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Diabetologie 10. März 2013

Der erste Tropfen Blut reicht - bei gewaschenen Händen

Blutzucker richtig messen  

Etwa sechs Millionen Menschen sind in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt. In Österreich sind schätzungsweise 400.000 Personen betroffen. Viele messen ihren Blutzuckerspiegel selbst mit einem Messgerät, oft mehrfach am Tag. Dafür wird mit einer Stechhilfe durch einen Stich in den Finger ein kleiner Tropfen Blut gewonnen. Vor allem Patienten, bei denen der Diabetes erst kürzlich festgestellt wurde, sind dabei unsicher. Der Apotheker kann dabei im Zusammenspiel mit dem Arzt wertvolle Empfehlungen und Antworten geben.

„Immer wieder kursiert das Gerücht, dass es womöglich sicherer wäre, erst den zweiten Tropfen Blut für die Messung zu verwenden“, berichtet Prof. Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) aus Tübingen. Das lasse sich klar verneinen. Eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt: Wer sich die Hände vor dem Stechen mit Wasser und Seife wäscht und gut abtrocknet, erhält mit dem ersten Tropfen Blut sogar noch etwas genauere Messwerte als mit dem zweiten Tropfen. „Der zweite Tropfen sollte nur genommen werden, wenn der Finger verschmutzt ist und es keine Möglichkeit gibt, sich die Hände zu waschen“, betont Fritsche. Die Verwendung von Desinfektionsmitteln ist nicht notwendig.

Unmittelbar vor der Blutentnahme ist es sinnvoll, Arm oder Hand kurz auszuschütteln, alternativ den Finger leicht zu massieren. „Das regt die Durchblutung an und erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Blutprobe“, erklärt Prof. Dr. rer. nat. Lutz Heinemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie der DDG. Extreme Temperaturen, ob Kälte oder Hitze, sollten Patienten bei der Blutentnahme möglichst meiden.

Seitliche Fingerkuppe schmerzt weniger

Viele Diabetespatienten nutzen zum Stechen die vordere Fingerkuppe - dabei bieten sich die Seitenflächen der Fingerkuppe viel eher an. „Denn dort ist die Zahl der Nervenenden geringer, wodurch das Stechen weniger schmerzt“, erklärt Fritsche. Gleichzeitig sind die Gefäße dort dichter, die Blutversorgung damit besser. Um den Blutstropfen zu gewinnen, sicherheitshalber nur leicht drücken. Ob zu festes Drücken den Blutzuckerwert durch Gewebewasser verfälschen kann, ist wissenschaftlich derzeit noch ungeklärt.

Wer Schmerzen vermeiden will, sollte zudem die Stechhilfe am besten nur einmal oder wenige Male verwenden. Denn die Lanzette wird beim Einstechen stumpf und verletzt die Haut bei mehrmaligem Gebrauch zusätzlich. „Zu häufig verwendete Lanzetten gehören zu den wichtigsten Schmerz verstärkenden Faktoren“, betont Heinemann. Darüber hinaus birgt eine benutzte Lanzette die Gefahr einer Infektion.

Moderne Testgeräte benötigen heute nur noch 0,3 Mikroliter Blut für eine erfolgreiche Glukose-Messung. Zum Vergleich: In den achtziger Jahren waren noch 20 bis 30 Mikroliter notwendig. Trotz vielfältiger Bemühungen sei es jedoch bisher nicht gelungen, Geräte zu entwickeln, die im Alltag so zuverlässig messen, dass das Stechen in absehbarer Zeit durch eine unblutige Technik ersetzt werden könne, meint Heinemann: „Technisch ist es allerdings heute schon möglich, praktisch schmerzfreie Stechhilfen herzustellen, die jedoch teuer sind.“

Quellen: Presseaussendung Deutsche Diabetesgesellschaft

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