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© Daniel Ernst / fotolia.com
Ständige Sonnenbestrahlung begünstigt hellen Hautkrebs.
 
Arbeitsmedizin 30. August 2013

Berufsdermatosen und Hautkrebs

Betriebliche Hautschutzprogramme sind unverzichtbar – der Nachholbedarf ist groß.

Sie sind den ganzen Tag der ungeschützten Sonnenbestrahlung ausgesetzt: Bauarbeiter, der Hitze wegen meist mit nacktem Oberkörper. „Es ist inzwischen gesichert, dass durch die langjährige UV-Exposition bei Arbeiten im Freien das Risiko für Plattenepithelkarzinome und multiple aktinische Keratosen signifikant ansteigt.“ Darauf machte Apotheker Dr. Joachim Kresken, Irmgardis Apotheke in Viersen, im Rahmen der Sommerakademie der Österreichischen Apothekerkammer in Pörtschach am Wörthersee aufmerksam.

Der bei Arbeiten in ständiger Sonnenbestrahlung erworbene helle Hautkrebs steht in Deutschland kurz vor der Anerkennung als neue, unfallversicherungspflichtige Berufskrankheit. Auch in Österreich soll diese Form der beruflichen UV-Schädigung in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen werden. „Der Schutz der Berufstätigen vor natürlicher UV-Bestrahlung wird künftig an Bedeutung zunehmen. Der Arbeitgeber wird verpflichtet, für einen geeigneten Schutz vor UVA und UVB Bestrahlung zu sorgen“, fordert Kresken.

Hautschutzprogramme: Apotheken sollen mitmachen

Der Anteil der Berufsdermatosen an den Berufskrankheiten insgesamt beträgt etwa ein Drittel. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Kontaktekzeme. Betroffen sind vor allem Hände, Arme und Gesicht. Die Reihe der Auslöser ist lang. Dazu zählen irritative und sensibilisierende Substanzen wie Gummi, Lösungsmittel, Chromat in Zement und Leder, Harze, Insektizide, Klebstoff, Nickel, Haarfarben, Duftstoffe. Dementsprechend stark betroffen sind bestimmte Berufsgruppen wie Maurer, Friseure, Reinigungs-und Gastgewerbepersonal, Beschäftigte im Gesundheitsbereich und Metallarbeiter. Das Arbeitgeberschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter zu sorgen.

Doch das kann nur mit betrieblichen Hautschutzprogrammen funktionieren, „sie sind unverzichtbar“, betont Kresken. „Dazu gehören Hautschutzpläne, geeignete Hautschutz-, Hautreinigungs- und Pflegepräparate und Schulungsprogramme. Hier besteht noch ein erheblicher Nachholbedarf an Information und Beratung. Dabei sollen Dermatologen und Apotheker in die Maßnahmen einbezogen werden. Vor allem der Apotheker vor Ort kann sowohl dem jeweiligen Betrieb als auch dem Arbeitnehmer entsprechend angepasste Konzepte und Präparate empfehlen.“

Prüfung der Wirksamkeit

Für die Prüfung der Wirksamkeit von Hautschutzmitteln werden in vivo Untersuchungen an freiwilligen Probanden bereits routinemäßig durchgeführt. Auch dazu kann der Apotheker aus dem Feedback seiner Kunden wertvolle Erfahrungen liefern, wie ein Präparat aufgenommen wird. So sollen etwa Kunden mit Handekzem über Präventionsmöglichkeiten informiert werden. Auch eine geeignete Kombination von Hautschutz und passendem Pflegemittel kann individuell empfohlen werden. Betriebe im direkten Einzugsgebiet einer Apotheke können sich bei der Belieferung von Hautschutz- und Hautreinigungsmitteln absprechen.

Routinetests werden inzwischen für Modellschadstoffe wie Natriumlaurylsulfat durchgeführt. Die derzeit verfügbaren In-vitro und Ex-vivo Verfahren liefern allerdings nur orientierende Testergebnisse, die für die Bewertung der Wirksamkeit eines Hautschutzmittels allein nicht ausreichen. Außer durch den galenischen Formulierungstyp wird die Wirksamkeit von Hautschutz- und Hautpflegemitteln auch durch die jeweiligen Zusatzstoffe beeinflusst. So können etwa adstringierende Zusätze wie Gerbstoffe oder transpirationshemmende Stoffe eine Verminderung der Hautmazeration bewirken und so den Tragekomfort von Schutzhandschuhen verbessern.

Hautschutz und Hautpflege

Das Ziel ist, den Barriereschutz der Haut zu erhalten bzw. zu verbessern. Die Mehrzahl der angebotenen Produkte soll vor hautirritierenden Noxen schützen und die Penetration von Schadstoffen so gering wie möglich halten. „Bei der Auswahl der Hautschutzmittel muss die Galenik auf die physikalisch-chemischen Eigenschaften der jeweiligen Noxen zugeschnitten sein. Außerdem müssen sie auch individuell getestet werden. Da Hautschutzmittel nie einen vollständigen, sondern immer nur einen partiellen Kontaktschutz bewirken, können sie nicht als Ersatz für Schutzhandschuhe dienen. Auslobungen wie ‚Flüssiger Handschuh‘ konnten weder in Studien, noch in der praktischen Anwendung nachvollzogen werden“, betont Kresken.

Hautpflegemittel bewirken in erster Linie eine Glättung der Hautoberfläche und ein subjektives Pflegegefühl. Darüber hinaus können sie den Lipid- und Wassergehalt der Haut erhöhen und zur Restitution einer gestörten Hautbarriere beitragen.

Leitlinien für die Hautreinigung

„Gründlich, aber schonend! Bürsten, Bimstein, technische Reinigungstechniken sind zu meiden“, empfiehlt der Experte. Mit dem Duhring-Kammer-Test können Hautirritationen geprüft werden. Die Produkte sollen einen schwach sauren pH-Wert haben. In apothekerüblichen Syndetpräparaten sind Tenside enthalten, die Irritationen auslösen können, etwa Fettalkoholethersulfate, Fettsäuresalze (Seifen), Fettalkoholsulfate. Auch bei der Auswahl der Mittel für die Hautreinigung kann der Apotheker je nach der Art der Verschmutzung und dem Hauttyp des Kunden beraten.

Die vier wichtigen Schritte zum Schutz der Haut, die jeder selbst machen kann :

• Hautpflege schon vor der Arbeit, um die Schutzbarriere der Haut zu erhalten

• Hautschutz während des Arbeitsprozesses

• schonende Hautreinigung und

• Hautpflege nach der Arbeit.

Quelle: Sommerakademie für Apotheker am Wörthersee, Pörtschach, 21.-23. Juni 2013, Dermopharmazie und Kosmetik

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 7/2013

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