zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 15. April 2013

Allergien grob unterdiagnostiziert

Atemwegsallergien werden häufig unterschätzt und führen zu beeinträchtigter Lebensqualität, schlechten Schulnoten und Problemen am Arbeitsplatz.

Schlafstörungen, eingeschränkte Konzentration, Probleme im Beruf und in der Schule sind nur einige der Probleme, mit denen Menschen mit Atemwegsallergien zu kämpfen haben. Mit Beginn der Pollensaison werden diese Beeinträchtigungen der Lebensqualität wieder besonders akut.

Allerdings sind Allergien nach wie vor unterdiagnostiziert. Eine europaweite Umfrage der Patientenorganisation EFA (European Federation of Allergy and Airway Diseases Patients Association) zeigt auf, dass die Krankheitslast von respiratorischen Allergien bei weitem noch nicht ausreichend wahrgenommen und anerkannt wird - weder von politischen noch medizinischen Entscheidungsträgern, Ärzten und oft auch nicht von den Patienten selbst, berichtet Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion (ÖLU) bei der Präsentation der geplanten Aktivitäten Mitte März in Wien. Die Folge: Allergien sind zwar ein weit verbreitetes aber auch weit unterbehandeltes Krankheitsbild. Mit einer Patientenerhebung in Kooperation mit der Österreichischen Apothekerkammer soll nun der Informationsstand erhoben und verbessert werden. Darüber hinaus startet die Österreichische Lungenunion in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Leiter der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen am Krankenhaus Hietzing eine Onlineumfrage zur „Situation von Menschen mit Asthma am Arbeitsplatz“. (www.lungenunion.at).

Die vernachlässigte Wahrnehmung von Allergien führt auch dazu, dass die Symptome sowie das Risiko der Verschlechterung unterschätzt werden. Dies kann zu weiteren Allergien, chronischem Asthma und zusätzlichen Einbußen in der Lebensqualität führen, so Spranger: „Oft wissen Patienten schlichtweg einfach auch nicht, dass es Therapien gibt, die ihre Lebensqualität verbessern und den Erkrankungsverlauf aufhalten können.“ Die Auswirkung auf die Lebensqualität wird jedenfalls zum Teil massiver erlebt als jene einer als „ernster“ wahrgenommenen Erkrankung wie z.B. Diabetes.

Die vielschichtigen Erscheinungs- und Ausprägungsformen von Allergien erfordern individuelle Therapien. Dabei stellen Kreuzreaktionen mit teilweise exotischen Nahrungsmitteln, das Durchschreiten der „Allergiker-Karriere“, Veränderungen des Ausmaßes von Beschwerden, das Ausweiten der allergischen Entzündung von Augen und Nase auf tiefere Atemwege sowie die Tatsache, dass im Lauf der Zeit weitere Allergien dazukommen können, die wesentlichen Herausforderungen in der Diagnose und Behandlung dar. „Eine Allergie ist nicht nur ein lästiges Übel, sondern ein ernst zu nehmender, chronischer Entzündungsprozess“, betonte Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szépfalusi von der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien.

Wiener Apotheker unterstützen Patienten bei Allergieerhebung

Mittels der Fragebogenaktion „Allergiecheck“ in Wiener Apotheken als Pilotprojekt, sollen Patienten die Möglichkeit erhalten, ihr persönliches Risikoprofil zu erkennen. Art und Häufigkeit der Symptome und die Krankheitslast, werden in wenigen Minuten erhoben und bei entsprechenden Ergebnissen empfiehlt der Apotheker den Allergietest beim Spezialisten. Damit soll die Früherkennung verbessert werden, denn, so Spranger, in Österreich dauert es sechs bis neun Jahre bis der Allergiker die richtige Diagnose erhält.

Vorbeugen und richtig therapieren

Die Errungenschaften der Forschung ermöglichen heute die zielgerichtete und Identifizierung des Beschwerde-auslösenden Stoffes und damit die Steigerung der Therapieeffizienz. Die Allergie-Therapie basiert im Wesentlichen auf der Vermeidung der Allergie-Auslöser, Linderung der Symptome und Behandlung der Ursache. Zur Allergen-Vermeidung steht seit kurzem eine kostenlose App zum Download auf www.pollenwarndienst.at zur Verfügung, die auf Basis des Pollentagebuchs eine individuelle Pollenwarnung geben kann.

Quelle: Presseinformation „Frühlingszeit ist Pollenzeit“,13. März 2013

Zum Thema Allergie siehe auch diese Ausgabe der Ärzte Woche Seite 22/23

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben