zur Navigation zum Inhalt
© Mit freundlicher Genehmigung von PD Dr. Thorsten Zehlicke, Hamburg
Abb. 1: Endoskopie bei Reizhusten: trockene Rachenschleimhaut.

Abb. 2: Optische Kohärenztomographie vor Therapie: regelrechte Pharynxschleimhaut mit rauer, poröser Oberfläche (oben), nach zehntägiger Therapie mit Hyaluronsäure-haltigen Halstabletten: glattere Pharynxschleimhaut mit homogener Binnenstruktur (unten)

Abb. 2: Optische Kohärenztomographie vor Therapie: regelrechte Pharynxschleimhaut mit rauer, poröser Oberfläche (oben), nach zehntägiger Therapie mit Hyaluronsäure-haltigen Halstabletten: glattere Pharynxschleimhaut mit homogener Binnenstruktur (unten)

Abb. 3: Der Anteil der Patienten mit Problemen im sozialen Umfeld nimmt ab (3).

 
HNO 14. Oktober 2013

Reizhusten durch trockene Pharynxschleimhaut

Per optischer Kohärenztomographie visualisiert: Befeuchtungseffekt von Halstabletten mit Hyaluronsäure.

Bei Patienten, die über Reizhusten klagen, lässt sich im Zuge der HNO-ärztlichen Untersuchung der Atemwege häufig eine trockene Rachenhinterwand erkennen. Hyaluronsäure-haltige Halstabletten können die typischen Symptome - Hustenreiz, Heiserkeit, Räusperzwang - lindern und die Lebensqualität des Patienten verbessern. Mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) konnte erstmals visualisiert werden, dass der Hydrogelkomplex einen Feuchtigkeitsfilm auf der Schleimhaut bildet und deren Struktur verbessert.

Reizhusten zählt zu den Beschwerden, über die Patienten häufig klagen, auch in der HNO-ärztlichen Praxis. Reizhusten erfordert diagnostisch die Endoskopie von Pharynx, Larynx und Trachea, gegebenenfalls auch eine radiologische und/oder eine internistische Abklärung [1]. Denn zahlreiche Differenzialdiagnosen müssen ins Kalkül gezogen werden und evtl. muss ein weiterer Facharzt hinzugezogen werden. Das Spektrum der möglichen Ursachen ist breit und reicht von Umweltfaktoren über das Rauchen bis hin zu malignen Erkrankungen.

Akuter Husten ist meist viral, selten bakteriell bedingt. Die zugrundeliegende Pharyngitis wird dabei durch Viren der Parainfluenzagruppe, Myxoviren, Adeno- und Coxsackie-Viren ausgelöst. Chronischer Reizhusten - definiert als Husten, der länger als acht Wochen andauert - kann unter anderem auch auf ein Asthma bronchiale, eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder ein Bronchialkarzinom hinweisen. Auch an eine mögliche Medikamentennebenwirkung muss gedacht werden, etwa bei Einnahme von ACE-Hemmern.

Reizhusten oft bei Personen, die viel sprechen müssen

Oft aber steckt hinter dem quälenden Husten lediglich eine trockene Mund- und Rachenschleimhaut, die zu den charakteristischen Symptomen - Hustenreiz, Räusperzwang und Heiserkeit - führt. Typisch ist endoskopisch eine ausgetrocknete Rachenhinterwand. Im Kehlkopf ist manchmal eine Gefäßzeichnung der Stimmlippen (vermehrt bläuliche und rötliche Adern sichtbar) festzustellen. Besonders häufig tritt Reizhusten bei Personen auf, die beruflich bedingt viel sprechen müssen wie Dozenten, Lehrer, Schauspieler, Arzthelferinnen oder auch Mitarbeiter von Call-Centern.

