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Gastroenterologie 2. September 2013

Brennen aus dem Magen

Üppiges Essen und Lebensstil fördern die Säureproduktion, bieten aber auch eine breite Auswahl an Maßnahmen zur Besserung und Unterstützung medikamentöser Ansätze.

Nach einer schweren Mahlzeit haben viele Menschen Sodbrennen. Meist lässt sich das mit den richtigen Medikamenten beheben. Treten die Beschwerden häufig auf, kann eine ernste Störung dahinterstecken.

Fast jeder fünfte Erwachsene in westlichen Industrieländern hat hin und wieder Magenbeschwerden wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen. In manchen Fällen können für derartige unspezifische Symptome allerdings auch ernste Erkrankungen verantwortlich sein, wie Magengeschwüre oder Infektionen bis zu malignen Tumoren. Häufiges oder sehr starkes Sodbrennen kann Ausdruck einer Refluxkrankheit sein, die von einem Arzt abgeklärt werden sollte. Neben Aufstoßen und Sodbrennen kann eine Refluxkrankheit auch von Schluckbeschwerden begleitet sein, ebenso wie Brennen im Rachen, schlechtem Geschmack im Mund und Magengeräuschen.

Weitere Symptome können ein starkes Völlegefühl, teilweise auch Übelkeit und Brechreiz sein. Die Speiseröhre kann, muss aber nicht entzündet sein. Zur raschen Symptomlinderung und zur Überbrückung bis zur Ursachenbehebung steht heute eine vielfältige Auswahl an Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkprinzipien zur Auswahl. Da der Kunde im allgemeinen nur seine Symptome mitteilen kann, ist die sorgfältige Beratung durch das Apothekenteam vor der Abgabe eines Medikamentes ebenso wichtig, wie die Grenzziehung für die Selbstmedikation.

Viele Menschen wachen nachts mehrmals mit Schmerzen und Brennen in der Speiseröhre auf. Hier helfen oft einfache Tipps, wie spät abends nichts mehr zu essen, mit höher gelagertem Oberkörper oder auf der linken Körperseite zu schlafen. Ebenso kann der Verzicht auf säurelockende Lebensmittel wie fette oder stark gewürzte Speisen, Kaffee, Schokolade, Zitrusfrüchte oder kohlensäurehaltige Getränke die Situation bessern. Rauchen und Übergewicht belasten das Verdauungssystem ebenfalls und drücken auf Speiseröhre und Magen. Sodbrennen kann auch eine Begleiterscheinung der Schwangerschaft sein, vor allem im fortgeschrittenen Stadium, wenn durch das Wachstum des Babys für den Magen weniger Platz ist.

Reichen die einfachen Maßnahmen nicht aus, stehen zahlreiche medikamentöse Therapiemöglichkeiten zur Verfügung

Antazida

Antazida neutralisieren den Magensaft in der Speiseröhre und im Magen. Sie sind bei sporadischen Beschwerden und bekannten Auslösern indiziert. Antazida sind eine Option bei leichtem Sodbrennen oder bei Unverträglichkeit von PPI und H2-Blockern bzw. zur Überbrückung bis diese ihre Wirkung entfalten. Sowohl als Antazidum als auch als mechanischer Blocker der Magensäure vor dem Rückfluss wirken Alginate.

Protonenpumpen-Inhibitoren

Das Deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) nennt als derzeit wirksamste Medikamente die Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI). Sie unterdrücken die Bildung von Magensäure, indem sie das Enzym H+/K+-ATPase in der Magenschleimhaut hemmen, so dass der Magensaft weniger Protonen enthält. PPI haben eine länger anhaltende Wirkung als Antazida oder H2-Blocker, der Wirkeintritt erfolgt aber erst nach drei bis vier Stunden. Bei kurzfristiger Anwendung sind sie unproblematisch, sie sollten daher in der Selbstmedikation maximal bis vier Wochen eingenommen werden. Die längerfristige Säureblockade kann zu einer erhöhten Säurebildung führen. Bei anhaltenden Beschwerden ist ein Arztbesuch dringend anzuraten.

H2-Blocker

H2-Blocker verhindern, dass größere Mengen an Magen-Salzsäure ausgeschüttet werden, indem sie die Bindung den Rezeptor für den Botenstoff Histamin blockieren. Die Wirkung setzt nach ein bis eineinhalb Stunden ein und hält etwa zwölf Stunden an. Da die Säureblockade nach einigen Tagen nachlässt, sind H2-Blocker nur für die kurzfristige Anwendung geeignet.

Auf Einnahmebesonderheiten hinweisen

Wichtig in der Beratung der Kunden mit säurebedingten Magenbeschwerden sind die Einnahmehinweise: Protonenpumpen-Inhibitoren sollten eine halbe bis eine Stunde vor dem Frühstück oder Abendessen eingenommen werden, die Wirkung von H2-Blockern ist unabhängig von den Mahlzeiten und Antazida wirken am besten ein bis drei Stunden nach dem Essen, vor dem Schlafengehen und mit zwei Stunden Zeitabstand zur Einnahme anderer Medikamente.

springer-gup/ki

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