zur Navigation zum Inhalt
 
Impfen 15. März 2013

Schutz durch Impfungen

Der Impfplan wird jährlich nach letztem Stand des Wissens überarbeitet und steht online zur Verfügung.

Im Mittelpunkt des 4. niederösterreichischen Impftages am 3. März in Korneuburg standen Impfungen für über 50-Jährige. Altersbedingt erhöht sich die Infektanfälligkeit und die infektionsbedingte Morbidität und Mortalität nehmen zu. Mit entsprechenden Impfungen kann dieser Entwicklung entgegengewirkt und ein Schutz vor schweren, lebensbedrohlichen Infektionen gewährleistet werden.

Impfschutz wird häufig mit Kindern assoziiert, aber auch Erwachsene und vor allem Senioren sind vor Infektionskrankheiten nicht gefeit. Aktuelle epidemiologische Entwicklungen, neue wissenschaftliche Daten und speziell für ältere Personen zugelassene Impfstoffe haben zu entsprechenden Anpassungen der aktuellen Impfempfehlungen im Österreichischen Impfplan 2013 geführt.

Unterschätzte Gefahr Pneumokokken

Pneumokokken-Infektionen stellen nicht nur für die älter werdende Bevölkerung eine große Gefahr dar, auch Kinder zählen zur gefährdeten Zielgruppe. „Im Durchschnitt erkrankt nahezu jeden Tag eine Person in Österreich an einer schweren invasiven Pneumokokken-Infektion. Diese Bakterienart aus der Gruppe der Streptokokken verursachen bei Säuglingen und Kleinkindern schwere invasive Erkrankungen, wie Sepsis und Meningitis, aber auch Lungenentzündung und häufig Otitis. Von den österreichischen Kindern, die zwischen 2001 und 2008 eine Pneumokokkenmeningitis entwickelt haben, sind neun Prozent gestorben und 28 Prozent hatten nach sechs Monaten bleibende neurologische Spätschäden“, so Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Kinder- & Jugendabteilung am Landesklinikum St. Pölten. „Bei älteren Menschen verursachen Pneumokokkeninfektionen schwerwiegende Atemwegserkrankungen. Die Besiedlung des Nasopharynx von Senioren erfolgt vor allem durch direkten Kontakt mit Kindern und durch Kontakt mit Personen mit Kindern.“

Der Verlauf von schweren Pneumokokken-Infektionen kann dramatisch und innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich sein. Trotzdem wird die Gefahr einer Pneumokokken-Infektion häufig unterschätzt. Neben Säuglingen und Kleinkindern haben vor allem Erwachsene ab 50 Jahren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

„Die Impfung gegen schwere Pneumokokkenerkrankungen mit einem Konjugatimpfstoff für Säuglinge und Kleinkinder ist seit dem vergangenen Jahr im österreichischen Impfkonzept als Gratisimpfung enthalten. Seit Kurzem gibt es auch für Erwachsene einen modernen Konjugatimpfstoff (PNC13). Für alle Personen ab dem 51. Lebensjahr wird diese Impfung gegen schwere, sogenannte invasive Pneumokokkenerkrankungen empfohlen, die einen Schutz für etwa dreieinhalb Jahre bietet“, so Zwiauer weiter.

Keuchhusten, Masern und Mumps

Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner, Leiterin der Sektion III, Öffentliche Gesundheit und Medizinische Angelegenheiten im Bundesministerium für Gesundheit, ergänzt: Krankheiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, wie beispielsweise Masern können bei einer anhaltend hohen Durchimpfungsrate eliminiert werden. Die derzeitige epidemiologische Situation in Österreich erfordert vor allem Anstrengungen zur Reduktion des Erkrankungsrisikos an Keuchhusten, Masern und Mumps.“

Kosten-Nutzen-Relation von Schutzimpfungen

Ein vollständiger Impfschutz gilt aus gesundheitsökonomischer Sicht als besonders effizient, da Schutzimpfungen neben dem Individual- und Kollektivschutz eine besonders hohe Kosten-Nutzen-Relation aufweisen. Für den Präsidenten der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc, stellt Impfen daher eine der effektivsten und effizientesten Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge dar: „Vor vielen Infektionskrankheiten können wir uns mithilfe von Impfungen schützen. Das erspart nicht nur Leid bei den Betroffenen, auch der volkswirtschaftliche Aspekt darf nicht vernachlässigt werden.“

