hohe Energiekapazität zur Verfügung, die entwicklungsgeschichtlich für Flucht oder Kampf bereitgestellt wurde, die sich jedoch gefährlich auswirkt, wenn die durch Cortison und Adrenalin verfügbare adrenerge Energie nicht genützt wird. Erhöhter Blutdruck, erhöhte Schlagfrequenz und erhöhtes Schlagvolumen laufen, so Straube, ins Leere bei tendenziell diabetogener Stoffwechsellage und mobilisierten Blutfetten. Das wirkt sich in Form von „Nervosität“ mit Übererregbarkeit, Schlafstörungen, Verspannungen und psychomotorischer Unruhe und Gefäßveränderungen aus.

In der „Widerstandsphase“ forciert der Organismus als Schutz vor der - nicht genützten - adrenergen Wirkung die parasympathischen Funktionen und stellt damit einen Widerspruch zum weiter hochaktiven Sympathicotonus her. Die Folge dieses gleichzeitig hohen Niveaus der beiden Systeme, die sich ständig in rhythmischen Prozessen abwechseln, sind Funktionsstörungen rhythmisch ablaufender Funktionen, wie das Reizdarmsyndrom, funktionelle Kreislaufbeschwerden, Migräne, sexuelle Störungen u.v.a.m.

Schließlich wird die vom Körper offenbar nicht genutzte adrenerge Energiezufuhr in der dritten Phase wieder reduziert. Dies führt zu einem Zustand der parasympathischen Starre, wie Straube beschreibt: „Mit allen Erscheinungen der Erschöpfung, die anhält, trotz Ruhephasen, Urlaub, Kur und Antidepressiva.“ Zusätzlich kann diese gegenüber den Interventionsmaßnahmen resistente und oft lange anhaltende Erschöpfung zur organischen Manifestation der Funktionsstörungen führen. Die Abwehrkräfte werden geschwächt und der Körper wird gegenüber immunabhängigen Erkrankungen anfälliger. „Auch seelisch fehlt den Betroffenen alle Kraft, was nicht selten zur Symptomatik der Depression führt“, zählt Straube das Spektrum der möglichen Auswirkungen auf, die häufig zum Bedürfnis des Betroffenen führen, sich mit Beruhigungsmitteln, Alkohol oder Drogen zu betäuben. Mit gesteigertem Suizidpotential in dieser Phase.

Unterstützung für jede Phase

Die anthroposophische Medizin, die sich auf der Anthroposophie von Rudolf Steiner in Verbindung mit der naturwissenschaftlichen Medizin begründet, ordnet die Funktionen des Organismus drei Bereichen zu: Dem Nerven-Sinnes-System, dem rhythmischen System und dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, die mit den drei Phasen des Stress/der Überlastung augenscheinlich korrespondieren.

So lässt sich die erste Phase mit Sinnesüberreizung und rasenden Gedanken als „Nervosität“ und als hyperreagibles „Nerven-Sinnes-System“ und die zweite Phase durch die Störungen körpereigener Rhythmen als Störung des „rhythmischen Systems“ verstehen. Die dritte oder Erschöpfungsphase, in der dem Organismus leiblich, seelisch und geistig die Kraft fehlt, die der Stoffwechsel nicht mehr ausreichend zur Verfügung stellt, wird in der anthroposophischen Medizin als Stoffwechselschwäche betrachtet. „Langfristiger Stress“, so Straube, „erscheint uns daher als eine globale Schwächung des ganzen Organismus.“

Den vielen möglichen Ursachen von Stress auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene entsprechend, ist auch der Behandlungsansatz vielfältig. Verhaltens- und psychotherapeutische Maßnahmen bilden zwar einen wesentlichen Pfeiler für den Weg aus der vollkommenen Erschöpfung - benötigen allerdings entsprechende Rahmenbedingungen, um vom Betroffenen aktiv mitgetragen werden zu können. Die anthroposophische Medizin bietet hier mit speziellen Mitteln Unterstützung, um dem Organismus in allen drei betroffenen Systemen regulierend zur Seite zu stehen - zu schützen, zu mobilisieren und ins Gleichgewicht zurückzuführen. Damit erhält der Betroffene wieder die Kraft, um sein Wohlbefinden aktiv zu steuern und zu erhalten.

Informationen: www.praxis-straube.net

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