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Allgemeinmedizin 10. März 2013

Unterschätzte Beschwerden bei Heuschnupfen

Riechstörungen und geschwollene Augen belasten Heuschnupfen-Betroffene subjektiv am meisten

Allergische Erkrankungen mindern die Lebensqualität: Betroffene schlafen schlecht, die Konzentration leidet - mit erheblichen Folgen für die Leistungsfähigkeit. Aber es ist gar nicht so sehr das Geniese und Geschniefe, das Allergiegeplagten zu schaffen macht. Am lästigsten ist, wenn man zwischen geschwollenen Lidern kaum mehr aus den Augen schauen kann und das Riechvermögen beeinträchtigt ist - aber dagegen wird nur selten etwas unternommen.

„Während Asthmatikern meist das Mitgefühl ihrer Umgebung sicher ist, wird Heuschnupfen häufig bagatellisiert“, sagte Priv.-Doz. Dr. Matthias Kramer von der HNO-Klinik der LMU München. Die allergische Rhinitis sei jedoch nicht nur „ein bisschen Schnupfen“, sondern beeinträchtige die Lebensqualität in vielen Bereichen in ähnlichem Maße wie Asthma.

Französische Forscher haben 980 Patienten, die wegen ihrer allergischen Rhinitis eine Allgemeinarztpraxis aufgesucht hatten, nach ihren Beschwerden und deren Einfluss auf die Lebensqualität befragt. Folgende Symptome wurden mit ihrem Schweregrad erfasst: Niesen, eine laufende, juckende oder verstopfte Nase, Augensymptome und juckende Ohren. Wer sich woran störte, wurde mithilfe eines speziell für Patienten mit Rhinokonjunktivitis entwickelten Fragebogens abgefragt, dem RQLQ (Rhinoconjunctivitis Quality of Life Questionnaire).

Bindehautentzündung und geschwollene Lider waren eindeutig am lästigsten. Wer deswegen buchstäblich kaum mehr aus den Augen schauen konnte, fühlte sich dreimal mehr in der Lebensqualität beeinträchtigt als Patienten ohne Augensymptome. Als unangenehm wurde auch die körperliche Schwäche empfunden. Eine verstopfte Nase hatte dagegen überraschend wenig Einfluss auf die Lebensqualität, laufende Nase und Niesen gar keinen.

Schwere Symptome trotz Therapie

Von allen Symptomen war die Rhinorrhoe am häufigsten (89%), gefolgt von Niesen und verstopfter Nase (jeweils 82%), nasalem Juckreiz und Augensymptomen (jeweils 68%). Mehr als 60 Prozent der Patienten litten unter mäßigen bis schweren Symptomen. Dabei erhielten mehr als 70 Prozent antiallergische Medikamente. Mehr als die Hälfte aller Patienten hatte ein Antihistaminikum verschrieben bekommen, ein gutes Drittel Kortison. Ersteres wurde überwiegend oral, Letzteres überwiegend in die Nase verabreicht. Ein knappes Fünftel nahm abschwellende Mittel, vor allem Nasentropfen. Augentropfen mit einem Antihistaminikum hatten nur 15 Prozent der Patienten erhalten. Das Schlusslicht bildete Cromoglycinsäure (zum Großteil als Augenpräparat) mit drei Prozent.

Bescheidener Erfolg an den Augen

Die systemische Therapie mit Antihistaminika, so die HNO-Experten um Prof. Philippe Jean Bousquet von der Universitätsklinik in Montpellier, führt vor allem dazu, dass sich die nasalen Symptome bessern; an den Augen ist der Erfolg dagegen oft bescheiden. Generell gebe es bei der Therapie von Augensymptomen „erheblichen Nachholbedarf“, resümieren die Autoren. Das gelte für den gesamten Komplex der schweren chronischen Erkrankungen der oberen Atemwege.

Schlaf- und Riechstörungen

Ein großes Problem für Patienten mit allergischer Rhinitis sei die Müdigkeit, sagte Kramer. Symptome wie nasale Obstruktion und Rhinorrhoe treten nachts verstärkt auf und führen zu einer Schlaffragmentation, die die Schlafqualität mindert. Darüber hinaus gibt es Befunde, dass Entzündungsmediatoren bei allergischen Erkrankungen zentrale Wirkungen auf die Schlafarchitektur haben. So scheinen beispielsweise verschiedene Interleukine den REM- und Non-REM-Schlaf zu modulieren. Tagesmüdigkeit kann die Folge sein.

Schlafstörungen tragen auch dazu bei, dass die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf beeinträchtigt ist, sagte Kramer. Zudem führen Erkrankungen wie Sinusitis oder Otitis media, die häufig mit einer allergischen Rhinitis assoziiert sind, zu einem vermehrten Krankenstand und wirken sich ungünstig auf den Schulerfolg und die Arbeitsleistung aus.

„Oft unterschätzt werden Riechstörungen bei allergischer Rhinitis“, so Kramer weiter. Patienten merken manchmal selbst nicht, wie sehr ein eingeschränktes Riechvermögen ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Wohlgerüche lösen daher angenehme Empfindungen aus. Der Geruchssinn kann aber auch lebenswichtig sein, wenn er uns beispielsweise vor verdorbenem Essen bewahrt. Der „Geschmack“ einer Speise ist mehr, als die Geschmacksknospen in der Mundhöhle erkennen, die nur süß, sauer, salzig, bitter und umami unterscheiden können. Die Millionen Aromen von Nahrungsmitteln werden vor allem über die Riechschleimhaut wahrgenommen.

Ältere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Patienten mit Pollenallergie eine olfaktorische Dysfunktion aufweisen, die durch entzündliche allergische Prozesse bedingt ist. Die Inflammation im Bereich der Regio olfactoria scheint für Riechstörungen bei allergischer Rhinitis eine größere Rolle zu spielen als die nasale Obstruktion. Diese Zusammenhänge sollen eingehender geprüft werden.

springermedizin.de/ki, Apotheker Plus 2/2013

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