Erweiterte Impfempfehlungen für das Gesundheitspersonal

Auch beim Gesundheitspersonal sind die Durchimpfungsraten verbesserungswürdig. Doch geht das Problem bei dieser Zielgruppe über persönliche Interessen hinaus, da hier vor allem auch der Schutz der betreuten Patienten zu bedenken ist. „Grundsätzlich gelten für das Gesundheitspersonal die gleichen Basis-Impfempfehlungen wie für alle anderen Erwachsenen“, meint Dr. Irmgard Lechner, Sanitätsdirektorin des Landes Niederösterreich. „Diese umfassen zunächst den routinemäßigen Schutz vor Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Masern, Mumps, Röteln und Varizellen. Zusätzlich gibt es aber gerade für diese Zielgruppe eine Erweiterung der Empfehlungen, nämlich der Schutz vor Hepatitis A und B sowie die jährliche Influenzaimpfung. Ein zusätzlicher Schutz vor Meningokokken wird außerdem an Versorgungseinrichtungen für Pädiatrie und Infektionskrankheiten und für das Laborpersonal empfohlen.“

Ist der Impfstatus bekannt und ergibt die Evaluierung, dass durch eine Impfung ein Schutz der Beschäftigten erreicht werden kann und die Impfrisiken minimal sind, sind die Arbeitgeber verpflichtet, diese Impfungen anzubieten und die Kosten dafür zu tragen.

Gefährliche Influenza

Fast jedes Jahr kommt es in den Herbst- und Wintermonaten, typischerweise zwischen Dezember und März, zu einer Influenza-Epidemie, bei der sich 5-15 Prozent der Bevölkerung infizieren und viele davon erkranken. Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen ab 65 Jahren sind besonders gefährdet: Mehr als 60 Prozent aller Krankenhausaufenthalte aufgrund von Influenza und rund 90 Prozent der Todesfälle fallen in diese Altersgruppen. Auch Schwangere fallen in die Zielgruppe von Personen mit erhöhtem Risiko. „Hinsichtlich Influenza, welche durch die fast jedes Jahr auch in Österreich auftretende Epidemie bis zu 1.000 Todesfälle verursacht, ist es ebenfalls notwendig, die Durchimpfungsrate deutlich zu erhöhen“, meint Rendi-Wagner und betont den Schutz vor dieser schweren Erkrankung durch die Impfung.

Wesentliche Neuerungen und Änderungen im Impfplan 2013

  • Ausweitung der kostenfreien Masern-Mumps-Röteln Impfung bis zum Alter von 45 Jahren
  •  die Präzisierung der Empfehlungen für die Pneumokokkenimpfung von Kindern, Erwachsenen und Personen mit erhöhtem Risiko
  • kostenfrei für alle Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr
  • kostenfrei für Risikokinder bis zum vollendeten fünften Lebensjahr
  • die Weiterführung der Polioimpfung im Erwachsenenalter alle zehn Jahre (beziehungsweise alle fünf Jahre ab 60 Jahren)
  • Angaben zur Influenzaimpfung wurden präzisiert und erweitert; neu: Empfehlung für alle
  • bei anlassbezogenen Tetanusimpfungen und Auffrischungsimpfungen dT-PEA-IPV empfohlen
  • Pertussisimpfung für nicht-immune Schwangere (cocooning) ab der 27. SSW empfohlen

Der Impfplan wird alljährlich in enger Zusammenarbeit mit den Experten des Nationalen Impfgremiums nach dem letztem Stand des Wissens überarbeitet und aktualisiert. Der aktuelle Impfplan 2013 steht über www.bmg.gv.at online zur Verfügung.

Impfaktionen

Derzeit und in nächster Zeit laufen folgende Impfaktionen in österreichischen Apotheken:

  • Meningokokken A-, C-, W135-, Y-Konjugatimpfstoff (1. Jänner bis 30. Juni 2013)
  • FSME (1. März bis 31. Juli 2013)
  • Hepatitis (1. April bis 31. Mai 2013)
  • Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Polio) (1. Mai bis 30. Juni 2013)

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben