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Noroviren verursachen innerhalb kürzester Zeit Brechdurchfall und sind hoch infektiös.
 
Allgemeinmedizin 15. April 2013

Mehr Magen-Darm-Infekte

Bei Verdacht den Gastroenterologen aufsuchen

Wellen von Magen-Darm-Infekten treten in unseren Breiten seit einigen Jahren vermehrt auf. Die Zahl der stationär behandelten infektiösen Durchfallerkrankungen in Deutschland lag 2010 bei weit über 250.000. Mehr als 3500 Betroffene starben in der Folge.

Im Jahr 2011 registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin allein 65.000 Fälle meldepflichtiger, stationär zu behandelnder Fälle. Um Durchfall-Epidemien einzudämmen und Patienten wirksam zu helfen, ist eine zügige Suche nach den Ursachen entscheidend. Deshalb sollten sich Betroffene schnellstmöglich gastroenterologisch behandeln lassen.

Lebensmittel sind häufig Ursache von Massenausbrüchen

Häufig sind Ausbrüche massenhafter infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen lebensmittelbedingt, die sich, so die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) auch zukünftig nicht vermeiden lassen werden. Bekämpfen ließe sich die Ausbreitung der Erreger jedoch durch bestmögliche Hygiene. Insbesondere das Norovirus - ein hoch ansteckender Erreger von meist schlagartig einsetzendem Durchfall und heftigem Erbrechen - verbreitet sich stark: Laut Statistischem Bundesamt wuchs die Zahl der stationär behandelten Fälle in Deutschland von einigen 100 im Jahr 2000 auf über 40.000 im Jahr 2011. Eine ähnliche Häufigkeit erreicht das vor allem bei Eltern von Kleinkindern gefürchtete Rotavirus: Der Durchfallinfekt geht mit Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen einher. Weil die kleinen Patienten schnell viel Flüssigkeit verlieren, kann die Krankheit lebensbedrohlich verlaufen.

Labortests ermöglichen gezielte Erregeridentifikation

Labortests an fast 100.000 Stuhlproben der Jahre 2002 bis 2008 aus Süddeutschland wiesen über das ganze Jahr die verschiedensten Erreger nach. Noroviren jedoch treten vorwiegend zwischen September und April auf, Rotaviren zwischen Dezember und Juni. Bakterien kommen vermehrt von Juni bis November vor. Einzelne Erreger finden sich gehäuft bei Kindern und älteren Menschen: Säuglinge erkranken am häufigsten an Rota-, Noro- und Adenoviren. Im Kindergarten- und Schulalter häufen sich bakterielle Darminfekte durch Salmonellen und Campylobacter. Patienten ab 60 Jahren erkranken überwiegend an Noro-, Rotaviren und dem Bakterium Clostridium difficile.

Diese Ergebnisse erlauben auch ein gezielteres Vorgehen bei der Ursachensuche: „Da bestimmte Keime eindeutig alters- und saisonabhängig vorkommen, empfiehlt sich eine Stufendiagnostik, nach der wir zuerst auf die häufigsten Erreger testen“, sagt Prof. Dr. Andreas Stallmach, Universitätsklinikum Jena. Seien die Tests negativ, müssten Ärzte das Spektrum schnell auf andere Erreger erweitern. Im Idealfall dauern einfache Tests wenige Stunden beziehungsweise einen Arbeitstag. Patienten müssten ausreichend Flüssigkeit aufnehmen und, wenn möglich, isoliert werden, damit sie niemanden anstecken.

Wichtig sei laut DGVS auch, dass Patienten schnellstmöglich in die Hände von Experten gelangen. Der Gastroenterologe kann nach der Diagnose die geeignete Therapie einleiten und in den meisten Fällen helfen: „Bei nicht zusätzlich geschwächten Erwachsenen klingt ein solcher Infekt schon nach wenigen Tagen ab“, sagt Stallmach. Dass derartige Epidemien zukünftig immer wieder auftreten, sei jedoch nicht vermeidbar, bedauert der Experte. „Wir müssen deshalb in der Lage sein, schnell und richtig zu reagieren.“

Schutz vor einem Darminfekt bietet vor allem gründliche Hygiene: Desinfektion, Hand- und Mundschutz verhindern, dass Keime von Mensch zu Mensch wandern. Kliniken, Heime oder etwa Großküchen sollten sich dabei laut DGVS an den höchsten Standards orientieren.

Quelle: Presseaussendung DGVS

Durchfall - was tun?

Durchfall ist eines der Hauptsymptome der verschiedensten Darminfektionen. Hält der Durchfall länger als zwei Tage unvermindert an, sollte dem Patienten der Arztbesuch empfohlen werden. Da durch die erhöhte Flüssigkeitsausscheidung der Flüssigkeitshaushalt meist gestört ist, sollte dem Patienten unbedingt angeraten werden genug zu trinken. Als funktionale Unterstützung sind orale Rehydratationslösung Mittel der ersten Wahl. Da als Ursache für den Durchfall auch Medikamente oder eine Kombination von Medikamenten in Betracht kommen kann, sollte der Apotheker im Beratungsgespräch gezielt auch danach fragen. Neben den Arzneimitteln der Selbstmedikation ist es sinnvoll dem Betroffenen Tipps zu Hygiene, Ernährung und Verhaltensmaßnahmen zu geben.

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