Hyaluronsäure gegen Räuspern und Hustenreiz

Eine Therapieoption bei Reizhusten sind Halstabletten mit Hyaluronsäure (GeloRevoice®), die die Mund- und Rachenschleimhaut langfristig befeuchten. Sie werden schon seit geraumer Zeit zur Behandlung von Hustenreiz, Räuspern und Heiserkeit, sprich: bei „trockenem Hals“, erfolgreich eingesetzt.

Das Wirkprinzip: Beim Lutschen entwickeln die Tabletten ein hochwertiges Hydrogel, das die Schleimhaut für mindestens eine Stunde befeuchtet. Dabei handelt es sich um einen viskosen Komplex aus Natriumhyaluronat und weiteren Hydrogelbildnern. Durch den leichten Brauseeffekt und die speziell zusammengesetzten Mineralstoffe wird der Speichelfluss angeregt und eine intensive Benetzung des Mund- und Rachenraumes gefördert.

Per OCT: optische Darstellung des Feuchtigkeitsfilms

Dass das Hydrogel tatsächlich einen schützenden Film auf der trockenen Rachenschleimhaut bildet und deren Regeneration fördert, war visuell bislang allerdings nicht gezeigt worden. Nun wurde erstmals mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) der befeuchtende Effekt der Hyaluronsäure-haltigen Halstabletten dargestellt. Mit dem nicht-invasiven Verfahren, das in der Ophthalmologie häufig eingesetzt wird, können der Zustand der Rachenschleimhaut genau erfasst und die direkten Effekte des Hydrogels auf die Struktur der Schleimhaut dokumentiert werden. Der dabei eingesetzte schwache Laserstrahl wird von den unterschiedlichen Gewebeflächen reflektiert und anschließend detektiert. Vorteil dieses Verfahrens ist die relativ hohe Eindringtiefe von 1-3 mm in das Gewebe [2].

Glatte Schleimhautoberfläche, homogene Struktur

Durchgeführt wurde die OCT bei einem 36-jährigen Patienten, der bereits seit Wochen unter Reizhusten litt und berichtete, er habe ständig „einen trockenen Hals“, der ihn in seiner Berufsausübung stark beeinträchtige. Gurgeln mit Kochsalzlösung hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht. In der HNO-ärztlichen Untersuchung fiel eine ausgetrocknete Rachenschleimhaut auf (Abb. 1), bei sonst reizfreiem Befund. Die OCT der Schleimhautoberfläche zeigte eine regelrechte Pharynxschleimhaut, allerdings mit einer rauen, porösen Oberfläche (Abb. 2).

Zehn Tage später, in denen der Patient mehrmals täglich eine Hya-luronsäure-haltige Halstablette gelutscht hatte, ergab die OCT ein völlig anderes Bild der Schleimhautoberfläche: Die Binnenstruktur des Epithels war homogener, was einen höheren Flüssigkeitsanteil bedeuten kann. Zudem erschien die Schleimhautoberfläche glatter und ohne poröse Anteile (Abb. 2). Die verbesserte Schleimhautstruktur ging mit einer reduzierten Symptomatik einher. Der Reizhusten hatte sich deutlich gebessert; das Gefühl des trockenen Halses wurde vom Patienten nicht mehr beklagt.

Weitere Studien müssen nun zeigen, ob sich diese Effekte auch mit anderen Verfahren eindeutig nachweisen lassen.

Feuchte Rachenschleimhaut - weniger Hustenreiz

Der klinische Nutzen des Befeuchtungseffekts Hyaluronsäure-haltiger Halstabletten bei Beschwerden eines trockenen Halses ist schon vor längerem in Beobachtungsstudien gezeigt worden [7]. Aktuelle retrospektive Studiendaten dokumentieren auch eine hohe Wirksamkeit bei Patienten mit Reizhusten und bei Vielsprechern [3].

Kaum Alternativen zu Hyaluronsäure

Ist der Reizhusten Folge einer trockenen Mund- und Rachenschleimhaut, standen bislang kaum befriedigende Therapieoptionen zur Verfügung. Für Antitussiva, die häufig zur Nacht eingesetzt werden, ist die Wirksamkeit nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Zudem gehen sie mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen einher [4] oder besitzen, wie etwa Dextrome-thorphan, ein Abhängigkeitspotenzial. Hochprozentige Salzlösungen, die vielfach verordnet werden, trocknen die Schleimhäute eher aus und fördern damit eine Verschlechterung des Reizhustens. Naturheilkundliche Verfahren bringen nur vorübergehend Linderung. Mit den Hyaluronsäure-haltigen Halstabletten lässt sich dagegen der Reizhusten ursächlich behandeln. Denn das Hydrogel schützt die Schleimhäute vor dem Austrocknen. Der Reizhusten wird so eingedämmt.

 

Halstabletten mit Hyaluronsäure wirksam bei Reizhusten

Weniger Symptome - mehr Lebensqualität

Halstabletten mit Hyaluronsäure befeuchten die Mund- und Rachenschleimhaut bis zu einer Stunde und länger. Beobachtungsstudien ergaben, dass sich mit diesem Wirkprinzip Hustenreiz, Räusperzwang und Heiserkeit lindern lassen. In einer aktuellen re-trospektiven Studie der HNO-Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg wurde bei 41 Patienten, die meisten davon viel sprechende Personen wie Dozenten, Arzthelferinnen und Verkäufer, der Effekt der Hyaluronsäure in der klinischen Praxis untersucht.

Die Patienten klagten anamnestisch über Räusperzwang, Hustenreiz und/oder Heiserkeit. Bei allen Patienten konnte eine trockene Rachenschleimhaut festgestellt werden. Nach einer 7- bis 15-tägigen Intervalltherapie mit Hyaluronsäure-Halstabletten, die mehrmals täglich gelutscht wurden, wurden die Patienten erneut befragt.

Die Symptome hatten sich subjektiv deutlich gebessert. Über Räusperzwang klagten nur noch 4 von ursprünglich 39 Patienten. Unter Hustenreiz litten noch 7 von 34 Patienten und unter Heiserkeit 5 von 31 Patienten. Auch die Zahl der Patienten, die sich durch die Symptome beruflich eingeschränkt fühlten, sank deutlich, nämlich von 36 auf 6 Patienten.

Soziales Umfeld profitiert, Lebensqualität steigt

Von besonderem Interesse war auch der Blick auf Probleme mit dem sozialen Umfeld vor und nach der Therapie. Denn chronischer Husten kann zu sozialen Problemen führen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Im Verlauf kann dies psychische Veränderungen zur Folge haben und den Hustenreiz quasi „psychogen“ verstärken [5, 6]. In einer weiteren Studie berichteten 36 Studienteilnehmer zu Beginn über Probleme im sozialen Umfeld. So fühlten sich die Bettnachbarn häufig gestört; einige Patienten klagten auch über Pro-bleme beim Sprechen. Nach der Therapie gaben noch 9 Patienten an, dass ihre Lebensqualität im beruflichen oder privaten Bereich durch den Reizhusten eingeschränkt war. So fühlten sich Patienten, die vorwiegend in Sprechberufen tätig waren, weniger in der Berufsausübung beeinträchtigt als vor der Therapie.

Literatur
1. Kardos et al., Pneumologie 2004; 58:570-602
2. Sittel C, HNO 2007; 55 (6):435-436
3 HNO-Abteilung Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, data on file
4. Smith SM et al., Cochrane Database Syst Rev 2012; 8: CD001831
5. Hasegawa T et al., Allergol Int 2012; 61(3):475-87
6. Walters P et al., PLoS ONE 6 (6):e20750
7. Forum kompakt HNO 2011; 5: „Hydrogel-Komplex bei Halsbeschwerden“

Erstveröffentlichung in HNO, Band 61/5

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben